Vom Gruppe-B zum World Rally Car

World Rally Cars treten seit 1997 in der Königsklasse des Drift-Sport an. Es war ein langer Weg von den Gruppe B-Monstern zu den heutigen Allradboliden. Diese haben sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. 2015 profitieren sie von einigen technischen Neuerungen. So wird Robert Kubica nicht mehr der einzige Pilot sein, der mit Schaltwippen am Lenkrad fährt.

12. November 2014

Michael Heimrich

Die Fahrzeuge, die 1986 bei der Rallye Großbritannien an den Start gingen, unterscheiden sich grundlegend von denen, die an diesem Wochenende über die walisischen Schotterpisten donnern. Best-of-Rallylive blickt zurück auf die Entwicklungen der Autos.
Bei der damaligen britischen „RAC Rally“ traten die WM-Piloten letztmalig mit Gruppe B-Geschossen an. Diese leistungsstarken 500-PS-Maschinen erfüllten ihren Zweck: Sie waren extrem schnell und ließen mit atemberaubenden Sound sowie spektakulären Drifts die Herzen der Rallye-Fans höher schlagen – waren aber kaum noch zu bändigen. Schwere Unfälle mit Todesopfern häuften sich. 1987 zog der Automobilweltverband FIA die Notbremse und verbannte die Gruppe B-Boliden. Ab sofort diente die Gruppe A als höchste Klasse in der Rallye-Weltmeisterschaft.
Fortan erlaubten die Regularien nur noch turboaufgeladene 2,0-Liter-Motoren, deren Leistung sich – theoretisch – auf rund 300 PS beschränkte. Hinzu kamen Allradantrieb und die Vorschrift, dass jeder Hersteller einen Serienableger auf dem Markt haben musste. Das Regelwerk der FIA forderte: mindestens 5.000 straßenzulassungfähige Exemplare innerhalb von zwölf Monaten. In der Gruppe B waren es anfänglich noch 400, später nur noch 200 Autos.
Im Jahr 1997 begann die Ära der World Rally Cars. Nun durften Serienmodelle mit einer Mindestproduktionszahl von 2.500 Stück als Basis für die Rallye-Einsatzgeräte dienen. Autos mit lediglich zwei angetriebenen Rädern durften auf Allrad umgerüstet werden. Auch 2,0-Liter-Triebwerke waren weiterhin erlaubt, solange der Basismotor auch in einem Serienauto des jeweiligen Herstellers zum Einsatz kam. Turboaufladung blieb zulässig.
Die Ingenieure sammelten Erfahrung mit der Allrad- und Turbotechnik. Sie nutzten jede Möglichkeit, die neue Gattung von Rallye-Fahrzeugen zu modifizieren. Es gab sogar Versuche mit sogenannten aktiven Aufhängungen. Sie arbeiteten mit Hydrauliksystemen, die durch die Motorleistung gesteuert wurden – die FIA untersagte diese Anstrengungen jedoch schnell.
Davon unbeirrt verfolgte Citroën die Idee, Energie über das Fahrwerk zu gewinnen. Gleichzeitig gab es kaum Vorschriften bezüglich der Kraftübertragung. Drei mechanische Differenziale waren ebenso erlaubt wie sequenzielle Getriebe mit Schaltwippen. Schnell sprengte die Antriebsseite alle Kostengrenzen.
2011 überarbeiteten die Verantwortlichen das World Rally Car-Reglement. Seitdem basieren die WM-Allradler nicht mehr auf Kompaktmodellen wie dem Ford Focus, sondern auf Kleinwagen im Fiesta-Format. Sie können kürzer als vier Meter und innerhalb eines Jahres mindestens 2.500 Mal in Serie vom Band gelaufen sein. Der Hubraum ihrer Turbomotoren sank auf 1,6 Liter, parallel dazu zog auch Benzindirekteinspritzung ein – so wie dies bei Serienautos unter dem Stichwort Downsizing im Trend liegt. Die Aufladung darf maximal 2,5 bar betragen, darüber hinaus sind zwei Differenziale – eins an der Vorder- und eins an der Hinterachse – zugelassen. Die Verwendung von außergewöhnlichen Materialien wie zum Beispiel Titanium ist hingegen aus Kostengründen untersagt.
Zugleich erlaubte das Reglement ausschließlich sequenzielle Getriebe mit mechanischer Schaltung über einen konventionellen Schalthebel. Einzig dem ehemaligen Formel 1-Piloten Robert Kubica war es gestattet, mit elektrisch unterstützten Schaltwippen am Lenkrad zu fahren. Der Pole, der 2011 bei einer nationalen Rallye in Italien heftig verunfallt war, kann seinen rechten Arm nicht mehr so stark belasten und besitzt in diesem weniger Kraft.
Im kommenden Jahr dürfen alle Fahrer wieder zu Schaltwippen greifen, außerdem können die Teams weitere technische Raffinessen einfließen lassen. Demzufolge befinden sich die Rallye-Teams nun mitten in der Entwicklung der 2015er-Autos. In der nächsten Saison wird Hyundai die neue Generation des i20 WRC vorstellen, Volkswagen dürfte eine weitestgehend überarbeitete Version des Polo R WRC an den Start bringen. Grundlegende Verbesserungen sind kaum zu erwarten, Modifikationen im Detail sehr wohl. Die neuen Fahrzeuge werden sicherlich schneller sein als ihre Vorgänger. Erst 2017 soll dann die nächste große Welle von technischen Weiterentwicklungen folgen …

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