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Manfred Hiemer: "Aufwärtstrend in Deutschland spürbar..."

Im Interview mit Rallye-Magazin erläutert der Hyundai-Werkspilot die Aufgaben eines Beifahrers und kommentiert die aktuelle Situation des deutschen Rallyesports.

Manfred Hiemer

[b]Wie wird man Rallye-Beifahrer? Wolltest Du nicht selber fahren?[/b]

 

Mein Onkel hat in Starnberg eine Autolackiererei, dort habe ich mit ca. 10 Jahren das Autofahren gelernt und durfte auch Kundenautos auf dem Gelände rangieren, dabei habe ich mir auch öfters den Käfer meines Opas ausgeliehen und bin ganz automatisch zu einem Motorsportclub gekommen. Da war ich 15 Jahre alt und mit 16 kann man ja bereits als Co teilnehmen, damit war klar für mich das zu machen. Mit 18 habe ich auch mal selbst ins Lenkrad gegriffen, aber zwei von drei Starts endeten mit einem Unfall und einem Totalschaden. Das mangelhafte Budget 'lockte' mich zurück auf den Beifahrersitz.

 

[b]Wie wichtig ist die Rolle des Beifahrers? Stimmt der Spruch 'Das Gehirn sitzt rechts' wirklich?[/b]

 

Ich denke schon, dass der Beifahrer sehr wichtig ist, vor allem bei sehr schwierigen und anspruchsvollen Wertungsprüfungen, wie wir sie in der Rallye-Weltmeisterschaft fahren und die Sicht des Fahrers einfach nicht ausreicht.

 

[b]Beim Saisonfinale in Wales konnte man einen aufgebrachten Francois Delecour beobachten, wie dieser nach dem Unfall seinen Beifahrer zurechtwies. Hat man in solchen Momenten Verständnis für den Piloten?[/b]

 

Also ich habe für die heftige Reaktion von Francois kein Verständnis. Da sein Stamm-Co-Pilot verletzungsbedingt nicht teilnehmen konnte, musste er wissen, dass sein Ersatz-Co nicht 100%-ig fit ist wie Daniel. Dann muss man halt leider mit diesem Manko fahren. Übrigens ein gutes Beispiel um zu sehen wie wichtig der Co ist!

 

[b]Jeder Fahrer hat einen eigenen Fahrstil, gibt es etwas ähnliches bei Beifahrern? Worauf kommt es bei der Zusammenarbeit mit Armin Schwarz an?[/b]

 

Ich denke, dass das Timing des Lesens vom Aufschrieb das Wichtigste ist. Mit Armin habe ich eine wirklich tolle Partnerschaft. Wir haben beide, abgesehen von dem eigentlichen Rallyefahren wo unsere Arbeit zusammengeführt wird, eine gute Aufteilung. Armin ist für die Technik, Tests, etc. veranwortlich und ich lese meinen Aufschrieb, erledige organisatorische Aufgaben und versuche in der knappen Freizeit Sponsoren zu gewinnen. Beide arbeiten wir daran, mit Mitfahrgelegenheiten im Rallye-Auto den Menschen unseren Sport näher zu bringen. Diese Events bereiten uns beiden sehr viel Spass.

 

[b]Ab wann merkt man, dass die 'Chemie' im Cockpit nicht mehr stimmt? (Bsp. McRae/Grist) Gibt es Momente wo Du im Cockpit Angst hast bzw. Armin nicht 100%-ig vertraust?[/b]

 

Ich habe mit all meinen bisherigen Fahrern, Jochi Kleint, Harald

Demuth und Erwin Weber immer ein tolles Verhältnis gehabt, da hat die Chemie immer gestimmt. Angst darf man bestimmt nicht im Rallyeauto haben, wobei man sich den Respekt vor der Strecke behalten sollte. Zu Armin habe ich 100%-iges Vertrauen, obwohl ich natürlich weiss, dass wir uns am Limit bewegen und da schon auch mal was schief gehen kann. Aber das gehört dazu.

 

[b]Deutschland erlebte in diesem Jahr die Premiere der Rallye-WM. Wie siehst Du die aktuelle Situation? Spürt man einen gewissen Aufwärtstrend?[/b]

 

Ja, in Deutschland einen WM-Lauf zu haben finde ich natürlich Klasse. Man müsste nur noch versuchen die 3-Städte-Rallye zu integrieren, dann wären meine Lieblingsrallyes zusammengefasst. Zur aktuellen Situation: Ich vertraue dem Team das die sportliche Umsetzung zu realisieren hat, wobei es in anderen Bereichen noch viel zu lernen gibt. Zudem glaube ich fest daran, dass der Aufwärtstrend in Deutschland kommt, ich merke vor allem das wachsende Interesse von Agenturen an unserem Sport, aber auch die Fernsehübertragungen auf RTL tragen viel dazu bei. Bis sich dieser Trend allerdings in der deutschen Rallyemeisterschaft auswirkt, werden schon noch zwei bis drei Jahre vergehen.

 

[b]Du hast dem neuen Playstation-Spiel "WRC II Extreme" Deine Stimme 'geliehen', wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?[/b]

 

Ich wurde von Sony angesprochen, da ich das früher auch schon mal gemacht habe. Da ich schon damals viel Spass dabei hatte, hab ich es natürlich wieder getan.

 

[b]Wie sieht Deine Zukunft aus? Wie lange willst Du noch aktiv Rallyesport betreiben, was folgt dann?[/b]

 

Für nächstes Jahr haben wir noch einen Vertrag bei Hyundai. Solange Armin und ich danach ein wettbewerbsfähiges Auto bekommen können werden wir sicher noch ein bis zwei Jahre antreten. Nach dem aktiven Rallyesport werde ich indirekt dem Sport verbunden bleiben, entweder im organisatorischen Bereich eines Teams, oder aber mit Reisegruppen zu Rallyes, Mitfahrgelegenheiten im Rallyeauto, Fahrsicherheitslehrgängen etc. Da gibt es viele interessante Dinge.

 

[b]Rallye-Magazin bedankt sich recht herzlich für das Gespräch und wünscht maximale Erfolge in der kommenden Saison.[/b]

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