Für viele Teams wird es nicht einfach, am kommenden Samstag bei der 35. ADAC Rallye Buten un Binnen einfach zur Tagesordnung überzugehen. Zu groß sind noch die Nachwirkungen des schrecklichen Unfalls am letzten Wochenende im Hessischen Bergland. „Es tut einfach richtig weh“, fasst Konstantin Keil die Stimmung der DRC-Familie zusammen, „zumal ich mit Nina (Becker) meine Rallyelaufbahn begonnen habe.“
Der dritte Lauf zum Ravenol Deutschen Rallye Cup bei der „BuBi“ lockt neben den DRC-Teams auch viele Top-Piloten an den Start. Zwei der drei jeweils zweimal zu absolvierenden Wertungsprüfungen finden auf dem Gelände der Eickhofer Heide, dem früheren IVG-Übungsplatz, statt. Die engen und kurvenreichen Asphaltsträßchen wirken wie ein Irrgarten, den scharfkantigen Streckenbegrenzungen hält kein Reifen lange stand. Genau dieses Gelände ist auch das Kernstück des DRM-Laufs in Sulingen – eine gute Gelegenheit für die erste Liga, bei der „BuBi“ im DRC-Feld noch etwas Erfahrung zu sammeln.
Marijan Griebel führt die Meisterriege an
Angeführt wird das Feld vom fünffachen Deutschen Rallye-Meister Marijan Griebel, der auch diesmal gemeinsam mit Ella Kremer im Škoda Fabia RS Rally2 auf die Jagd nach seinem fünften Titel geht. „Das Gelände ist super, das sind im gesamten Rallyejahr sehr besondere Wertungsprüfungen. Durch die engen Wege und den vielen Dreck eine der schwierigsten, auch im internationalen Vergleich“, freut sich Griebel auf die „coole Herausforderung“ als Saisonvorbereitung.
Hinter ihm rollen die Niederländer Yannik Vrielink / Harm van Koppen im Citroën C3 Rally2 als Vorjahressieger über die Rampe. Der zweifache niederländische Meister Dennis Rostek (BuBi-Sieger 2011 und 2021) geht in einem weiteren Fabia RS an den Start. Der dänische Meister von 2022 und 2024, Kenneth Madsen, folgt mit Mats Dalsager ebenfalls in einem Citroën C3. Kevin van Deijne, niederländischer Meister von 2023, startet mit Lisette Bakker in einem Škoda Fabia RS.
Mit Startnummer sechs folgen die Lokalmatadoren Nico Knacker / Enrico Flores-Trigo zwar „nur“ in einem Citroën DS3 R3 Max in der RC4, doch mit seiner exzellenten Streckenkenntnis konnte Knacker 2024 die „BuBi“ gewinnen. Die Top Ten werden von Christian Riedemann / Michael Wenzel komplettiert. Im kleinen Citroën C2 R2 Max sind sie immer für Überraschungen gut – zumal Riedemann das Gelände wie seine Westentasche kennt.
Kann Niklas Pöttgen die DRC-Führung übernehmen?
Aktuell liegen Niklas Pöttgen / David Wölwer in ihrem seriennahen Seat Ibiza (NC8) auf dem zweiten DRC-Platz, knapp hinter Mathias Schläppi. Der Schweizer ist allerdings nicht am Start, sodass Pöttgen mit einem weiteren starken Resultat die Führung übernehmen könnte.
Für Pöttgen ist es bereits der dritte DRC-Start am dritten aufeinanderfolgenden Wochenende: „Wenn es so läuft wie im Moment und man nach jeder Veranstaltung nur eine kurze Durchsicht am Fahrzeug vornehmen muss, kann das bis in den Herbst gerne so weitergehen“, erklärt der amtierende DRC-Titelträger schmunzelnd. „Diese Prüfungen suchen ihresgleichen in Deutschland und sind eine ganz besondere Herausforderung. Hier kann man sich fahrerisch beweisen und auch mit wenig Leistung vorne mitmischen. Allerdings wird auf den schlechten Straßen mit wenig Auslaufzone jeder Fehler sofort bestraft.“
Konstantin Keil / Jennifer Gräfe stiegen im Opel Corsa Rally4 in Melsungen mit einem Klassensieg in die DRC-Saison ein und treten nun an, ihr Punktekonto weiter auszubauen. „Früher war das IVG-Gelände für mich das reine Grauen“, bekennt Keil. „Nachdem dann Steffi (Fritzensmeier) zu mir ins Auto kam und meinen Aufschrieb verbesserte, hatte ich viel Spaß hier. Diese Erfahrung kann ich nun an meine junge Co-Pilotin weitergeben.“ Der Nordhesse erklärt auch seine Taktik: „Wir versuchen, immer schnell und vor allem sauber zu fahren, um Reifenschäden zu vermeiden.“
