Rallye News

Vorschau Rallye-WM 2005

Genug der Pause: Kaum mehr als zwei Monate nach dem spannenden Finale 2004 startet die Rallye-Weltmeisterschaft wieder in die neue Saison.

<strong>Vom Jäger zum Gejagten:</strong> Seb Loeb will 2005 Titel verteidigen

Die Karten sind neu gemischt, das Spiel kann beginnen und die neue Saison der Rallye-Weltmeisterschaft bringt erneut markante Veränderungen mit sich. Obwohl der Kalender mit 16 WM-Veranstaltungen im Vergleich zum Vorjahr nicht reduziert wurde, dürfte die Menge der benötigten Reifen abnehmen.

 

In Schweden, Italien, Argentinien, Finnland und Japan müssen alle Werksfahrer in punkto Pneus den Gürtel enger schnallen: Während die Teams üblicherweise zwei verschiedene Reifenprofile pro WM-Lauf nominieren dürfen, steht in Absprache mit der Motorsporthoheit FIA zur Kostenreduzierung bei diesen fünf WM-Läufen nur noch ein einziges Laufflächenmuster zur Verfügung. Dieses ist aber auch weiterhin in variierenden Gummimischungen erhältlich, um abweichenden Asphalttemperaturen entsprechen zu können. Und: Die Laufflächen dürfen per Hand und gemäß den individuellen Wünschen der Fahrer nachgeschnitten werden.

 

Ebenfalls neu for 2005: Fahrer und Beifahrer müssen fortan das ?Head and neck support system? (HANS) tragen, das Kopf und Nackenmuskulatur im Falle eines Unfalles schützt und sich in der Formel 1 und im Tourenwagenbereich bereits bestens bewährt hat. Die Beantwortung der Frage, ob es sich auch für den Einsatz im Rallye-Sport eignet, wird mit Spannung erwartet.

 

Auch das umstrittene SupeRally-Prinzip wurde neu geregelt: Wer durch einen technischen Defekt oder einen Unfall bereits ausgeschieden war, darf trotzdem weiter an der Veranstaltung teilnehmen - sogar in Wertung. Für jede nicht absolvierte Wertungsprüfung werden dem Fahrzeitkonto jedoch fünf Minuten gut geschrieben.

 

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Ein umfassendes Stühlerücken hat die Fahreraufstellung grundlegend durcheinander gewirbelt und für spannende Konstellationen gesorgt. So nutzte der aufstrebende Jungstar François Duval den Abschied von Altmeister Carlos Sainz als Chance und wechselte von Ford zu Citroën. An der Seite des amtierenden Weltmeisters Sébastien Loeb will der erst 24 Jahre alte Belgier nun beweisen, was in ihm steckt.

 

Nichts weniger als die Titelverteidigung hat sich indes Loeb auf die Fahnen geschrieben. Im Vorjahr war der 30-jährige Franzose fulminant in die Saison gestartet: Er gewann vier der ersten sieben WM-Läufe und stellte dabei sein überragendes Allround-Talent auf den eisigen Pisten Schwedens ebenso unter Beweis wie auf dem Asphalt der Rallye Monte Carlo oder den Schotterpfaden auf Zypern und in der Türkei. Und dass er nicht nur zu den heißesten Glühern gehört, sondern in entscheidenden Situationen auch einen kühlen Kopf bewahren kann, dies stellte der Elsässer mit taktisch klugen Fahrten auf Korsika und in Spanien nachhaltig unter Beweis.

 

Einziger Wermutstropfen für Citroën: Nach der überraschenden Ankündigung, dass die Marke mit dem Doppelwinkel ebenso wie Konzernschwester Peugeot vorläufig zum letzten Mal in der Rallye-WM antritt, musste Teamchef Guy Fréquelin auch die bereits weit fortgeschrittene Entwicklung des World Rally Cars auf Basis des neuen Citroën C4 einstellen.

 

Auf ein Übergangsjahr hat sich auch die Werksequipe von Ford eingerichtet: 2005 tritt die Mannschaft rund um den deutschen Sportchef Jost Capito nochmals mit dem Focus WRC04 an, während parallel die Entwicklung des neuen Modells für die folgende Saison auf Hochtouren läuft.

 

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Das fahrende Personal besteht komplett aus neuen Gesichtern: Der 29-jährige Finne Toni Gardemeister hat seine Grundschnelligkeit bereits bei Skoda nachhaltig unter Beweis gestellt. Sein Teamkollege wird ihm bekannt vorkommen: Mit Roman Kresta erhält ein hochtalentierter Nachwuchsfahrer aus Tschechien von Ford die Chance, nach eher sporadischen Einsätzen am Steuer eines WRC nun den Durchbruch zu schaffen. Erfahrungen mit den Wettbewerbsreifen von Michelin bringen beide mit.

 

Ebenfalls auf Werksmaterial von Ford dürfen Anthony Warmbold sowie Henning Solberg, der ältere Bruder des Subaru-Werksfahrers Petter Solberg, zurückgreifen: Sie gehen unter der Bewerbung des Teams M-Sport an den Start, das verantwortlich zeichnet für den WM-Einsatz des amerikanischen Konzerns.

 

Für Peugeot wird es das vorerst letzte Jahr in der Weltmeisterschaft werden. Bereits im Vorjahr verkündete man den Ausstieg, doch Teamboss Corrado Provera macht klar, dass man sich unbedingt mit beiden Titeln verabschieden möchte. Mit Markko Märtin holte man sich für dieses Ziel die richtige Verstärkung für Marcus Grönholm und beide Fahrer loben bereits jetzt schon die erzielten Verbesserungen am 307 WRC.

 

Einen deutlichen Sprung nach vorn hat sich auch Skoda vorgenommen. Nach dem erfolgreichen Debüt des Fabia WRC und einem Entwicklungsjahr nimmt der tschechische Hersteller wieder an der kompletten WM-Saison teil. Nummer-1-Pilot Armin Schwarz darf sich ab der Rallye Mexiko auf mehr Schub und eine nochmals verbesserte Aerodynamik freuen: Dann steht die in enger Zusammenarbeit mit Audi Sport entwickelte jüngste Homologations-Version des kompakten Fabia zur Verfügung.

 

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Am Steuer weiterer Rallye-Boliden aus Mlada Boleslav wechseln sich aller Voraussicht nach gleich fünf verschiedene Nachwuchstalente ab: Neben den schwer Vollgas-verdächtigen Finnen Janne Tuohino und Jani Paasonen kommen auch die jüngste französische Nachwuchshoffnung Alex Bengue sowie der Tscheche Jan Kopecky zum Einsatz. Alles andere als ein PR-Gag verbirgt sich auch hinter der Fahrerbesatzung des dritten Fabia WRC für die Rallye Schweden: Kein geringerer als der amtierende DTM-Champion Mathias Ekström geht auf heimischem Boden als Favoritenschreck an den Start. Dass er sich auf den rasant schnellen Schneepisten pudelwohl fühlt, dies hat Ekström bereits im Vorjahr nachhaltig bewiesen - er verwies mit einem seriennahen Mitsubishi Lancer die versammelte Gruppe N-Weltelite in ihre Schranken.

 

Gespannt darf man auch auf die Leistungen von Subaru sein. Im März debütiert der neue Impreza WRC und Petter Solberg brennt nur darauf, seinen verlorenen Titel wieder zurück zu erobern. Mit Stephane Sarrazin und Chris Atkinson setzt Teamchef David Lapworth aber auf zwei junge, noch unerfahrene Talente, die sich in der Weltmeisterschaft noch beweisen müssen.

 

Beweisen muss sich auch Harri Rovanperä. Der Finne wurde bei Mitsubishi sofort die neue Nummer-1 im Team und verdrängte Gilles Panizzi in das zweite Glied zurück. Mit einem stark überarbeiteten Lancer WRC wollen die Japaner endlich wieder an alte Erfolge anknüpfen und ab Saisonmitte um Podiumsplätze kämpfen.

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