WM 2013

Frankreich: Kompakter Showdown

Noch 20 Mal Drehzahl-Staccato am Start einer Wertungsprüfung. Noch 20 Mal geht einer der größten Rallye-Piloten der Geschichte auf Bestzeitjagd – dann sagt Rekord-Champion Sebastien Loeb "au revoir". Mit Sebastien Ogier steht sein möglicher Nachfolger bereits in den Startlöchern und will die letzte Chance nutzen, um seinen Vorgänger zu besiegen.

<strong>ANGRIFF:</strong> Sebastien Ogier will nicht nur Weltmeister werden, er will auch Sebastien Loeb besiegen

Das savoir vivre – die Kunst, das Leben zu genießen – ist bei unseren französischen Nachbarn bekanntermaßen weit verbreitet. Und auch die Kunst des Rallye-Fahrens beherrschen die Franzosen in Perfektion: Die Grande Nation brachte bereits zahlreiche erfolgreiche Lenkradartisten hervor. Bestes Beispiel ist der ehemalige Kunstturner und Rekord-Weltmeister Sebastien Loeb: Während der vergangenen Dekade dominierte er diesen Sport wie kein anderer Fahrer vor ihm: Neun Weltmeister-Titel, 78 WM-Siege, 896 Wertungsprüfungs-Bestzeiten.

 

Doch nun sagen der erfolgreichste Rallye-Fahrer aller Zeiten und sein Beifahrer Daniel adieu und au revoir. Bei der Rallye Frankreich greift Loeb zum voraussichtlich letzten Mal ins Lenkrad seines Citroën DS3 WRC. Für den Abschied hat sich der 39-Jährige, der sich in dieser Saison nur noch ausgewählte WM-Läufe vorgenommen hat, natürlich genau jene Rallye ausgesucht, die durch seine Heimatregion Elsass führt. Es ist nicht weniger als das Ende einer Ära – und möglicherweise der Beginn einer neuen. Denn mit Sebastien Ogier, ebenfalls ein Franzose, steht bereits der nächste Anwärter auf den Thron des besten Rallye-Fahrers in den Startlöchern. Der Volkswagen-Pilot könnte bei seiner Heim-Veranstaltung alles klar machen und gemeinsam mit Beifahrer Julien Ingrassia im Michelin bereiften Polo R WRC seinen ersten WM-Titel feiern.

 

Doch zuvor kommt es noch einmal zum großen Showdown, zum finalen Aufeinandertreffen der beiden Ausnahmekönner. Bereits vor der Rallye Frankreich haben beide „Super-Sebs“ angekündigt, dass sie den prestigeträchtigen WM-Lauf unbedingt gewinnen möchten. Für Hochspannung ist also schon vor dem Start des zweiten und letzten Asphalt-Events der Saison gesorgt.

 

Mit insgesamt 312,14 WP-Kilometern fällt die Rallye Frankreich fast 23 Prozent kürzer aus als noch im vergangenen Jahr. Der Service-Park und das Rallye-Zentrum sind nach wie vor in Straßburg beheimatet. Hier finden am Donnerstag auch der Shakedown sowie die erste Wertungsprüfung statt. Die 4,55 Kilometer kurze WP führt direkt am Europäischen Parlament in Straßburg entlang und dürfte erneut zahlreiche Fans in die elsässische Metropole locken. Auf dieser sogenannten „Power Stage“ können sich die drei schnellsten Piloten zusätzliche WM-Punkte sichern.

 

Wie bei Asphalt-Rallyes üblich, findet beim französischen WM-Lauf kein Qualifying statt. Somit wird der Meisterschaftsführende Sebastien Ogier auf der Freitagsetappe als Erster auf die Strecke gehen. Hier stehen drei Prüfungen im Département Bas-Rhin und in den Vogesen auf dem Programm, die jeweils zwei Mal gefahren werden. Die Wertungsprüfung „Vosges-Pays d’Ormont“ (WP 4 + 7) verkürzten die Organisatoren im Vergleich zum Vorjahr um zehn auf 34,34 Kilometer. Zwischen den beiden Schleifen kehren die Teams für einen 30-minütigen Service nach Straßburg zurück. Mit einer Gesamtdistanz von 134,93 Kilometern ist der Samstag der längste Tag der Rallye. Die insgesamt sieben Wertungsprüfungen führen durch das Département Haut-Rhin in der Nähe der französisch-deutschen Grenze. Am Sonntag stehen weitere sechs WP auf dem Programm – darunter auch die 5,74 Kilometer lange Prüfung „Haguenau“, die mitten durch die Heimatstadt von Sébastien Loeb führt. Hier will sich der Rekord-Champion standesgemäß mit einem Sieg von seinen Fans verabschieden.

 

In der Meisterschaft führt Sebastien Ogier mit 83 Punkten Vorsprung vor Thierry Neuville. Für Ogier stehen die Chancen zum vorzeitigen Gewinn seines ersten Weltmeistertitels sehr gut: Neuville muss sich bereits auf der Power Stage am Donnerstag die Bestzeit und damit die drei wichtigen Punkte sichern, um überhaupt noch eine Chance auf die WM-Krone zu haben. Gelingt ihm dies nicht, stehen Sebastien Ogier und Co Julien Ingrassia bereits vor den noch verbleibenden 19 Prüfungen als neue Champions fest.

 

Nichtsdestotrotz dürfen sich die Fans an der Strecke auch in diesem Fall auf ein spannendes Duell der beiden „Super-Sebs“ freuen. Denn in dieser Saison trafen Loeb und Ogier bislang drei Mal aufeinander – zwei Mal hatte der Rekord-Weltmeister am Ende die Nase vorn, einmal siegte sein designierter Nachfolger. Bei ihrem finalen Showdown geht es für beide auch um die Ehre. Denn Sébastien Ogier will diese letzte Gelegenheit dazu nutzen, um zu beweisen, dass er seinen ehemaligen Teamkollegen im direkten Zweikampf besiegen kann.

« zurück