Ingrassia: „Akzeptieren, nicht ausblenden“

Die Vorbereitung auf die Rallye Deutschland verläuft für Julien Ingrassia anders als üblich. Nach seinem schweren Unfall in Finnland versucht der Weltmeister-Co den Spagat zwischen Erholung und Beruf.

  • Julien Ingrassia erholt sich noch immer vom schweren Finnland-Unfall

Die Vorbereitung auf die Rallye Deutschland verläuft für Julien Ingrassia anders als üblich. Nach seinem schweren Unfall in Finnland versucht der Weltmeister-Co den Spagat zwischen Erholung und Beruf.

Beim Gedanken an den Abflug auf der vierten Finnland-Prüfung läuft es Julien Ingrassia noch immer eiskalt den Rücken hinunter. „Dieser Unfall zählt mit den Abflügen bei der ‚Monte’ 2012 und der Rallye Deutschland 2014 zu den drei heftigsten Unfällen in unserer Rallyekarriere“, beschreibt der Beifahrer von Sebastien Ogier.

Der Weltmeister hatte sich zuvor bei einem gewaltigen Sprung den Stoßdämpfer hinten rechts beschädigt und war nach eigener Aussage in Gedanken bei diesem Problem, als er die mittelschnelle Linkskurve etwas zu schnell ansteuerte. Ingrassia realisierte sofort, dass es brenzlig werden würde: „Ich wusste, wir werden einen harten Treffer abbekommen und hatte große Sorge, dass wir den Baum auf Höhe meiner Beifahrerseite erwischen. Zum Glück schlugen wir ein Stück weiter hinten ein.“ 

Ingrassia weiter: „Wir waren gar nicht so schnell, vielleicht 70 km/h, aber die Energie, die auf uns einwirkte war riesig. Weder der Baum noch das Auto haben irgendwelche Kräfte absorbiert, also hat es mein Körper abbekommen. Für ein paar Sekunden war ich ausgeknockt.“

Zunächst gab es die leise Hoffnung, dass Ogier am Sonntag wieder starten könnte, um auf der abschließenden Power-Stage wertvolle WM-Punkte zu holen. Doch nachdem die Ärzte bei Ingrassia eine Gehirnerschütterung diagnostizierten und eine Wettkampfpause von 15 Tagen empfahlen, war die Sache gelaufen. Zu Hause angekommen verordnete sich der 37-jährige strickte Ruhe. „Kein Fernsehen, kaum Mails, oder Telefon“, so Ingrassia, der sich inzwischen wieder besser fühlt. 

Eingeschränkte Vorbereitung

Bevor die Rallye Deutschland jedoch in ihre heiße Phase geht und am Dienstag mit der Streckenbesichtigung (Recce) begonnen wird, will sich Ingrassia erneut medizinisch untersuchen lassen. Auch ein paar Kilometer neben Ogier während der letzten Vorbereitungstests sind geplant, das ganze Pensum wird Ingrassia jedoch nicht abspulen. 

Angst oder Bedenken hat er keine, wenn er wieder in den Fiesta WRC steigt. „Ich kenne die Risiken und Gefahren in diesem Sport. Wenn etwas schiefgeht, dann tut es weh. Schmerzen, Stress, Angst, diese Gefühle sind nach einem Unfall normal und ich habe entschieden, diese zu akzeptierten und sie nicht auszublenden. Auch deshalb bin ich bereit mit Seb weiterzukämpfen und den WM-Titel zu gewinnen.“