Rallye Sardinien

Prokop zieht sich aus Frust aus Rallye-WM zurück

Weil sein Team ein anderes Differenzial als geplant verwenden musste, bekam Martin Prokop noch vor dem Start der Rallye Sardinien fünf Strafminuten aufgebrummt. Der Ford-Privatier empfindet die Bestrafung als zu hart und kündigte seinen Rückzug aus der Meisterschaft an.

Martin Prokop ist stocksauer. Fünf Strafminuten kassierte er noch vor dem Start der Rallye Sardinien, weil sein Team im Vorfeld das versiegelte Hinterachs-Differenzial für Wartungsarbeiten öffnen musste. Laut Reglement wird die Beschädigung einer FIA-Plombe mit fünf Strafminuten geahndet.

Die Prokop-Truppe argumentierte, dass man als Privatteam nur drei Sätze des Antriebs besitze und man deshalb zwischen den einzelnen Läufen die Teile revidieren müsse. Schon bei der Rallye Portugal hatte man das Gleiche gemacht und keine Strafe kassiert, obwohl die FIA Bescheid wusste. Auch auf Sardinien schien die Sache zunächst gut auszugehen, doch vor Ort sahen die Offiziellen die Lage anders und brummten dem Ford-Privatier die zusätzliche Zeit auf.

Nach der Rallye Portugal übergab das Team die drei Antriebe zur Revidierung an einen Spezialisten. Man erteilte ihm die Erlaubnis, die Versiegelung zu brechen und Teammanager Quirin Müller informierte daraufhin pflichtbewusst die FIA. Aufgrund dieser Nachricht erfolgte die Bestrafung in Sardinien, vor Ort kontrolliert wurde das Bauteil jedoch nicht.

„Ich habe die FIA informiert, dass wir eine Plombe brechen müssen und wollte wissen, ob nun ein ganzer Satz verloren ist, oder nur ein halber“, so Müller. „Die Antwort war, dass ohne Erlaubnis seitens der FIA das Öffnen nicht erlaubt ist und fünf Strafminuten verhängt werden. Interessanterweise haben wir nach Mexiko alle Siegel gebrochen haben und in Portugal neu verplomben lassen. Das war kein Problem für die FIA. Somit haben wir uns in der Interpretation der Regel bestätigt gefühlt: Falls eine Verplombung ohne Genehmigung der FIA zerstört wird, bekommt man fünf Minuten für die nächste Rallye.“

„Man hätte auf eine Bestrafung vorerst verzichten können“, meinte Prokop-Teammanager Quirin Müller, der in Alghero vergeblich das Gespräch mit der FIA suchte. „Die frühe Zeitstrafe hat Martin die Rallye zerstört, er fuhr weit hinten im Feld und fand in den Medien kaum Beachtung. Das ganze Vorgehen zeigt uns, dass Privatiers in der Weltmeisterschaft scheinbar nicht erwünscht sind.“

Die Konsequenz aus der Geschichte: Prokop kündigte seinen Rückzug aus der Weltmeisterschaft an. „Ich habe andere Projekte“, meinte der 33-jährige, der nicht nur auf der Rundstrecke aktiv ist, sondern auch großen Gefallen an der Dakar gefunden hat und sich vor allem darauf konzentrieren möchte. „Wir werden mehr Tests haben und dann versuche ich im Sommer noch eine Marathon-Rallye zu bestreiten.“

Bei der FIA erklärt man zwar, dass die Regeln für alle gelten, doch Rallye-Direktor Jarmo Mahonen zeigte auch Verständnis für Prokop und dessen Situation als Privatier. Der Finne kündigte immerhin an, die Reglementierung der Verwendung bestimmter Bauteilen bei verschiedenen Rallyes zu überdenken.

Was den Fall noch verzwickter macht ist der Umstand, dass die Plombe in Prokops Differenzial gar nicht beschädigt sein könnte! Der Spezialist verabschiedete sich kurze Zeit später in den Urlaub und konnte bislang nur ein Differenzial öffnen, in zwei von drei Bauteilen ist die FIA-Plombe also noch unbeschädigt. Es scheint, als ob dieser Fall in die Verlängerung geht.

 

VIDEO: Highlights Rallye Sardinien


Mehr Videos ansehen ...

« zurück