Toyota WRC 2017

Die neue Welt von Jari-Matti Latvala

Die Verpflichtung von Jari-Matti Latvala war kein Geheimnis mehr, aber sie bleibt eine Überraschung. Der Dauer-Pechvogel der Weltmeisterschaft bekommt von Toyota-Teamchef Tommi Mäkinen die womöglich letzte Chance in seiner Karriere. Das Verhältnis ist schon jetzt angespannt.

Jari-Matti Latvala
Jari-Matti Latvala ist nun Toyota-Werksfahrer

Jari-Matti Latvala war deutlich zu spät dran. Als er den Flughafen in Helsinki erreichte, begann in der gut 30 Autominuten entfernten Finlandia-Halle bereits der Countdown zur Toyota-WRC-Präsentation. Im Taxi wurden schnell letzte Details besprochen, anschließend betrat der Ex-VW-Pilot die Bühne, jedoch in Jeans und Pullover. Erst später zeigte sich Latvala in seiner neuen Dienstkleidung, doch die Bilder vom verpatzten Auftritt kursierten bereits im Internet.

Das ganze Durcheinander ist symptomatisch für eine Zweckehe, die nach dem Ausstieg von Volkswagen geschlossen werden musste. Toyota-Teamchef Tommi Mäkinen hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten Sebastien Ogier verpflichtet hätte. Doch der Franzose lehnte nach einer Yaris-Testfahrt dankend ab. Mäkinen griff anschließend zu Latvala, obwohl dieser bei seinem alten Arbeitgeber längst nur noch dritte Kraft war.

Jetzt prallen zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander. Dort der zum Teil cholerische Teamchef, der einen Großteil der Testfahrten selbst erledigte und kaum Widerspruch duldet, da der stille Rallye-Schöngeist, dessen feine Antennen manchmal überjustiert sind und kleinste Veränderungen für das große Grübeln im Kopf sorgen.

Geübt in Diplomatie versuchte Latvala gestern lobende Worte über den Yaris zu finden. „Das Auto ist nicht schlecht“, betonte er immer wieder. „Vor allem der Motor und die Aerodynamik sind Pluspunkte. Aber es ist klar, dass ich damit vorerst nicht um den Titel kämpfen kann.“

Mäkinen zeigte sich bei der Team-Präsentation betont entspannt. „Ich denke wir werden insgesamt eine gute Zeit haben. Unser Auto muss noch weiter verbessert werden und Jari-Matti kann eine Menge dazu beitragen. Er ist ein schneller Fahrer, hat aber auch viel Verständnis für die Technik und das ist sehr wichtig“, meinte der Ex-Weltmeister, der das volle Vertrauen von Toyota-Chef Aki Toyoda genießt.

Der Japaner sorgte auch dafür, dass die Sektkorken gestern in Finnland besonders laut knallten, denn mit Latvala, Juho Hänninen und Esapekka Lappi darf Mäkinen bei der Fahrerriege voll auf die finnische Karte setzen. Latvala versprach in der Euphorie seinen Fans: „Wir werden im kommenden Jahr nicht nur einmal auf das Podium fahren.“ - Damit das klappt, begab er sich kurz nach der Präsentation erneut auf die Reise, um die Testfahrten in Südfrankreich fortzusetzen. Ab sofort zählt jede Minute hinter dem Steuer. Bis zum Start der Rallye Monte Carlo sind es nur noch 36 Tage.

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