WRC

Tavares: „Lancia verdient es, in der WRC zu fahren. Aber ...“

Kaum hatte Lancia-Chef Luca Napolitano angedeutet, dass seine Marke wieder in den Rallyesport zurückkehren konnte, nahm eine Euphoriewelle in der Szene ihren Lauf. Jetzt nimmt Konzernchef Carlos Tavares Stellung.

Lancia, das waren 13 Monte-Carlo-Siege bis einschließlich 1992. Und dann? Dann war irgendwie das Geld alle, die Luft raus. Erst hörte Lancia auf zu gewinnen, dann zu verkaufen, oder war es umgekehrt? 

Jetzt soll Lancia wiederauferstehen und es ist ein Portugiese in Diensten eines französischen Konzerns, der Italiens Stolz bewahren möchte. Carlos Tavares hat erst PSA (Peugeot und Citroën) nach schwerer Absatzkrise gestrafft, dann den maroden Fiat-Konzern übernommen und damit den Auto-Multi Stellantis erschaffen. Mindestens zehn Jahre will Tavares in die Marke Lancia investieren. Dabei spielt auch der Rallyesport eine Rolle.

„Lancia verdient es, in der WRC oder einer anderen Kategorie zu fahren“, unterstützt Tavares die Pläne seiner italienischen Kollegen. Aber er tritt auch sofort auf die Bremse. „Wir alle müssen bedenken, dass der Motorsport nur als Marketinginstrument der Autoindustrie existiert und die Dinge eine gewisse Reihenfolge haben müssen.“ 

An erster Stelle stehe für ihn die erfolgreiche Einführung des neuen Ypsilon und weiterer Lancia Modelle, die in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts auf den Markt kommen. „Wir müssen eine gesunde Basis schaffen, sonst haben wir nicht die nötigen Mittel, um die Rennaktivitäten zu finanzieren“, meinte Tavares.

Der 65-jährige ist ein berüchtigter Sparfuchs aber auch ein ausgemachter Rallye-Fan und wie er Pläne erfolgreich umgesetzt, wurde zuletzt mit Alfa Romeo gezeigt. „Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Leute mich gebeten haben, Lancia zu streichen, als wir Stellantis gegründet haben. Fast so viele, wie an meine Tür geklopft haben, um mich zu bitten, ihnen Alfa Romeo zu verkaufen. Und in beiden Fällen habe ich die gleiche Antwort gegeben. Nein! Wir haben die finanzielle Situation von Alfa Romeo bereits gewendet, die Firma ist jetzt profitabel, sie ist eine Premiummarke und wächst. Also ist Motorsport in unserem Blickwinkel. Wir werden etwas Ähnliches mit Lancia machen, weil es im besten Interesse der Marke ist.“

Übrigens: Zwei Jahre nach dem Ypsilon ist ein rein elektrischer Crossover geplant. Auf dessen Plattform soll eine kompakte Schräghecklimousine mit Hybrid-Antrieb und bis zu 225 PS entstehen. Im Gespräch ist eine Allradversion, die zwischen 300 und 360 PS leisten könnte. Der Name des Projekts: Delta HF. Geplante Präsentation: Frühjahr 2027 - exakt 40 Jahre nach dem Delta HF, der 1987 die Rallye Monte Carlo gewann.

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