Muller und Dumas

Kampf der Rundstrecken-Titanen

In ihrem Metier zählen sie zu den Größten, im Rallye-Sport gelten sie eher als Anfänger: Romain Dumas und sein französischer Landsmann Yvan Muller gehen im Elsass jeweils mit Mini JCW WRC an den Start.

<strong>KOMMT IN FAHRT:</strong> Yvan Muller kann am Sonntagmorgen auf WP18 die viertbeste Zeit setzen

Motorsport liegt ihnen im Blut und Allrounder sind sie auch: Le Mans-Sieger Romain Dumas und Tourenwagen-Ass Yvan Muller. Dumas zum Beispiel klemmt sich gerne hinter das Steuer eines Porsche GT3 und bestreitet damit die französische Rallye-Meisterschaft, wenn er nicht für Audi in der Langstrecken-WM unterwegs ist. Beim „Race to the Clouds“, dem legendären Bergrennen am Pikes Peak in Colorado, ist er unlängst bis auf Platz zwei gedriftet.

 

Muller wiederum, intern wegen seiner unglaublichen Fahrzeugbeherrschung auch „Yvan der Schreckliche“ genannt, ist nicht nur in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft Seriensieger. Mehr als ein Jahrzehnt dominierte er die abgefahrene Eisrennserie Trophée Andros, wo gut 350 PS starke Silhouette-Cars mit Allradantrieb und Allradlenkung für ein irres Spektakel sorgen und den Profis die Winterpause verkürzen. Muller gilt als Erfinder einer besonders extremen Kurventechnik: Er drehte seine Autos bereits VOR den Kurven 180 Grad um und rutschte rückwärts in die Ecken – dabei aber schon wieder voll beschleunigend. Ach ja, und als Ausgleich für die kalten Rennabende in den schönsten Ski-Metropolen Frankreichs zieht es ihn mit einem Buggy auch gerne in die Wüste des Marathon-Raids „Dakar“. Bei der Rallye Frankreich ist Muller zum dritten Mal mit von der Partie.

 

Vor ihren World Rally Cars haben beide großen Respekt. „Ich will nur das Ziel erreichen und Erfahrung sammeln“, stapelte Dumas vor dem Start tief. „Dies ist meine achte Rallye in zehn Jahren – wenn dies für ein Ergebnis unter den besten 20 genügt, wäre es prima“, ergänzte Muller. Was sich die beiden ehrgeizigen Fahrer wirklich ausgerechnet haben, behielten sie hübsch für sich. Denn dass sie wissen wollen, wo sie im Vergleich zur Weltelite stehen, darf als gesichert angenommen werden.

 

Am Freitagabend, nach Problemen mit einem untersteuernden Fahrverhalten und unpräzisem Aufschrieb, rangierten die beiden Franzosen bereits in den Top 20: Dumas lag als 19. exakt 38,6 Sekunden vor Muller. „Heute ging es nur ums Lernen“, räumte der Le Mans-Sieger ein. „Das Niveau in der Rallye-WM liegt unglaublich hoch. Wir sind derzeit 1,6 Sekunden pro Kilometer langsamer als Sébastien Loeb – das ist eigentlich gar nicht so übel. Aber wir wollen natürlich näher herankommen. Wenn ich die Zeiten setzen könnte, die Sébastien Ogier mit dem Skoda S2000 fährt, wäre ich zufrieden.“

 

Nach der langen Samstagsetappe rückte Muller bis auf Rang 15 vor. „Jetzt passt mein Aufschrieb besser und ich fühle mich im Auto wohler. Dennoch ist die Aufgabe hier eher eine schwierige“, räumte der Elsässer ein. „Jeder fragt mich, ob ich eher die schnelleren oder die langsameren Prüfungen mag. Ehrlich gesagt: Ich glaube, die engen und technischeren Passagen liegen mir besser. Es ist ziemlich schwierig, meinen Rundstrecken-Fahrstil diesen Bedingungen anzupassen – wenn du nicht 100 Prozent weißt, wie die nächste Kurve aussieht und wie das Auto reagieren wird …“

 

Immerhin gelang es Muller am Sonntagmorgen auf WP18 die viertbeste Zeit zu setzen. „Ich hätte vor der Rallye eine andere Rallye bestreiten sollen, denn es ist zu kompliziert das Auto kennenzulernen, sich wieder an den Aufschrieb zu gewöhnen und einen Rhythmus zu finden. Heute läuft es besser, die Rallye sollte jetzt noch zwei Tage weitergehen“, grinste Muller.

« zurück