Vier Tage lang verwandelte sich San Marino erneut in einen Treffpunkt für Rallyefans aus aller Welt. Bei der 24. Ausgabe der Rallylegend trafen aktuelle Rally1-Fahrzeuge auf Klassiker aus fünf Jahrzehnten, ehemalige Weltmeister auf heutige WRC-Piloten. Rund 170 bis 175 Fahrzeuge gehörten zum Gesamtaufgebot, darunter allein 25 Exemplare aus der legendären Gruppe-B-Ära.

Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr der 40. Jahrestag des Endes der Gruppe B. Die spektakulären Rallyeautos, die von 1982 bis 1986 die Weltmeisterschaft prägten, waren nicht nur im Rallylegend Village zu bewundern. Zahlreiche Fahrzeuge wurden auch auf den abgesperrten Straßen rund um San Marino bewegt.
Zu den prominentesten Gästen gehörten die früheren Weltmeister Stig Blomqvist, Markku Alén und Miki Biasion. Blomqvist war mit einem Audi Sport Quattro S1 E1 vertreten, während Biasion einen besonderen Lancia Delta S4 steuerte: Jenes Originalfahrzeug, mit dem er 1986 bei der Rallye Argentinien seinen ersten WM-Sieg gefeiert hatte.
Auch ein Ford RS200 mit Rallycross-Pilot Liam Doran am Steuer gehörte zum Aufgebot. Hinzu kamen weitere Audi Sport Quattro, Lancia 037, Delta S4 und Peugeot 205 Turbo 16. Eine Ansammlung, wie sie selbst bei historischen Motorsportveranstaltungen nur selten zu sehen ist.
Memorial Bettega feiert sein Comeback
Der sportliche Höhepunkt am Sonntag war die Rückkehr des Memorial Bettega. Der traditionsreiche Wettbewerb gehörte einst zu den großen Attraktionen der Bologna Motor Show. Auf einem eigens angelegten Parcours traten die Fahrer in direkten Duellen gegeneinander an.
Für die Neuauflage wurde die Wertungsprüfung „The Legend“ zu einer rund 2,9 Kilometer langen Strecke umgebaut. Das Format mit zwei Fahrzeugen und mehreren Duellen erinnerte an die früheren Veranstaltungen in Bologna, bei denen sich einige der größten Namen des Rallyesports miteinander maßen.
In der Kategorie der aktuellen Rallyeautos setzte sich Dani Sordo im Hyundai i20 N Rally1 gegen Martins Sesks im Ford Puma Rally1 durch. Beide hatten zuvor von Donnerstag bis Samstag in der nicht gewerteten Kategorie Legend Stars für Unterhaltung gesorgt.
Im Rally2-Finale traf Nikolay Gryazin im Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale auf einen prominenten Quereinsteiger. Der neunmalige Motocross-Weltmeister Tony Cairoli versuchte sich im Skoda Fabia RS Rally2, musste sich im direkten Duell aber Gryazin geschlagen geben.
Auch ehemalige WRC-Größen kehrten ans Steuer zurück. Andrea Aghini gewann das Finale der Gruppe-A-Fahrzeuge im Lancia Delta 16V gegen Piero Liatti im Subaru Impreza. In der Gruppe B kam es sogar zu einem reinen Audi-Duell. Florian Rotter setzte sich im Quattro S1 gegen Giorgio Mela durch, der mit der spektakulären Pikes-Peak-Version antrat.
Ein emotionaler Lancia-Moment
Besonders eindrucksvoll war die Erinnerung an Attilio Bettega, der 1985 bei der Rallye Korsika tödlich verunglückte und dem der Wettbewerb seinen Namen verdankt.
Sein Sohn Alessandro Bettega nahm in einem Lancia 037 in den berühmten Martini-Farben auf dem Parcours Platz. Begleitet wurde er von Markku Alén und Miki Biasion, die jeweils einen Lancia Delta S4 steuerten.
Für einen Augenblick stand weniger der sportliche Wettkampf als vielmehr die Geschichte einer Ära im Mittelpunkt, die den Rallyesport bis heute prägt.
Auch der frühere Rallye-Held Andrea Navarra war in San Marino dabei. Mit sieben Siegen beim ursprünglichen Memorial Bettega gilt er als erfolgreichster Fahrer dieses Wettbewerbs.
Erinnerung an Munari und Fiorio
Neben dem Memorial Bettega widmeten die Veranstalter zwei weiteren großen Namen des italienischen Rallyesports besondere Programmpunkte.
Sandro Munari, der im Februar 2026 im Alter von 85 Jahren verstorben war, wurde mit einer Ausstellung von fünf Originalfahrzeugen geehrt. Zu sehen waren unter anderem sein Lancia Stratos vom Monte-Carlo-Sieg 1977, der Stratos von der Safari-Rallye 1975 und die Lancia Fulvia HF, mit der er 1973 die Rallye-Europameisterschaft gewann.
Weitere Exponate waren die Lancia Fulvia Barchetta vom Mugello 1969 und ein Fiat 131 Abarth von der Rallye Sanremo 1978. Bei der Ausstellung erinnerten unter anderem Alén, Biasion, Blomqvist und Franco Cunico an den italienischen Rallyehelden.
Ein weiterer Tribut galt Alex Fiorio, dem Sohn des ehemaligen Lancia-Sportchefs Cesare Fiorio. Fiorio gewann 1987 den Gruppe-N-Weltcup und wurde 1989 hinter Biasion Vizeweltmeister. Im Rahmen des Gruppe-A-Programms wurde mit einigen seiner früheren Wettbewerbsfahrzeuge an seine Karriere erinnert.
Pedersoli gewinnt die Rallylegend
Neben dem umfangreichen Showprogramm wurde auf den Wertungsprüfungen auch um Bestzeiten gekämpft. Den Sieg in der WRC-Kategorie sicherte sich Luca Pedersoli gemeinsam mit Anna Tomasi im Hyundai i20 N Rally1.
Das italienische Duo hatte bereits die Sprint Legend Race am Donnerstagabend gewonnen und bestimmte anschließend auch das Geschehen auf den Wertungsprüfungen. Bemerkenswert war dabei, dass Pedersoli das Rally1-Fahrzeug erst kurz vor dem Start kennengelernt hatte.
Auf Rang zwei folgte Nikolay Gryazin mit Konstantin Aleksandrov im Lancia Ypsilon Rally2 HF Integrale. Der Lancia-Werksfahrer behauptete sich damit gegen die stärkere WRC-Technik weiterer Konkurrenten. Das Podium komplettierten Danilo Tomassini und Stefano Spadoni im Skoda Fabia Rally2 evo.
In der Classic-Wertung setzte sich Miklos Kazar mit Beifahrer Tamas Begala im Mitsubishi Lancer Evo IX durch. Hinter dem Ungarn belegte der Schweizer Il Valli im BMW M3 den zweiten Rang. Dritter wurde der viermalige Gruppe-N-Weltmeister Gustavo Trelles im Subaru Impreza 555, der zwischenzeitlich sogar die Führung übernommen hatte.
Bei den historischen Fahrzeugen holten Nicola Bonfè und Massimo Bizzocchi im Ford Escort RS den Sieg für San Marino. Simone Brusori im Porsche 911 und Enrico Ercolani Volta im BMW 320 E21 folgten auf den weiteren Plätzen.
Weniger Starter, mehr Sicherheit
Für die 24. Ausgabe hatten die Organisatoren eine bewusste Entscheidung getroffen. Statt der 185 Wettbewerbsfahrzeuge aus dem Vorjahr wurden nur noch 150 zugelassen. Zusammen mit den zusätzlichen Fahrzeugen des Memorial Bettega und der Gruppe-B-Ausstellung ergab sich dennoch ein Aufgebot von rund 170 bis 175 Autos.
Ergebnis 24. Rallylegend Historic 2026
| 1. | Nicola Bonfè / Massimo Bizzocchi | Ford Escort RS 2000 MKII | H3 | 53:49.1 |
| 2. | Simone Brusori / Salvatore Tridici | Porsche 911 Carrera RS 3.0 | H4 | +38.5 |
| 3. | Enrico Ercolani Volta / Daniele Conti | BMW 320 E21 | H3 | +1:31.8 |
| 4. | Andrea Ercolani Volta / Matteo Roagia | Ford Escort RS 1800 MKII | H3 | +2:46.2 |
| 5. | Gilberto Simonetti / Livio Ceci | Porsche 911 Carrera RS 3.0 | H4 | +7:27.9 |
| 6. | Massimo Zanotti / Luca Pelliccioni | Opel Kadett GT/E | H3 | +9:40.7 |
| 7. | H. Christoffersen / R. Christoffersen | Volkswagen Golf I GTI 1.6 | H2 | +10:01.2 |
| 8. | Enrique Pereira / Juan Antelo | Porsche 911 | H4 | +12:13.4 |
| 9. | James Hastings / Stuart Hastings | Ford Escort RS 1800 MKII | H3 | +14:14.5 |
| 10. | Mauro Lormani / Giuliano Pozzo | Lancia Fulvia 1.6 Coupé HF | H2 | +14:58.0 |
Ergebnis 24. Rallylegend WRC 2026
| 1. | Luca Pedersoli / Anna Tomasi | Hyundai i20 N Rally1 | Rally1 | 48:07.3 |
| 2. | Nikolay Gryazin / Konstantin Aleksandrov | Lancia Ypsilon Rally2 | R5 | +15.7 |
| 3. | Danilo Tomassini / Stefano Spadoni | Skoda Fabia Rally2 evo | R5 | +2:23.9 |
| 4. | Mirko Puricelli / Flavio Aivano | Citroën DS3 WRC | WRC1 | +3:09.7 |
| 5. | Claudio Marenco / Marina Melella | Skoda Fabia RS Rally2 | R5 | +3:12.0 |
| 6. | Angelo Montanari / Gianni Amaducci | Skoda Fabia RS Rally2 | R5 | +3:38.4 |
| 7. | Miklós Kazár / Tamás Begala | Mitsubishi Lancer Evo IX R4 | W1 | +4:16.7 |
| 8. | J. Franceschi / M. Franceschi | Renault Clio S1600 | S1 | +5:15.0 |
| 9. | Gianluca Casadei / Fabio Graffieti | Skoda Fabia R5 | R5 | +6:00.9 |
| 10. | Galet / Ramon Baruffi | Skoda Fabia S2000 | S2000 | +6:15.8 |

