„Als kleiner Junge davon geträumt“

Jari-Matti Latvala reiht sich in die Liste finnischer Superstars ein, die ihr Heimspiel für sich entscheiden konnten. Als jüngster Finnland-Sieger schrieb er Geschichte.

1. August 2010

Michael Heimrich

Der achte von 13 Läufen zur Rallye-Weltmeisterschaft erwies sich als wahrer Thriller, in dem Latvala am Ende die Nase seines Ford Focus WRC nur um die Winzigkeit von 10,1 Sekunden vorn hatte. In nur zwei Tagen jagten die WM-Driftstars über 19 Wertungsprüfungen mit zusammen 310,05 Kilometern Länge. Mit atemberaubend schnellen WPs wurde der sogenannte „Grand Prix von Finnland“ seinem Ruf erneut gerecht: Die schnellste Prüfung ermöglichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 133,09 km/h.

Bei außergewöhnlich warmem Wetter – unterbrochen von heftigen Gewittern – hatte sich Latvala bis zum Samstagvormittag eine Führung von 22,5 Sekunden erkämpft. Auf den nun abtrocknenden Straßen wandelte sich seine Position als erster Starter jedoch zum Nachteil: Latvala fand auf dem losen Schotter wenig Grip, reinigte dabei aber unfreiwillig die Piste für seine Verfolger. Zwei WP vor Schluss war der Vorsprung des Finnen auf 10,6 Sekunden geschrumpft. Doch den brachte er nervenstark und fehlerfrei ins Ziel und feierte seinen zweiten Saisonerfolg.

„Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich davon geträumt, meine Heimrallye zu gewinnen“, jubelte der Werksfahrer von Ford. „1992 – mit sieben Jahren – habe ich diese Rallye zumersten Mal verfolgt und dachte, ich werde niemals so schnell fahren können wie die Stars dieser Zeit. 2003 startete ich dann erstmals selbst hier und war immer noch überzeugt, dass ich niemals siegen würde. Deshalb ist für mich jetzt ein Traum wahr geworden. Dazu diese vielen tollen Fans und die einzigartige Atmosphäre – dies ist die beste Rallye der Welt.“

„Wir hatten als Team schwierige Phasen in diesem Sommer, aber beide Werksfahrer haben die Rallye angeführt und ich habe sie gewonnen – ein extrem wichtiger Sieg für Ford“, betonte Latvala. „Erst auf den letzten beiden WP begann ich wirklich daran zu glauben. Ich habe dazugelernt: Wenn du relaxt und keine Fehler machst, kannst du weit vorne landen.“

Teamchef Malcolm Wilson strahlte nach dem Triumph seines Schützlings bei seiner Lieblingsrallye: „Ford hat sich nach schwierigen Monaten eindrucksvoll zurückgemeldet und die wichtigste Rallye des Jahres gewonnen. Das ist die Belohnung für die viele Arbeit und große Entschlossenheit des ganzen Teams. Jari-Matti fuhr sagenhaft. Er trug nach Mikkos Ausfall eine große Verantwortung auf seinen jungen Schultern und hat dem Druck fantastisch standgehalten – eine reife Leistung!“

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