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Abschied von Henning Wünsch

Die deutsche Rallye-Szene trauert um einen der größten Rallye-Macher: Henning Wünsch ist am Montag nach langer Krankheit im Alter von 81 Jahren verstorben.

11. März 2026

Alfred Gorny

Er begann seine Karriere in der zweiten Hälfte der Sechziger als Beifahrer, fuhr mit Clubkameraden bei Orientierungsfahrten und kleineren Rallyes rund um seine Heimatstadt Idar-Oberstein. Schnell machte sich Wünsch, der im Zivilberuf als Schulpsychologe im Landkreis Birkenfeld wirkte, einen Namen, startete mit seinem Bruder Tilo in der Deutschen Meisterschaft und erreichte bei der Olympia-Rallye einen zweiten Klassenplatz.

Zwei Jahre lang begleitete er Armin Kohl bei zahlreichen Rallyes im Ausland – eine Partnerschaft mit Folgen. 1978 gewann er mit Klaus Fritzinger am Steuer die Tour d’Europe und begann ein erfolgreiches Jahrzehnt mit dem Toyota-Piloten aus Kaiserslautern. Nach einer Reihe von Podestplätzen in der Deutschen Meisterschaft, Platz 12 bei Rallye Monte Carlo 1983 und einem weiteren Sieg bei der Tour d’Europe 1985 zog sich Wünsch vom aktiven Sport zurück.

Zu diesem Zeitpunkt genoss Henning Wünsch bereits höchstes Ansehen als Rallyeleiter und Organisator der Hunsrück-Rallye. Mit einer Top-Organisation durch das Sportfahrer-Team Hunsrück und den traumhaften Möglichkeiten auf dem Truppenübungsplatz Baumholder hatte er in den Siebzigern die Hunsrück-Rallye in kürzester Zeit in die Deutsche und Europa-Rallyemeisterschaft gehievt. Dank seiner exzellenten Vernetzung mit Skandinavien, Benelux und Großbritannien strömten ausländische Fahrer in Scharen zur „Hunsrück“, für die deutschen Rallye-Piloten war sie ohnehin ein Muss. Mit 34 Wertungsprüfungen über 589 km und 423 Startern stellte die Hunsrück-Rallye 1979 einen Rekord für die Ewigkeit auf. 

Wünsch führte viele Neuerungen ein, die Pfadfindermappe gilt als Startschuss für die Einbindung und Lenkung der Zuschauer. In den Neunzigern übernahm er den Vorsitz des ONS- und DMSB-Rallyeausschusses; in dieser Zeit nahm der Rallyesport – angeschlagen nach dem Rückzug aller Werke 1991 – wieder Fahrt auf und schaffte einen neuen Höhenflug, nicht zuletzt wegen der erfolgreichen Integration der Veranstaltungen aus den neuen Bundesländern, die Wünsch nach Kräften förderte.

Den Höhepunkt erlebte Henning Wünsch als Co-Chef der Deutschland-Rallye. Die Idee von einem deutschen WM-Lauf gab es schon in den frühen Achtzigern, die Verwirklichung dauerte bis zur Jahrtausendwende. Henning Wünsch, damals im Vorstand des AvD, und sein früherer Rallye-Partner Armin Kohl, damals Sportleiter des ADAC Mittelrhein, waren die beiden Köpfe des Teams, das die Rallye Deutschland 2002 in die Rallye-Weltmeisterschaft führte. Mehr als ein Jahrzehnt bildeten Kohl und Wünsch die Doppelspitze und setzten in vielen Bereichen wie Sicherheit, Zuschauerlenkung oder dem Circus-Maximus neue weltweite Maßstäbe.

Unser Mitgefühl gehört Henning Wünschs Frau Waltraud, die selbst als langjährige Sportkommissarin in der Rallye-WM und in der Formel 1 eine wichtige Rolle im internationalen Motorsport spielte.

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