Rallye News

"Auf einmal geht da was..."

Rallyefans sind tolle Typen. Aber wenn man ihnen den Weg versperrt, brennen die Sicherungen leicht durch, wie Andy in seinem letzten Bericht aus Griechenland erzählt.

<strong>Mittendrin, statt nur dabei:</strong> Rallye-Sport wie ihn jeder erleben sollte

Hallo Rallyefreunde,

 

Die Rallye Akropolis ist zu Ende. Die herrliche Zeit an den Prüfungen in Griechenland ist vorüber. Heute standen für die Teams noch einmal 6 WP?s auf dem Programm. Diesmal wieder nordwestlich vom Headquarter in Lamia aus. Aus fruchtbaren Tälern geht es auf den WP immer den Berg hoch, von dichter Vegetation und Wald, bis kurz unter die Baumgrenze. An den Pässen befinden sich die Zuschauerpunkte, welche wiederum von Tausenden Fans bevölkert werden.

 

Wir starten mit WP1. In umgekehrter Reihenfolge geht es auf die Prüfungen. Ein schöner Spannungsbogen von Warmbold, bis hin zum Führenden Solberg. Wir stehen 500m nach dem Start der WP. Steil und eng bergauf geht?s für Sainz und Co. In einem mittelschnellen S geht es einseitig über eine fiese Welle, hundert Meter weiter in eine Kehre. Einige Piloten werden ein Lasso benötigen um das unruhige Heck wieder einzufangen. Das Starterfeld ist immer noch beachtlich, auch wenn nur noch ca. 12 WRC in der Gesamtwertung starten.

 

Unser Start erfolgt direkt nach Solberg. Von den ersten Super 1600 hören wir nur den brachialen Sound. Unser Auto steht direkt hinter der Vorstartzone. Beim Wechsel auf den nächsten Zuscherpunkt gehen wir in Führung. Vom Zeitplan her könnte es gerade so klappen.

Vollgetankt und zum Äußersten entschlossen, legen wir eine tolle Performance an den Tag. Noch auf dem Weg zu WP3 lassen wir die ?Einfach-0? traurig auf der Kriechspur zurück.

 

Die letzten 8 km geht es eine Bergrennstrecke hinauf. Davon zeugen die Reifenstapel an allen Kehren, die Bremsspuren und die Einschläge an den Leitplanken. Ohne jede Vorwarnung zieht eine lange Rechts plötzlich zu. Der sofort eingeleitete Angstbremser wird zum Verbremser. Beim Einlenken stellt sich unser Untersatz auch noch quer. Plötzlich kommt Rallyefeeling auf. Wir reduzieren aber jetzt das Tempo, denn nicht nur auf dem Asphalt hat dieses Manöver Spuren hinterlassen.

 

Die letzten 2 km werden zur Tortur. Laut Karte sind es 2km. Viele Fans lassen ihre Karren stehen und begeben sich ins Tal der Tränen. Als wir nach 5 km immer noch nicht an der WP sind, wird auch unsere Zeit knapp. Als Zeichen der Dankbarkeit gegenüber unseren netten Gastgebern, nehmen wir ein Pärchen mit, welches, um eine Mitfahrt bettelnd, sich fast vor unser Auto schmeißt. Wir kommen bis 100m vor die WP, dort ist Finito. Nichts geht mehr , nicht vor und nicht zurück. Wir lassen unser Gefährt in 2er und damit letzter Reihe stehen, direkt hinter uns schließen alle genauso ihre Autos ab und so bleibt die Frage nach dem Heimweg ungeklärt.

 

Wir schauen wieder alle WRC und die ersten S1600. Das wir nach der Prüfung eine Stelle zum Wenden finden ist Glück und macht uns automatisch zu etwas Priviligiertem. Aber vor Gott und im Stau sind alle gleich. Machtlos können wir wenigsten auf einen vollen Tank und die Klimanlage vertrauen. Draußen ist fast Mittag, sengende Sonne und ca. 30 Grad Celsius.

 

Als sich alles etwas lichtet, fallen drei Saxos auf. Alle drei stehen gelinde gesagt, kotzerbärmlich im Weg rum und blockieren alles. Es dauert eine ganze Weile, dann zieht es ca. 20 Griechen die Sicherung. Gemeinsam packen sie die an sich schuldlosen Autos. Erst unkoordiniert in alle Richtungen, später sehr zielstrebig auf eine 50m tiefe Schlucht zu. Wir machen die Kameras klar, hier geht noch was. Dass das unvermeidbare was nun kommen soll, nicht geschieht, ist wahrscheinlich dem Umstand zu verdanken , das die Besitzer jetzt gerade eintreffen. Endlich freie Fahrt geht?s nun zu unserer 3ten, der 5ten, damit der vorletzten und für uns letzte WP dieser Rallye.

 

Ein bisschen Wehmut macht sich breit. Noch einmal haben wir Sicht auf mindestens 2 Kehren und mehrere schnelle Schwünge im Hang. Wir genießen es, jedes Auto wird frenetisch gefeiert, auch die Nationalen. Sicher, ist man erst mal froh wenn?s wieder etwas ruhiger wird, aber schon einen Tag später möchte man am liebsten wieder an den Strecken stehen.

 

Ohne groß drum rum zureden: Wer Schotter liebt, sollte, ja muss einmal diese Rallye erlebt haben. Wir möchten diese Erfahrungen nicht mehr missen. Wenn durch meine Zeilen jemand angeregt wurde selbiges zu tun, dann sag ich macht euch auf. Am besten noch Last Minute in die Türkei. Dort könnt ihr sicher ähnliche Erfahrungen sammeln.

 

Ich hoffe ich konnte Euch durch meinen etwas anderen Reisebericht etwas Kurzweil verschaffen und für den Sport begeistern. Wer sich für nähere Einzelheiten, wie Hotel, Flug oder ähnliches interessiert, sollte sich direkt mit mir über [EMAIL][email protected][/EMAIL] in Kontakt setzen. Wie schön vor allem die sportliche Seite dieser Rallye war, könnt ihr dann Ende nächster Woche auf unserer Seite an Kurzvideos sehen und downloaden.

 

Liebe Rallyefangemeinde,

wir sehen uns im Saarland.

Ciao sagt Andy

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