Vor 15 Jahren: Loeb schreibt Schweden-Gesetz neu

Bis zum 8. Februar im Jahr 2004 galt in Schweden ein eisernes Gesetz: Ein Nicht-Skandinavier kann hier nicht gewinnen! Doch dann kam Sebastien Loeb.

  • Sebastien Loeb und Co Daniel Elena erobern zum ersten Mal Schweden

Bis zum 8. Februar im Jahr 2004 galt in Schweden ein eisernes Gesetz: Ein Nicht-Skandinavier kann hier nicht gewinnen! Doch dann kam Sebastien Loeb.

Die Verhältnisse in Schweden unterschieden sich zu Beginn der Rallye deutlich von jenen, bei denen die Skandinavier sonst ihre Eisblumen zum Aufblühen bringen. Plusgerade von sieben Grad sorgten dafür, dass der Schneewalzer phasenweise zu einer Schlammschlacht ausartete – und am ersten Tag auf einigen Passagen schon festgefrorener Schotter der Waldwege aus der weißen Pracht hervor lugte. Zum Glück ging der Regen in der Nacht zum Samstag in Schnee über. Zwischen drei bis acht Zentimeter Neuschnee bedeckten die Prüfungen und sorgten für jene Verhältnisse, die man sich im Vorfeld erhofft hatte.

Doch die weiße Pracht bekam nicht allen Fahrern gleichermaßen gut. Nur einer zog sich überraschend sauber aus der Affäre. Citroën-Youngster Sebastien Loeb hatte ein paar Wochen zuvor zum ersten Mal die Rallye Monte Carlo gewinnen können und versetzte nun die Nordmänner in Erstaunen. Der kleine Kunstturner aus dem Elsass hatte zunächst verhalten begonnen, doch geigte in den Wäldern des Värmlands immer größer auf und setzte sich klar gegen die Konkurrenz durch.

Topfavorit Marcus Grönholm, zu Beginn der Rallye durch Servoprobleme seines ungeliebten Peugeot 307 WRC stark gebeutelt, startete am letzten Morgen zu einem finalen Angriff auf Loeb, doch nach einem Ausrutscher mit großem Zeitverlust schaltete er lieber einen Gang zurück und begnügte sich zähneknirschend mit dem zweiten Rang. 

Durch einen Fahrfehler brachte sich auch der lange Zeit führende Markko Märtin (Ford Focus WRC) aus dem Rennen um den Sieg. Auf der elften Prüfung schlitterte der Este von der Bahn und riss sich das linke Hinterrad ab. Mit dem siebten Platz wurde Märtin weit unter Wert geschlagen. Weltmeister Petter Solberg hatte sich am gleichen Felsen wie Märtin angelehnt - aber mit harmloseren Folgen. An seinem Subaru ging lediglich ein Querlenker der linken Vorderradaufhängung zu Bruch. Solberg wurde hinter Loeb und Grönholm noch Dritter.   

Markko Märtin und Michael Park im Ford Focus WRC

Kurios endete das Aufeinandertreffen von Carlos Sainz (Citroën Xsara WRC) und Mikko Hirvonen: Der Finne hatte sich in einem Schneewall gebohrt und fuhr genau in dem Moment wieder an, in dem ‚El Matador‘ am gestrandeten Subaru vorbeirauschen wollte. Sainz musste das Lenkrad verreißen und krachte seinerseits in den gegenüber liegenden Schneewall. Hinter Ford-Privatier Janne Tuhino blieb nur der fünfte Platz.

Doppeltes Pech für Sainz: Auf der drittletzten Prüfung waren er und Tuhino nur durch zwei Zehntelsekunden getrennt, doch dann brach ein Kolben im Citroën-Motor - möglicherweise die Folge einer Überhitzung am Vortag. Der Spanier schleppte sich mit drei Zylindern ins Ziel.

Unterdessen bewertete Loeb den ersten Schweden-Sieg eines Nicht-Skandinaviers weniger euphorisch. „Für mich war es wichtig zu beweisen, dass ich auch Rallyes gewinnen kann, die nicht auf Asphalt stattfinden”, relativierte der damals 29-jährige cool wie immer. „Der Fahrstil in Schweden entspricht eher dem bei einer Asphaltrallye und ich habe ja bislang nur auf Asphalt siegen können.“

Allerdings brach vor allem in seiner Heimat Frankreich eine Welle der Begeisterung über Loeb herein und die nationalen Medien überschlugen sich in Lobeshymnen. „Loeb wird der neue Tommi Mäkinen“, jubilierte die ‚Grande Nation‘ am Sonntagnachmittag. Damals konnte noch keiner ahnen, dass Loeb den Vierfach-Champion Mäkinen einmal deutlich überflügeln wird.