Rallye News

Grübelnde Weltmeister, taxierende Teams...

Für die internationale Rallye-Elite ist bei der ADAC Rallye Deutschland die Eroberung von über 1.440 Kilometern Neuland angesagt.

:: Armin Schwarz ::

Für die Jagd nach Form und Norm liegt das Hauptaugenmerk natürlich auf den 23 Wertungsprüfungen, die etlichen Superstars mit jedem der insgesamt rund 416 Bestzeitkilometer noch schwer im Magen liegen. ?Diese Rallye ist eine absolut neue Herausforderung, der wir uns rasch anpassen müssen?, analysierte der zweifache Ex-Weltmeister Carlos Sainz aus Spanien bereits bei den Testfahrten für diesen ersten WM-Lauf auf deutschem Boden und gestand: ?Solch eine Streckenkombination bin ich noch nie in meinen 15 Weltmeisterschaftsjahren gefahren ? sicher keine leichte, aber eine lösbare Aufgabe.? Für den Madrilenen ist die ADAC Rallye Deutschland ergo eine Mission Possible.

 

Die engen, kurvigen Mosel-Prüfungen durch die Weinberge (Freitags-Etappe), die rutschigen Betonplatten auf dem Militärübungsplatz Baumholder (Samstags) und die breiten, superschnellen Asphaltpisten im Saarland (Sonntags) sind nicht nur die Knackpunkte für die Bremsen und Reifen der High-Tech- Mobile, sondern auch für weniger flexible Fahrerseelen. ?Von den total unterschiedlichen Straßenbelägen her fahren wir eigentlich drei verschiedene Rallyes und nicht nur drei Tagesetappen?, taxiert der norwegische Subaru-Pilot Petter Solberg. ?Die richtige Reifenwahl ist hier der entscheidende Faktor.? In die gleiche Kerbe schlägt Skoda-Teammanager Pavel Janeba: ?Diese Rallye hat sehr spezielle Prüfungen, so dass wir diesmal mit zwei komplett unterschiedlichen Fahrwerksabstimmungen für eine Asphalt-Rallye fahren müssen.?

 

Die WM-Stars betreten Neuland Die deutschen Hoffnungsträger Matthias Kahle (Skoda Octavia WRC), vierfacher deutscher Meister, oder Armin Kremer (Ford Focus RS WRC), dreifacher deutscher Meister und amtierender Europa-Champion, oder Ex-Titelträger Armin Schwarz (Hyundai Accent WRC) geraten ob der Strecken-Skepsis ins Schmunzeln. ?Diese Rallye Deutschland ist für die meisten meiner internationalen Fahrerkollegen befremdliches Neuland, weil sie viele Überraschungen sowie reichlich Ungewohntes bietet?, bestätigt der Bayer Armin Schwarz. ?Genau diese Tatsache ist der klare Heimvorteil der deutschen Piloten ? wir kennen uns auf allen Prüfungen bestens aus.? Und der Mecklenburger Armin Kremer, der die Vorjahres-Rallye sogar drei Prüfungen lang bis zu einem Reifendefekt anführte, setzt noch einen drauf: ?Jeder Weltmeisterschaftslauf hat seinen eigenen, speziellen Charakter und nun werden die Superstars mal verstehen, mit welchen Herausforderungen wir seit Jahren ausgezeichnet fertig werden. Vielleicht werden nationale Champions zukünftig nicht mehr ganz so belächelt.?

 

Der Görlitzer Matthias Kahle zuckt mit den Schultern, klinkt eine mögliche Erklärung für eingeschüchterte internationale Fahrerseelen aus. ?Ich schätze, so manchen Fahrer irritiert es schon ziemlich, wenn sie superschnell durch die Weinberge mit den hohen Weinstöcken sprinten und so nur noch diesen eingeschränkten Tunnelblick haben ? die nächste Serpentine kann da schon recht überraschend auftauchen.?

 

Der aktuelle WM-Leader Marcus Grönholm aus Finnland, Vierter bei der vorjährigen ADAC Rallye Deutschland, versteht die Nervosität mancher Kollegen überhaupt nicht und gibt sich ausgesprochen cool: ?Die Strecken kenne ich recht gut und dank meines satten Punktevorsprungs in der Fahrer-Wertung kann ich in Deutschland ohne großen Druck antreten.? Sein Teamchef Corrado Provera stößt dafür ins sportpolitische Horn: ?Wir freuen uns sehr auf diese Rallye, weil wir glauben, dass die Organisatoren ihr Bestes geben. Eine erfolgreiche Rallye Deutschland wird auch in Deutschland das breite Interesse an diesem Sport wieder anheben. Das ist für uns alle gut und liegt im wirtschaftlichen Interesse.?

 

Ford-Teamchef Malcolm Wilson wirkt nicht weniger optimistisch: ?Es ist gut, neue Chancen bei einem neuen Lauf zu nutzen, auch wenn die Baumholder-Prüfungen für uns Schlagloch-Pisten sind. Und tatsächlich haben wir gerade bei der kritischen Reifen-Frage aus unserem vorjährigen Engagement nicht allzu viel lernen können, weil wir 2001 zum Beispiel noch keine Mousse-Reifen wie heute benutzen durften. Baumholder wird so oder so die größte technische Herausforderung für alle Teams sein.?

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