Die 61. ADMV-Rallye Lutherstadt Wittenberg eröffnet die deutsche Schotter-Saison mit einer Rallye 35. Die Verkürzung erfolgt vor allem zur Senkung der Kosten, bietet den Organisatoren aber auch die Chance, einige traditionelle Streckenabschnitte mit Löchern oder Tiefsand wegzulassen.
Und Petrus hilft: Noch vor zwei Wochen lag Schnee in den Wäldern des Flämings, erschwerten Eis und Matsch das Vorwärtskommen auf den Feld- und Waldwegen. Doch zwei Wochen Vorfrühling mit Sonnenschein lassen nicht nur die – wieder einmal sehr zahlreichen – Rallye-Fans jubeln, sondern bescheren den Fahrer trockene und relativ glatte Wege. 48 von 57 gestarteten Fahrzeuge rollen durch den Zielbogen – an solch eine geringe Ausfallquote kann sich kein Wittenberger erinnern.
Die WP 1 führt von Berkau über glatte Windrad-Schotterwege nach Straach; nach 500 Metern Landstraße sind wunderschöne Waldwege zu meistern bis ins Ziel bei Grabo. Stig Andervang, der zweimalige Wittenberg-Sieger, und setzt im Hyundai i20 die erste Bestzeit. Das überrascht weniger als der Abstand zu den Verfolgern. Herbert Lösch büßt im kräftig aufgerüsteten Skoda Fabia R5 von Michael Ehrle lediglich 8 Zehntel und auch Dark Liebehenschel ist im Skoda Fabia Rally2 mit 3,3 Sekunden Rückstand noch in Schlagdistanz.
Als WP 2 folgt der Klassiker von Apollensdorf nach Braunsdorf: 100% Schotter- und Naturwege mit vielen schnellen Passagen im offenen Feld und einigen kniffligen schmalen Wegen durch den Wald. Diese Mischung meistert Liebehenschel als Schnellster vor Lösch und Andervang. In der Halbzeitpause führt Lösch mit 7 Zehnteln vor Liebehenschel und 2,2 Sekunden vor Andervang. Thomas Lorenz hält sich als Vierter mit 27 Sekunden Abstand gut und hat seinerseits 20 Sekunden Luft auf Raphael Ramonat, der das Feld der Produktionswagen ganz knapp anführt vor Michael Dinkel.
Die zweite Schleife beginnt mit einem Kracher: Sowohl Lösch als auch Andervang können zwischen Berkau und Grabo ihre Zeit verbessern und teilen sich die Bestzeit. Liebehenschel büßt hier 5 Sekunden ein und bekennt: „Ich muss mit dem Auto noch viel lernen. An drei Ecken bin ich mit der Handbremse nicht klar gekommen.“
Vor dem Finale liegt er sechs Sekunden hinter Lösch und drei Sekunden hinter Andervang. Die Feldwege bei Apollensdorf sind im zweiten Durchlauf etwas rauher, aber Dark Liebehenschel findet den idealen Rhythmus. Er fliegt förmlich zum Ziel, überholt beide Konkurrenten und feiert mit Co Linus Noll den Gesamtsieg – zum vierten Mal in Wittenberg nach 2018, 2019 und 2020. Herbert Lösch ist enttäuscht, hat er doch erstmals Andervang hinter sich gelassen und wird dennoch nur Zweiter mit seiner Copilotin Lara Quast. Stig Andervang lobt seine neue Copilotin Steffi Fritzensmeier und erklärt den Rückstand mit dem Auto: „Der Skoda fährt sich leichter als der Hyundai.“
Thomas Lorenz kommt in der zweiten Schleife dichter an die drei Top-Fahrer heran und festigt Rang 4. Der 69-jährige Thomas Pahlitzsch und sein Co Kevin Pust-Schmidt freuen sich über Platz 10 im betagten Peugeot 208 T16. Mitfavorit Petri Reinikainen hat seinen Ford Fiesta R5 schon vor dem Start wegen eines ungesund klingenden Motors abgestellt. Überhaupt erleben die Finnen ein Desaster, denn sowohl Rasmus Tuominen – nach Bestzeit auf WP 1 – als auch Arttu Karhumäki müssen in der WP 2 mit Motorproblemen an ihren Mitsubishi die Segel streichen.
Die „Mitsubishi-Klasse“ NC1 gewinnen Raphael Ramonat und Karina Derda im Evo 10. Unerwartet dicht dran bleibt allerdings Michael Dinkel im Evo 7, der mit Co Michael Teufel an Ramonats Heck knabbert, bis ihn ein Defekt auf der letzten Prüfung einbremst. Nach langer Schotter-Abstinenz fahren Rudi und Simone Weileder auf den dritten Platz in der Klasse und lassen die Gruppe-G-Sieger André Raupach und Clara Wildgrube im Toyota GR Yaris knapp hinter sich.
Bei den Fronttrieblern zeigen die jungen Tschechen Jan Dvořák und Jiři Kalkus im Opel Corsa Rally4 eine großartige Leistung und siegen vor Fabian Schulze und Stephan Schneeweiß (Peugeot 208). René Kunze und Niklas Haase wuchten den BMW 325 Touring schnell und quer über die Piste und erreichen als schnellste Hecktriebler das Ziel vor dem einheimischen 318is-Team Ronny Broda und Matthias Eben.
Ergebnis 61. ADMV-Rallye Lutherstadt Wittenberg
| 1. | Liebehenschel Dark / Noll Linus | Skoda Fabia Rally2 evo | 20:56.2 |
| 2. | Lösch Herbert / Quast Lara | Skoda Fabia R5 | +2.6 |
| 3. | Andervang Stig / Fritzensmeier S. | Hyundai i20 N Rally2 | +5.8 |
| 4. | Lorenz Thomas / Schwegler Marc | Skoda Fabia R5 | +38.9 |
| 5. | Ramonat Raphael / Derda Karina | Mitsubishi Lancer Evo X | +1:36.9 |
| 6. | Dinkel Michael / Teufel Michael | Mitsubishi Lancer Evo VII | +1:58.5 |
| 7. | Dvorak Jan / Kalkus Jiri | Opel Corsa Rally4 | +2:11.4 |
| 8. | Weileder Rudi / Weileder Simone | Mitsubishi Lancer Evo VIII | +2:19.0 |
| 9. | Raupach André / Wildgrube Clara | Toyota GR Yaris | +2:22.1 |
| 10. | Pahlitzsch Thomas / Pust-Schmidt K. | Peugeot 208 T16 | +2:28.4 |


