Rallye News

Abkühlung für WM-Stars

Mit der Reise ins kühle Argentinien gönnt sich die Rallye-WM nach drei heißen Läufen auf Zypern, in Griechenland und in der Türkei eine Abkühlung in Südamerika.

<strong>Topfavorit:</strong> Seb Loeb will in Argentinien wieder angreifen

Auch wenn die Rallye Argentinien im Vergleich zum Vorjahr mit deutlich kühleren Temperaturen aufwartet: An dem warmen Empfang, den die begeisterten Südamerikaner den schnellsten Driftern der Welt alljährlich bereiten, kann die Zurückverlegung dieses WM-Laufs um zwei Monate nichts anhaben.

 

In der Tat erreicht der Enthusiasmus der Rallye-Fans rund um Cordoba immer neue Dimensionen: 1,35 Millionen (!) Zuschauer wohnten im Vorjahr entlang der 25 Wertungsprüfungen dem spektakulären Geschehen bei. Und was die örtlichen Tourismusverbände noch wesentlich mehr erfreute: 18,3 Prozent der Besucher ? dies ergab die Umfrage eines örtlichen Consulting-Unternehmens ? übernachteten in Hotels, weitere 8,4 Prozent in Wohnmobilen. Zugleich kurbelten die Rallye-Freunde mit Ausgaben in Höhe von rund 80 Millionen US-Dollar auch die lokale Wirtschaft kräftig an.

 

Leider sorgte der enorme Zuschauer-Zuspruch in Verbindung mit dem überaus kompakten Rallye-Konzept auch für Probleme: Gleich zwei Wertungsprüfungen mussten abgesagt werden, da die Sicherheit der dicht am Streckenrand stehenden Fans nicht mehr gewährleistet war. Ein Ärgernis, das sich in dieser Saison nicht wiederholen soll: So genannte ?Remote Re-Fueling?-Areale, in denen zwei Mechaniker auch außerhalb des zentralen Service-Parks die Rallye-Boliden auftanken und mit bordeigenen Werkzeugen reparieren dürfen, sorgen an allen drei Rallye-Tagen für die geographische Entzerrung der WP.

 

Erwünschte Auswirkung: Die Zuschauer-Mengen verteilen sich großräumiger. Gern von den Driftspezialisten in Kauf genommener Nebeneffekt: Mit den Prüfungen ?El Condor? (WP 25, 24,69 km) und ?Guilio Césare? (WP 26, 16,77 km) kehren zwei besonders spektakuläre und traditionsreiche Passagen in den Zeitplan zurück. Insgesamt sechs WP werden im übrigen auf der nur 3,02 Kilometer langen Zuschauer-Prüfung ?Pro Racing? gleich vor den Toren des Rallye-Zentrum in Villa Carlos Paz ausgetragen ? auch dies ein Instrument, um die Zuschauer-Ströme weg von den übrigen Strecken zu lenken.

 

Bereits Wochen vor Beginn der WM-Rallye in Argentinien ? wo, da außerhalb des europäischen Kontinents gelegen, nicht getestet werden darf ? mussten die Teams verbindlich die beiden Reifen-Profile festlegen, die sie jeweils einsetzen wollen. Eine Woche vor Beginn dieses Events wurden dann jene 80 per BAR-Code registrierten Pneus pro Teilnehmer nominiert, die während des achten Saisonlaufs zur Verfügung stehen und von denen letztendlich nur 40 wirklich aufgezogen werden dürfen. Dies schränkt die Bandbreite differierender Mischungen erheblich ein.

 

Nach seinem ersten ?echten? Sieg bei einer Schotter-Rallye hat sich Citroën-Jungstar Sébastien Loeb nun auch für den WM-Lauf in Argentinien Großes vorgenommen. ?Für gewöhnlich behalte ich meine Gefühle ja für mich?, gesteht der 30-jährige Franzose, dem in dieser Saison bereits vier Mal der Sprung auf das oberste Treppchen gelungen ist. ?Aber mein Erfolg in der Türkei hat mir enorme Glücksgefühle bescherrt. Ich konnte beweisen, dass ich auch im direkten Duell mit so großen Fahrern wie Marcus Grönholm oder Petter Solberg auf Schotter bestehen kann. Die Balance meines Xsara WRC war unglaublich gut, ich hatte absolutes Vertrauen in mein Auto.?

 

Geht diese Erfolgssträhne nun so weiter? ?Warum nicht??, antwortet Loeb mit einer Gegenfrage. ?Aber auch Marcus und Petter oder auch Markko Märtin und mein Teamkollege Carlos Sainz gehören zum engeren Favoritenkreis. Unser Xsara WRC verfügt dank seiner Michelin-Pneus nun auch auf unebenem Grund über jede Menge Traktion. Sprünge und Wasserdurchfahrten absolviert das Auto ohnehin gut. Einzig die Tatsache, dass wir am ersten Rallye-Tag wieder als Erste auf die Strecke müssen und für die Anderen den Straßenfeger spielen werden, könnte sich für uns als Nachteil erweisen.?

 

Auch Sainz, mit 25 WM-Laufsiegen bis heute erfolgreichster Rallye-Pilot aller Zeiten, freut sich bereits auf Argentinien: ?Das wird fantastisch?, schwört der Madrilene, der diese Rallye ? die er bereits zwei Mal gewonnen hat ? bereits zum 13. Mal in Angriff nimmt. ?Die Veranstalter haben einen Weg gefunden, dass wir in die Gegend um Mina Clavero zurück kehren können. Und auf Prüfungen wie ,Giulio Césare' und ,El Condor' freue ich mich schon jetzt. Bleibt die Frage, in welchem Zustand die Strecken auf uns warten ? aber das wird sich beim Abfahren ergeben.?

 

Ford geht in Südamerika mit einem Focus RS WRC an den Start, der über einen umfangreich modifizierten Turbomotor verfügt. ?Dabei handelt es sich um eine Art Interims-Aggregat?, verrät Tim Proctor von Haustuner Cosworth Racing. ?Die endgültige Ausbaustufe hat uns in puncto Zuverlässigkeit noch nicht überzeugt, so dass wir auf einige neue Teile noch verzichtet haben.? Wie auch immer: Nummer-1-Pilot Markko Märtin blickt dem Abstecher nach Argentinien erwartungsvoll entgegen. ?Ich persönlich bevorzuge die schnellen Schotter-Rallyes?, gesteht der 28-jährige Este, der im Vorjahr sensationell in Finnland dominieren konnte. ?Aus rein fahrerischer Sicht wartet der kommende WM-Lauf nicht mit Besonderheiten auf, auch wenn einige Passagen durchaus heimtückisch sein können. Nach meinem enttäuschenden Abschneiden bei den vergangenen beiden Rallyes kommt es nun für mich darauf an, endlich wieder in die Punkte zu fahren.?

 

Unterstützung erfährt Märtin auch in Argentinien wieder von seinem Teamkollegen François Duval, der im vergangenen Jahr bei seinem Debüt in dem Andenstaat auf Rang acht vorfahren konnte. ?Dieses Mal stehen einige Prüfungen auf dem Programm, die ich nicht kenne?, erläutert der 23-jährige Belgier. ?Das ist im Vergleich zu erfahrenen Piloten wie Grönholm oder Sainz natürlich ein Nachteil.

 

Marcus Grönholm selbst möchte in Südamerika endlich Eines unter Beweis stellen: ?Der Peugeot 307 CC WRC ist schnell genug, um zu siegen!?, schwört der zweifache Weltmeister aus Finnland. In der Tat läuft das sonst so erfolgsverwöhnte Team aus Frankreich bislang dem Debüterfolg ihrer jüngsten Rallye-Maschine noch immer hinterher ? der erste Platz von Grönholm auf Zypern wurde den Mannen rund um Sportdirektor Corrado Provera nachträglich wieder aberkannt. Jetzt will der gelernte Landwirt den Spieß umdrehen und seinen Vorjahreserfolg ? damals noch am Steuer eines 206 WRC ? wiederholen. Schützenhilfe leistet einmal mehr Grönholms Landsmann Harri Rovanperä, der mit einem zweiten WM-Laufsieg seiner Karriere neuen Schwung verleihen möchte.

 

Mit neuen Schwung, aber nicht zu hoch gesteckten Erwartungen macht sich Mitsubishi auf die Reise nach Übersee: ?Die Rallye Argentinien stellt uns erneut vor eine große Herausforderung?, räumt Mario Fornaris ein, der Technische Direktor des japanischen Herstellers. ?Da das Reglement Testfahrten in Ländern außerhalb Europas nicht zulässt, wissen wir nicht genau, was auf uns in Argentinien zu kommt.? Gilles Panizzi, der Toppilot der ?Drei Diamanten?, zeigt sich jedoch ungebrochen optimistisch: ?Bei der Rallye Türkei haben wir einige technische Details entwickelt, die der Balance und dem Handling unseres Lancer WRC04 weiter geholfen haben?. Am Steuer des zweiten Mitsubishi kommt in Argentinien der Schwede Kristian Sohlberg zum Einsatz.

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