Finnlands neue Hoffnung

Kennen Sie Rantanen?

Alle Jahre wieder zaubert die Rallye-Nation Nummer eins ein neues Kaninchen aus dem Hut. Die jüngste Entdeckung heißt Matti Rantanen.

<strong>NEUES GESICHT:</strong> Matti Rantanen beeindruckte beim WM-Heimspiel

Da saß der angetrunkene Finne im Wald in Urria, drehte sich um und fragte: „Kennst du eigentlich Matti Rantanen?“ Mit dem anschließenden Kopfschütteln hatte er gerechnet und führte nachsichtig aus: „Den solltest du dir aber merken, es könnte der nächste fliegende Finne sein.“

 

Derlei Voraussagen muss man im Lande Suomi ernst nehmen, also musste im Zeitplan des Finnland-Wochenendes auch ein Antrittsbesuch beim besagten Neuling eingebaut werden. Wie fast alle Nachwuchs-Finnen ist Matti Rantanen über 1,80 Meter groß, blass und schlank. Wie viele trägt er eine Brille und wie die meisten sieht er aus, als müsste er beim Bierkaufen noch den Ausweis vorzeigen, obwohl er längst ausgewachsen ist.

 

Rantanen bestreitet normalerweise die finnische Meisterschaft, wo er in der Klasse bis zwei Liter 2006 den Titel gewann, 2007 in die größere Klasse über zwei Liter aufstieg und in dieser Saison mit einem Mitsubishi Lancer Evo IX zwei zweite Plätze und zwei Schrotthaufen vorzuweisen hat. Mit seinem Bruder, der auch als Manager fungiert, wandte sich Rantanen an die finnische Öffentlichkeit und teilte seinen fünf Millionen Landsleuten mit, ihm fehlten rund 200 Riesen, um beim WM-Heimspiel mal mit den großen Jungs im World Rally Car mitzuspielen. Was in Deutschland fassungsloses Staunen auslösen würde, ist in Finnland nicht einmal ein kleineres Wunder: Rantanens Sponsoren legten flugs noch Geld drauf, und zudem fanden sich zwei weitere Geldgeber, um den Jüngling im Ramsport-Team von Steinar Mikkelsen einzukaufen.

 

An zwei Tagen durfte Rantanen etwa 140 Kilometer testen, zuvor hatte er noch nie in einem World Rally Car gesessen. Als die Rallye Finnland in den zweiten Tag ging, wurde der Name Rantanen auf Rang sieben geführt. Dem gelernten Elektriker gelang eine sechstschnellste Zeit. Zuweilen ließ er im 2006er Focus auch Teamkollege Andreas Mikkelsen im 2007er Auto hinter sich. Am Ende brachte er den siebten Platz fehlerfrei ins Ziel, kassierte bei seiner ersten WM-Rallye zwei Punkte und durfte sich als bester Privatfahrer feiern lassen, was ihm zudem von Serien-Sponsor Abu Dhabi den „Spirit of the Rally Award“ einbrachte. „Ehrlich gesagt, war so etwas wie Rang sieben genau das, was ich mir so vorgestellt habe“, sagte der Debütant selbstbewusst.

 

2008 wird man Matti Rantanen außerhalb seines Heimatlandes kaum antreffen, aber für die kommende Saison will der Finne ein Geldpaket schnüren, um ein Programm mit ausgewählten WM-Läufen aus dem Boden zu stampfen. Die finnische Meisterschaft will er zusätzlich bestreiten. „Ich habe noch nicht so viel Erfahrung. Da ist jeder Kilometer im Rallye-Auto wertvoll“, sagt der Mann, der erst 2003 in einem alten Opel Kadett seine Karriere begann. Mit 27 Jahren ist Rantanen alles andere als ein Frischling, doch der Einwand, für einen neuen Shooting-Star sei er schon zu alt, bringt einen seiner Landsleute ziemlich auf die Palme: „So ein Quatsch. Schaut mich an, ich bin erst mit Anfang Dreißig richtig eingestiegen“, sagt einer der es wissen muss - Doppelweltmeister Marcus Grönholm.

 

Die Bilder der Rallye Finnland 2008...

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