Schwarz: „Taktik offen spielen“

Die Taktikspiele der Fahrer bescheren der WM in dieser Saison die spannendsten Ergebnisse aller Zeiten. Gut so, meint Armin Schwarz und fordert einen offenen Umgang damit.

8. Juli 2011

Michael Heimrich

Kaum lässt sich ein Fahrer am Ende einer Schotteretappe absichtlich zurückfallen, schon entflammen hitzige Diskussionen. Immer wieder müssen sich die Piloten rechtfertigen, wenn sie ganz bewusst abbremsen, um eine bessere Startposition am Folgetag zu ergattern. Obwohl ihnen das Reglement die Möglichkeit dazu gibt, sehen einige Verantwortliche durch dieses Treiben den Sport in Gefahr. Vor allem der WM-Führende werde durch diesen Umstand benachteiligt, erklärte man und führt ab 2012 ein Qualifying ein. Weiterhin prüft man die Wiedereinführung der umgekehrten Startreihenfolge.

Aber es gibt auch andere Stimmen. „Wir erleben gerade das Jahr der knappsten Ergebnisse“, erklärt TV-Experte Armin Schwarz und fordert geplante Änderungen wieder in der Schublade verschwinden zu lassen. „Taktik uns Strategie gehören zum Sport, gerade deshalb sind die Resultate sehr eng zusammengerückt. Aus meiner Sicht muss der führende Fahrer als erster Pilot auf die Strecke. Jordanien und Griechenland haben es gezeigt, es geht fast nicht mehr spannender.“

Die FIA prüft im Moment wie sich die umgekehrte Startreihenfolge der Top-15-Fahrer auswirken würde. WM-Managerin Michèle Mouton erklärt: „Die umgedrehte Reihenfolge liegt zwar auf der Hand, aber wir sollten erst einmal ein paar Simulationen machen und schauen, wo es hingeht. Denn was keiner will, ist, das der Führende dann einen riesigen Vorsprung hat und es keinen spannenden Kampf um den Sieg gibt.“

Größte Sorge der Verantwortlichen ist ein Durchmarsch von Sebastien Loeb. Wegen ihm wurde die umgekehrte Startreihenfolge vor Jahren abgeschafft, nachdem er von einem Sieg zum anderen eilte. Ein Szenario, dass sich möglicherweise wiederholen könnte. Nach Ansicht von Armin Schwarz tut es der Konkurrenz gut, wenn Überflieger wie Citroën und Sebastien Loeb einen Nachteil durch ihre frühe Startposition haben. Dies erhöht die Spannung und wirkt sich positiv auf das Interesse aus. Vor den umgekehrten Fall warnt der Ex-Europameister ausdrücklich: „Ich kenne so eine Situation noch aus meiner aktiven Zeit. Teams wie Mitsubishi und Subaru mussten mit unterlegenen Autos auf der schlechteren Startposition starten. Das hat das Feld weit auseinandergerissen und dringend benötigte Resultate waren unmöglich zu erreichen.“

Um den Taktikspielen einen zusätzlichen Reiz zu geben, schlägt Schwarz ein Verbot der Zeitenübermittlung ins Cockpit vor: „Jeder Fahrer ist dann zusammen mit dem Copiloten auf sich allein gestellt und muss seine eigene Taktik festlegen. Das könnte recht interessant werden. Auf alle Fälle sollte Taktik offen gespielt werden.“

Michéle Mouton will das umstrittene Thema mit den Fahrern bei der nächsten gemeinsamen Sitzung in Finnland ansprechen. Bereits zu Saisonbeginn tauschte sie sich mit den Aktiven aus und will auch am Saisonende die Eindrücke der Piloten einholen, ehe die FIA eine Entscheidung über eine mögliche Regeländerung trifft.

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