Mehr als ein Hauch Gruppe-B

Peugeot E-T16 Concept: Viel zu viel ist gerade genug

Peugeot erinnert sich an seine erfolgreichste Rallye-Ära und zeigt mit dem E-T16 Concept eine elektrische Neuinterpretation des 205 Turbo 16. Drei Elektromotoren liefern 816 PS, der Sprint auf 300 km/h soll gerade einmal 16 Sekunden dauern.

12. Oktober 2026

Michael Heimrich

Peugeot E-T16 Concept: Viel zu viel ist gerade genug

Mitte der 1980er Jahre gehörte der Peugeot 205 Turbo 16 zu den erfolgreichsten Autos der Rallye-Weltmeisterschaft. Mit Mittelmotor, Allradantrieb und einer Karosserie, die mit dem braven Serien-205 nur noch entfernt verwandt war, gewann Peugeot 1985 und 1986 die Hersteller-Weltmeisterschaft. Vier Jahrzehnte später greift die Marke das Thema wieder auf. Diesmal allerdings ohne Turbolader, Auspuff und Benzintank.

Der E-T16 Concept übernimmt die Grundidee des damaligen Gruppe-B-Autos und übertreibt sie nach heutigen Maßstäben. Breite Kotflügel, große Kühlluftöffnungen, ein gewaltiger Heckflügel und die gedrungene Silhouette lassen die Verwandtschaft zum historischen Vorbild erkennen. Die Lackierung in Winchester Matte Grey orientiert sich ebenfalls am 205 T16. Eine rot beleuchtete Linie zieht sich um die gesamte Karosserie und erinnert an die rote Zierlinie des Originals.

Sogar ein besonders charakteristisches Detail haben die Designer übernommen: Wie beim Rallye-205 lässt sich die komplette hintere Karosserie nach oben klappen. Darunter liegen allerdings keine vier Zylinder mehr, sondern die beiden hinteren Elektromotoren, Fahrwerkskomponenten und ein kleines Staufach für zwei Helme. In der seitlichen Öffnung vor dem Hinterrad, die früher den Mittelmotor mit Luft versorgte, sitzen heute Ladeanschluss und Türentriegelung.

816 PS und eine hydraulische Handbremse

Für den Antrieb sind drei Elektromotoren zuständig. Einer arbeitet vorn, zwei sitzen an der Hinterachse. Zusammen leisten sie 816 PS. Über Torque Vectoring lässt sich die Antriebskraft zwischen den Hinterrädern sowie zwischen beiden Achsen verteilen. Das Leistungsgewicht soll unter zwei Kilogramm pro PS liegen.

Von null auf 100 km/h nennt Peugeot 2,5 Sekunden, Tempo 300 soll bereits nach 16 Sekunden erreicht sein. Damit bewegt sich die Studie in einem Bereich, für den man früher einen ausgewachsenen Supersportwagen gebraucht hätte. Der E-T16 trägt dazu weiterhin die Abmessungen und Grundform eines kompakten Peugeot.

Neben verschiedenen Fahrprogrammen gibt es einen Track-Modus und eine frei konfigurierbare Abstimmung. Vier Bremsscheiben mit jeweils 380 Millimetern Durchmesser übernehmen die Verzögerung. Aufgezogen sind Michelin-Reifen mit 275 Millimetern Breite vorn und 315 Millimetern hinten.

Und dann ist da noch die hydraulische Handbremse, deren langer Hebel senkrecht neben dem Fahrer steht. Eine ziemlich traditionelle Lösung in einem Auto, das ansonsten vor allem aus Elektronik besteht. Für die nächste Spitzkehre braucht es offenbar noch immer etwas Handfestes.

Drei Runden Nordschleife ohne Leistungsreduzierung

Die Batterie fasst 85 kWh und arbeitet mit einer 800-Volt-Architektur. Peugeot stellt bis zu 400 Kilometer WLTP-Reichweite und eine Ladezeit von weniger als 15 Minuten zwischen zehn und 80 Prozent in Aussicht. Für eine Konzeptstudie sind das bemerkenswert konkrete Angaben, allerdings noch keine unabhängig überprüften Serienwerte.

Besonderen Aufwand betreibt Peugeot Sport bei der Kühlung. Die Batteriezellen werden seitlich temperiert, statt die Wärme hauptsächlich über ihre Unterseite abzuführen. Das soll vor allem bei längerer hoher Leistungsanforderung helfen. Nach Herstellerangaben kann der E-T16 im Performance-Modus drei Runden auf der Nürburgring-Nordschleife absolvieren, ohne dass die Antriebsleistung wegen zu hoher Temperaturen reduziert werden muss.

Drei Runden entsprechen mehr als 60 Kilometern. Wie schnell sie gefahren werden und wie viel Energie anschließend noch im Akku steckt, verrät Peugeot nicht.

Vorschau auf den nächsten E-208

So extrem die Technik ausfällt, beim Design hat der E-T16 eine durchaus ernsthafte Aufgabe. Er zeigt erstmals die neue Peugeot-Formensprache namens Feline Future, die auch den kommenden E-208 prägen soll. Besonders deutlich wird das an der neu gestalteten Lichtsignatur. Die bekannten drei Krallen erscheinen nun als lange horizontale Leuchtbänder, die das beleuchtete Markenemblem einrahmen.

Auch im Innenraum gibt es einen konkreten Ausblick auf die nächste Kleinwagengeneration. Peugeot entwickelt sein i-Cockpit weiter und kombiniert ein 21 Zoll großes Panoramadisplay mit dem rechteckigen Hypersquare-Lenkrad. Die Lenkbefehle werden elektronisch übertragen, eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern gibt es bei diesem Steer-by-Wire-System nicht mehr.

Im E-T16 sitzt sogar ein zusätzliches Display in der Mitte des Lenkrads, das beispielsweise Geschwindigkeit und Rundenzeiten anzeigt. Beim späteren E-208 wird dieser Platz dem Fahrerairbag vorbehalten bleiben.

Ansonsten fällt der Innenraum erwartungsgemäß kompromisslos aus. Fest integrierte Schalensitze mit Carbonstruktur, Vierpunktgurte, ein Überrollkäfig und reichlich Aluminium bestimmen das Bild. Dazu kommen technische Textilien und ein neues Recyclingmaterial namens Pelinova als Alternative zu herkömmlichem Leder.

Eine Serienfertigung des E-T16 Concept kündigt Peugeot nicht an. Die Studie dient als Technologieträger und Designvorschau auf die nächste Generation des E-208. Wann der neue elektrische Kleinwagen vorgestellt wird, nennt der Hersteller bislang nicht.

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