Rallye News

"...auch McRae kommt nur noch gerollert..."

Ein etwas ungewöhnlicher Reisebericht von der Premiere der Rallye-Weltmeisterschaft. Ein Rallyefan schildert seine Eindrücke.

"...auch McRae kommt nur noch gerollert..." - Selbst Colin bereitete Andy heute keinen Spaß

Hallo Rallyefans und alle die es werden wollen,

 

Eine herrliche Rallyewoche geht für meine Mitstreiter und mich zu Ende. Die Teilnehmer, jedenfalls die wenigen verbliebenen haben das Ziel erreicht und auch für uns heisst es Abschied zu nehmen, von diesen herrlichen Schotterstrecken.

 

Doch zunächst beginnt der letzte Tag wieder in aller früh. Doch der Gewaltmarsch von gestern hat seinen Tribut gefordert. Beine die an mir herunterhängen wie zu lang gekochte Spagetti und Füsse welche sich anfühlen als hätte jemand in der Nacht Rollschuhe montiert, lassen mich wieder ins Bett gleiten und kurzerhand die erste WP des heutigen Tages canceln.

 

Der Tag ist sowieso nicht besonders zuschauerfreundlich. Das Programm liest sich in etwas so. Am besten du bist als Fan etwa 6 Uhr oben auf dem Berg, schaust eine WP und wartest dann bis Nachmittag um 14 Uhr. Wenn du es nicht schaffst wird ein Teil der Anfahrten gesperrt und du musst wieder Höllenmarsche erdulden. So in etwa sagt es jedenfalls das offizielle Programm.

 

Wir beschliesen zum Wohle aller, erst am Nachmittag zu erscheinen und machen einen auf Sonntag. Der Koch hat sich heute mächtig ins Zeug gelegt und ist warscheinlich schon am Tag vorher aus der Küche verschwunden und selber zur Rallye. So in etwa schmeckt das Frühstück. Überhaupt ist scheinbar das Rallyefieber beim Personal ausgebrochen , denn seit meinem Bestechungsversuch mit der Zimmernummer von Kosti ist meine Kamera jeden Abend Objekt der Begierde und ich muss meine Aufnahmen des Tages vorzeigen.

 

Wir starten nach dem Mittag und testen eine neue Route. Aber wieder alles gesperrt. Wir täuschen Ratlosigkeit und Ortsunkenntnis vor. Genau in dem Moment in dem sich der nette Posten wieder vom Auto entfernt um seinen Kollegen um Rat zu fragen, rutsch mir der Fuss von der Kupplung. Warscheinlich Unachtsamkeit gepaart mit Clevernes. Unser Clio stürmt vorwärts. An anhalten ist nun nicht mehr zu denken. Sorry aber der neue Weg ist wirklich fast 70 km kürzer und andere Autos mit VIP-einfahrt fahren hier auch.

 

Wir gelangen so viel zeitiger an unseren Zuschärpunkt und biegen natürlich wieder in die Falsche Richtung ab , um ungestört unsere letzte WP geniesen zu können. Wir finden in dicht bewaldetem Gebiet wieder 2-3 Kurven. Die ersten beiden rechts links gehen den Berg runter und münden dann in eine lange rechte Kehre. Natürlich feinster Schotter. Diesmal nicht ganz so hart, dafür aber wieder sehr fein und rollig.

 

Durch die Abkürzung bleibt Zeit sich mit den beiden Posten anzufreunden , welche ein sehr gutes Englisch sprechen. Wirklich die nettesten Posten die ich bis jetzt getroffen habe. Wir reden über alles aber vor allem über Rallye. Sie kommen wie so viele andere Studenten aus Istanbul. Das einzige wovon sie keine Ahnung haben ist aber Rallye. Sie wissen nur - niemand auf die Strasse lassen und vor jedem Auto pfeifen - Ich erkläre so gut es eben geht.

 

Am Ende geben sie ihren Lieblingsstein auf, verzichten auf eigene schöne Bilder und lassen mir den besten Platz. Nun beginnt die Rallye. Grönholm eröffnet wieder. Doch irgendwie ist ähnlich wie bei uns , etwas die Luft raus. Sieht zwar alles sehr flott aus. Doch der letzte Biss fehlt bei fast allen Teilnehmern. Gelinde gesagt für die WM lächerlich. Auch McRae kommt nur noch gerollert. Nicht falsch verstehen. Das ist schon noch schnell. Aber niemals mehr das Limit. Fast alle WRC sind nun durch und unsere letzte Hoffnung ist der Ultimativer Presser J Joseph. Doch er und auch 3 weitere Teilnehmer aus der JWRC schleichen mit Warnblinke zu Tal. Ein kleinwenig Frust macht sich breit als wir die Wp verlassen. Nochmal sind etwa 5min bestes Videomaterial im Kasten, aber etwas mehr hätte es schon sein können.

 

Im Tal, am Hotel in Kemer angekommen können zuerst die Frauen ihren Resturlaub geniesen. Meine Wenigkeit und mein Co beschliesen die Rallye stillvoll zu beenden und den Restbenzin im Tank noch etwas einzukürzen. Der Shakedown Test der WRC kommt uns nochmal unter die Räder. Mensch das sieht hier aus. Hinter dem Lenkrad denkt man meist nur an Stecken bleiben, oder o Gott die Ölwanne. Bis zur Unkenntlichkeit sind die Strecken im Wald verwüstet. Wo am Donnerstag die WRC noch flat drüber gebügelt sind, ängstigt sich unser Clio jetzt schon bei Schrittgeschwindigkeit. Geschafft. Wir sind durch. Wir begeben uns zur obligatorischen Wagenwäsche den schliesslich soll der Vermieter keine Kampfspuren sehen. An der Waschanlage ernten wir lobende Blicke über die tollen Schlammspuren welche sich bis unters Dach hochgearbeitet haben. Die Frage des Mannes - You Rally- beantworte ich mit hochgestrecktem Daumen.

 

Eine Geste die ich gerne den Organisatoren, den Fahrern und all den Helfern zeigen würde. Selber zurück im Hotel begegnet mir der strahlende Kosti Katajamäki. Die technische Abnahme ist gerade vorrüber und die 10 Punkte für den Sieg sind sicher. Wir gratulieren ihm. Von einem seiner Mechaniker erfahren wir das es vieleicht auch die Punkte für die Monte zurückgibt. Das würde die alleinige Führung in der JWRC WM bedeuten. Mir als Deutschen stellt sich da die Frage was wäre, wenn Sven Haaf ein Jahr eher die Chance gehabt hätte.

 

Eine herrliche Woche Rallye geht zu Ende. Morgen geht es mit dem Flieger wieder heim und dann beginnt ja bald schon wieder die Oberland. Ich hoffe es hat sich irgendein Organisotor für ein Treffen in Bayern gefunden und ich hoffe die Kneipe hat einen Fernseher. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die nächste Rallye und werde meine Aufnahmen mitbringen.

 

Bis dahin sage ich CIAO Euer Andy

 

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