Rallye Schweden

Petter Solberg will den Escort fliegen lassen

Wenn sich ab Mittwoch in Schweden die WM-Spikes wieder durch den Schnee fräsen, dann ist Petter Solberg erneut mit von der Partie. Der Ex-Weltmeister startet zwar ‚nur‘ im historischen Feld, verspricht aber mit seinem Ford Escort MK2 eine nicht minder spektakuläre Show wie die WRC-Stars.

<strong>ACTION GARANTIERT:</strong> Petter Solberg will den Ford Escort MK2 wieder quer durch den Wald treiben

Pernilla Solberg zog die Augenbrauen weit nach oben. „Petter, muss das sein? Unsere Ehe funktioniert so gut und jetzt kommst du mit so was?“, entgegnete sie ihrem Ehemann, als dieser im letzten Jahr auf die Idee kam, zusammen eine kleine Rallye in Norwegen zu bestreiten, nur so zum Spaß, und dann gemeinsam im Feld der Historischen beim schwedischen WM-Lauf zu starten. Frau Solberg hatte da so einen Verdacht: „Jede Wette, dass die Jungs das vor Jahren auf irgendeiner langen Verbindungsetappe ausgeheckt haben“, schwant ihr. Mit den Jungs ist außer Petter auch sein langjähriger Copilot Phil Mills gemeint, der 2009 zu Ehren seines nordischen Partners eine Firma namens Viking Motorsport ins Leben rief, und seitdem nagelneue Escorts nach historischen Vorgaben aufbaut und damit sein Leben nach der aktiven Karriere schuf.

 

Petter Solberg fühlte sich im neuen, alten Escort MK2 pudelwohl und hämmerte wie zu seinen besten Subaru-Zeiten durch das Värmland. Ehrensache, dass er auch über die Kuppe an Colin’s Crest geflogen kam, wo im gesamten Teilnehmerfeld nur eine gute Handvoll Autos nennenswert abhob. Solberg drosch den Ford voll durch den Hauch eines Linksknicks, bevor er ihn in die schnelle Rechts über Kuppe dahinter schmiss. Im langen und tadellosen Drift zirkelte er um das lange Eck bergab, warf kiloweise Schnee unters Volk wie Prinz Karneval Kamellen, tobte mit wütend brüllendem Motor durch die Senke und links bergauf, riss mit aufgerissenem Mund die Lenkung nach rechts und der Escort verschwand mit ausgestelltem Hintern über die nächste Kuppe.

 

Nun gut, Kenneth Bäcklund hatte ihm auf den knapp 20 Kilometern von Vargasen elf Sekunden aufgedrückt, aber der ewig unterschätzte Schwede und langjährige Saab-Cheftester hat auch deutlich mehr Erfahrung im historischen Sport, vor allem beim Trainingsverbot. Den Aufschrieb erhielten alle von Ari Vatanens ehemaligem Beifahrer Bruno Berglund. „Von so was hat meine Frau keine Ahnung“, sagte Solberg über seine bessere Hälfte, und die gestand freimütig: „Ich tue mich mit dem richtigen Timing schwer. Ich lese immer zu schnell.“ Aber gegen eventuelle Anwürfe von links hatte die Solberg-Gattin, die selbst früher wild am Lenkrad drehte, das richtige Rezept parat: „Er hat es so gewollt. Wenn er anfängt zu meckern, können wir ja tauschen.“ Ein Dreher kostete 20 Sekunden und Phil Mills vermutete, Pernilla habe sich im Gebetbuch verblättert. Solberg selbst nahm den Fehler auf seine Kappe: „Na ja, das ist eben ein Hecktriebler.“

 

Phil Mills brachte dem Ehepaar Solberg einen prächtig funktionierten Escort mit

 

Phil Mills ist mittlerweile gut im Geschäft. Seine Escorts sind die teuersten, aber eben nicht mühsam aufgemörtelte Schätzchen, die Tuner alten Witwen aus der Garage abschwatzen, sondern nagelneue Geräte. Die Bleche bezieht er von einer Firma, die die Original-Presswerkzeuge aus Ungarn und sonst woher aufgekauft hat. Den Namen will Mills nicht nennen, Betriebsgeheimnis. In mehreren Meisterschaften hat er Autos laufen. Wer jetzt bestellt, darf frühestens in eineinhalb Jahren auf Lieferung hoffen.

 

Auf Anhieb zum Sieg

 

Mills verrät nicht, ob der Kunde Solberg eine bevorzugte Behandlung erfahren hat, auch von Preisnachlass ist nicht die Rede. Wozu auch, er baut schließlich echte Siegerautos, und die kosten eben. Und auch Petter Solberg ist am Ende endlich wieder einmal Sieger. In der WM wartete er sieben Jahre lang vergeblich, die ersehnte, höchste Podiumsstufe zu erklimmen. Im historischen Sport kommt der Erfolg auf Anhieb. Nachdem Erik Johansson seinen Audi Quattro in einer Schneemauer versenkt hat und auch Bäcklund raus ist, war der Weg frei und der Siegerpokal wanderte nach Norwegen.

 

Weil es für Solberg nur Sekt oder Selters gibt, verspricht er auch in diesem Jahr, dass er im historischen Feld wie immer alles gibt und für eine ordentliche Show sorgen will. Es sind genau solche Ansagen, für die die Fans ihn lieben. „Mein Auto hat jetzt noch mehr Leistung und eine bessere Traktion“, kündigt er an und setzt für das mit Spannung erwartete Duell gegen Ex-Weltmeister Stiq Blomqvist noch auf einen anderen Trumpf: „Ich habe den hübschesten Beifahrer“ - Pernilla Solberg hat scheinbar Spaß am gemeinsamen Ausflug im Ford gefunden und wird ihrem Gatten erneut den Weg weisen. 

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