Premiere im Sommer

TMG freut sich über großes Interesse am GT86

Mit dem WRC-Prototyp ist die Toyota Motorsport GmbH derzeit in aller Munde, aber in Köln arbeitet man auch an einem anderen Rallyeprojekt, das ab Sommer für Furore sorgen soll. Mit dem GT86 läutet man das Comeback der Hecktriebler ein.

<strong>ENTWICKLUNG LÄUFT:</strong> Der neue Toyota GT86 R3 soll zum ersten Mal bei der Rallye Deutschland präsentiert werden

Die weltweiten Schlagzeilen über die Testfahrten des Yaris WRC waren für den Geschmack der Toyota-Konzernzentrale in Japan etwas zu viel. Dort hüllt man sich weiterhin in Schweigen und diskutiert die künftige Motorsportstrategie. Im Mittelpunkt steht aktuell noch der Einsatz in Le Mans, aber die Premiere des neuen Langstreckenautos geriet fast zur Nebensache, so intensiv wird über ein mögliches Comeback in der Rallye-WM diskutiert. Entsprechend klar ist die Ansage aus Japan: Die Toyota Motorsport GmbH (TMG) soll ab sofort das WRC-Thema unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit köcheln.

Da trifft es sich gut, dass man bei TMG noch einen weiteren Pfeil im Köcher hat, mit dem man ab der zweiten Jahreshälfte in die Herzen der Kundschaft zielen möchte. Die Entwicklung des GT86 nach R3-Reglement schreitet voran und das Interesse am neuen Auto ist groß. „Es scheint, als ob ein heckgetriebenes Autos den Geschmack von Privatiers trifft. Wir haben schon jetzt viele Rückmeldungen erhalten“, freute sich ein TMG-Sprecher. 

Fast 20 Jahre lang schien die Spezies der „Heckschleudern“ ähnlich große Überlebenschancen zu haben wie Mammut und Säbelzahntiger zum Ende der Eiszeit. In den 90er-Jahren verschwanden mit dem Mercedes 190E, Ford Sierra Cosworth und BMW M3 die letzten großen Hecktriebler von der WM-Bühne. Die Zeit der wilden Driftakrobaten schien endgültig vorbei.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Rallye Monte Carlo 2015 jedoch so etwas wie ein Re-Start in die Vergangenheit sein. Im Winter 2014/2015 will TMG den GT86 in der RC3-Kategorie homologieren lassen. Der Nippon-Sportler wäre damit das erste heckgetriebene Fahrzeug, das im 21. Jahrhundert international homologiert wird.

Weiche Rücksitzbank als Schlüssel zur Homologation

Aber wieso darf die japanische Flunder überhaupt als R3 homologiert werden? Die Antwort ist simpel: Der GT86 ist nach FIA-Vorschriften gar kein GT! Der als Sportwagen vermarktete Dreitürer erfüllt alle Anforderungen für eine Gruppe-A-Homologation, die wiederum eine Grundvoraussetzung für alle R-Modelle ist. Der GT86 wird als vollwertiger Viersitzer eingestuft (sagen Sie das mal den Erwachsenen, die Sie auf die Rückbank pferchen wollen) und erfüllt auch die Mindestanforderungen bezüglich der Innenraumgröße.

Bei den Innenmaßen ging es aber durchaus knapp zur Sache: Das kritische Maß war der Mindestabstand zwischen Rücksitz und Dach bzw. Heckscheibe, der in einem Winkel von 0° bis 15° mindestens 88 Zentimeter betragen muss, allerdings erst dann, wenn ein Normgewicht von 60 Kilogramm auf den Sitz drückt. TMG stellte diesen Versuch in Köln-Marsdorf extra nach, um auf Nummer sicher zu gehen. Am Ende hieß es: Daumen hoch! Der Rücksitz war weich genug. Bei einer Holzbank hätte es nicht für eine Homologation gereicht.

Somit hatte der GT86 die erste Hürde in Richtung Rallye-Einstieg genommen. Doch auch der weitere Prozess gestaltet sich nicht immer als einfach. In den Homologationspapieren zur R3-Klasse wird zwar explizit geschrieben, dass Fahrzeuge mit Front- und Heckantrieb zugelassen sind, allerdings sind die Regeln im Detail noch nicht für Hecktriebler ausgelegt. Im Regelwerk sind keine Angaben zum Thema Kardanwelle definiert und es wird auch nicht gesagt, ob man bei externen Differenzialen einen zusätzlichen Kühler anschrauben darf. Bei Fronttrieblern stellen sich diese Fragen logischerweise nicht. Hier wird TMG noch mit der FIA sprechen, um Klarheit zu bekommen.

Boxer soll bis zu 250 PS leisten

Der GT86 unterscheidet sich aber nur nicht beim Antriebskonzept von der R3-Konkurrenz, auch der Boxermotor ist ein Novum in dieser Fahrzeugklasse. 200 PS leistet das Subaru-Triebwerk in der Serienspezifikation, TMG will dem Zweiliter-Sauger möglichst 250 PS entlocken. Doch auch hier stößt der Sportwagen an die Grenzen des Reglements: Während die Konkurrenz das Verdichtungsverhältnis anheben darf, muss dieses beim GT86 für die Rallyeversion sogar reduziert werden – von 12,5:1 auf 12:1, mehr ist laut Statuten nicht erlaubt. Auch hier werden die Kölschen Japaner noch das Gespräch mit der FIA suchen und auf eine ähnliche Flexibilität wie im Falle des neuen Renault Clio R3 hoffen. Man kann es wohl kaum als Zufall bezeichnen, dass die FIA die Hubraumgrenze für Turbomotoren von 1.600 auf 1.620 ccm erhöht und Renault nur wenige Wochen später die Einführung des R3-Clio R3 mit einem 1.618-ccm-Motor verkündet.

Renault Clio, Citroën DS3 und Honda Civic – mit diesen ungleichen Konkurrenten wird sich der Nippon-Sportler in der RC3-Klasse messen müssen. So groß die Unterschiede zwischen dem GT86 und den Kleinwagen optisch und technisch sein mögen, beim Preis möchte TMG seinen Mitstreitern etwa auf Augenhöhe begegnen. Der Kit - sprich: als nackte Karosse mit allen notwendigen Teilen - wird bei rund 80.000 Euro liegen. Dabei soll der R3-Renner made in Kölle mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe, Sperrdifferenzial und dem kleinen, serienmäßigen Heckflügel daherkommen. Ein Pedal-Shift-Getriebe soll später ebenfalls angeboten werden.

Die offizielle Vorstellung ist im Rahmen der Rallye Deutschland vorgesehen. Und wenn alles klappt, dann wird der GT86 CS-R3 im Jahr 2015 tatsächlich für das Comeback der Heckschleudern sorgen.

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