Ogier und Wilson: Trennung mit Schmerz

Die Verbindung zwischen Sebastien Ogier und M-Sport-Chef Malcolm Wilson war etwas Besonderes. Nicht nur sportlich erreichte man zusammen ein neues Niveau, auch die Chemie zwischen beiden stimmte. Entsprechend schwer fällt die Trennung.

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Die Verbindung zwischen Sebastien Ogier und M-Sport-Chef Malcolm Wilson war etwas Besonderes. Nicht nur sportlich erreichte man zusammen ein neues Niveau, auch die Chemie zwischen beiden stimmte. Entsprechend schwer fällt die Trennung.

Ein paar Tage Ausruhen, dann beginnt für Sebastien Ogier ein neues Kapitel. In Kürze wird der frischgebackene Weltmeister den Citroën C3 WRC offiziell testen und sich auf die neue Saison vorbereiten. Nach zwei Jahren bei M-Sport kehrt Ogier dorthin zurück, wo seine beeindruckende Karriere begonnen hat. 

Doch das Kapitel ‚M-Sport‘ wird ihn noch lange beschäftigen. Ogier trieb die Mannschaft von Malcolm Wilson zu Höchstleistungen, gemeinsam erkämpfte man gegen reinrassige Werksteams zwei Mal den Titel.

„Es war eine unglaubliche Saison mit einem einzigartig engen Kampf um die WM-Krone“, so Ogier nach der Rallye Australien. „Noch vor wenigen Wochen dachten wir, es würde mit der Titelverteidigung sehr schwierig werden. Aber wir haben trotzdem nicht aufgesteckt, sondern alles gegeben, was wir hatten - gemeinsam mit einem fantastischen Team um uns herum. Ich bin so stolz auf jeden Einzelnen, und natürlich möchte ich mich auch bei Malcolm Wilson erneut für einen großartigen Job bedanken. Was wir gemeinsam in den vergangenen zwei Jahren erreicht haben, ist wirklich etwas Besonderes.“

"Erleben eine bemerkenswerte Phase"

Auch Wilson war noch Stunden nach dem Zieleinlauf der Rallye Australien voller Emotionen. „Dieser Titel bedeutet mir unheimlich viel. Noch vor zwei Monaten sah die Situation für uns überhaupt nicht gut aus - aber mit Sebastien Ogier und Julien Ingrassia im Team kann eben alles passieren", so Wilson. „Die Art und Weise, wie sie sich bei den letzten drei WM-Rallyes dieser Saison zurückgekämpft haben, ist unglaublich. Ich bin sehr stolz auf das, was wir gemeinsam errungen haben.“

Den beiden geschlagenen Konkurrenten zollte Wilson ebenso Respekt: „Ich möchte aber auch Ott Tänak und Thierry Neuville zu einer tollen Saison zu gratulieren. Wir wissen ja aus eigener Hand, wie konkurrenzfähig sie sind. Es war ein Vergnügen, drei der besten Rallye-Fahrer der Gegenwart dabei zu beobachten, wie sie sich bis zum letzten Meter um den Titel duellieren. Der Rallye-Sport erlebt aktuell eine bemerkenswerte Phase, darauf können wir alle stolz sein.“

"Man verlässt das Mädchen, das man liebt"

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Ogier folgte dem Lockruf von Citroën-Teamchef Pierre Budar, der nicht nur mit einem ordentlichen Gehaltsscheck winkte, sondern auch für entsprechendes Entwicklungsbudget sorgte, damit Ogier mit dem C3 WRC konkurrenzfähig ist. Ein Umstand, den der Weltmeister bei Ford vermisste. Dort fehlt nach seiner Ansicht die volle Unterstützung für das WRC-Projekt. Das M-Sport-Team klammerte er bei seiner Kritik ausdrücklich aus.

„Ich habe in meiner Karriere selten so viel Einsatz gesehen“, lobte er das Team. „Ich muss zugeben, es ist wirklich hart, dass wir nun gehen. Es ist wie wenn man ein Mädchen verlässt, dass man liebt. Warum wir es tun? Warum jetzt, nachdem wir in den letzten zwei Jahren alles erreich haben? Es wartet erneut eine große Herausforderung auf uns und ich freue mich auch darauf. Am Ende verabschieden wir uns in der bestmöglichen Art und Weise.“