Wie Vatanen dem Tod von der Schippe sprang

Es ist inzwischen fast genau 30 Jahre her: Am 21. Juli 1985 überlebte Ari Vatanen während der Rallye Argentinien einen Horror-Crash. Nur zwei Monate zuvor hatte der Finne bereits während des WM-Laufs auf Korsika mit einem beängstigenden Mehrfach-Überschlag für Aufsehen gesorgt.

Es ist inzwischen fast genau 30 Jahre her: Am 21. Juli 1985 überlebte Ari Vatanen während der Rallye Argentinien einen Horror-Crash. Nur zwei Monate zuvor hatte der Finne bereits während des WM-Laufs auf Korsika mit einem beängstigenden Mehrfach-Überschlag für Aufsehen gesorgt.

Rückblende ins Jahr 1985: Auf der zweiten Wertungsprüfung „Las Bajadas – Villa del Dique“ der WM-Rallye Argentinien erlebte Ari Vatanen einen dieser „big moments“, die sich wohl für immer ins Kleinhirn eines Fahrers einbrennen. Best-of-Rallylive erinnert an dessen Abflug vor 30 Jahren. 

Der Finne ging als Dritter auf die Strecke. Dann geschah es: In einer Hochgeschwindigkeitspassage verlor Vatanen die Kontrolle über seinen Peugeot 205 T16, nachdem er mit seinem Michelin bereiften Gruppe B-„Monster“ in einer rasanten Bergabgeraden ein Schlagloch getroffen hatte.

Der Allradler hob ab, landete mit Wucht auf der Fahrerseite und überschlug sich mehrfach. Dabei löste sich der Peugeot 205 T16 fast komplett in seine Einzelteile auf. Ari wurde bei diesem Unfall schwer verletzt, und auch sein Beifahrer Terry Harryman trug Blessuren davon.

Der Helikopter des Peugeot-Werksteams folgte zu diesem Zeitpunkt Vatanens Teamkollege Timo Salonen, der als Erster in die Loipe gegangen war. Der Hubschrauber wurde umgehend zur Unfallstelle zurückbeordert, um den Verletzten zu helfen. Ari wurde nach Cordoba ins Krankenhaus geflogen, wo die Ärzte zahlreiche Brüche feststellten – die Wucht des Aufpralls hatte unter anderem einen Halswirbel, das Knie, ein Sprunggelenk und acht Rippen zertrümmert. Der Rallye-Weltmeister des Jahres 1981 wurde acht Stunden lang operiert und erhielt drei Bluttransfusionen. In Anbetracht dieses Horror-Crashs hatte Ari Vatanen großes Glück, dass er den Unfall überlebte.

Besonders beklemmend: Ari war der festen Überzeugung, dass er im Zuge der Bluttransfusionen mit AIDS infiziert worden war und verfiel in eine tiefe, lang andauernde Depression. Es sollte ein Jahr dauern, bis er diese schwere Zeit überstanden hatte. Die Wende brachten der Besuch bei der 1.000-Seen-Rallye in seinem finnischen Heimat und das Angebot des damaligen Peugeot-Teamchefs Jean Todt, der Ari ein Cockpit zur Verfügung stellte und damit das Comeback des langen Nordmannes möglich machte.

Achtzehn Monate nach diesem einschneidenden Erlebnis ging der sympathische Finne bei der Rallye Dakar 1987 an den Start. Es war einer der Wendepunkte in seinem Leben, denn Vatanen sicherte sich bei der wohl härtesten Rallye der Welt in der Raid-Version des Peugeot 205 T16 den Gesamtsieg.

Wenige Monate später feierte er auch in der Rallye-WM sein Comeback. Bei der Safari-Rallye pilotierte er einen Subaru RX Turbo. Seinen Heimevent, die 1.000-Seen-Rallye, bestritt Vatanen 1987 mit einem Ford Sierra Cosworth. Dabei saß Terry Harryman zum letzten Mal neben ihm auf dem „heißen Stuhl“.

Im weiteren Verlauf seiner Karriere gewann Ari Vatanen 1988 das prestigeträchtige Pikes Peak-Bergrennen, trug sich noch drei weitere Male in die Dakar-Siegerliste ein (1989, 1990 und 1990) und startete mit Mitsubishi, Subaru und Ford bei ausgewählten Läufen zur Rallye-Weltmeisterschaft. Ein weiterer WM-Sieg blieb ihm dabei jedoch verwehrt.