Der Kurvenkünstler

Suzuki Swift Sport

Sein Revier ist die Landstraße. Je kurviger, einsamer und schmaler, umso besser. Hier gehört der Suzuki Swift Sport hin. Hier erweckt er den Niki Schelle in dir. Hier holt sich der kernige Japaner den Titel des Kurvenkönigs im Lager der kleinen Giftzwerge.

 

Der kleine Swift entpuppte sich für Suzuki als Volltreffer. Optik, Technik und Ausstattung trafen den Geschmack der Käufer, der japanische Mini bevölkert immer mehr das deutsche Straßenbild. Was bislang fehlte war die Sportvariante, mit der man in der Klasse von Polo GTI und Co wildern konnte. Diese Lücke wurde unlängst geschlossen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Optisch darf sich der Sportler in der Swift-Familie deutlich von seinen zahmen Geschwistern abheben. Der große und tief nach unten gezogene Kühlergrill und die Nebelscheinwerfer sorgen für die markante Front. Von hinten zeigen ein kleiner Dachspoiler und zwei Auspuff-Endrohre was Sache ist. Leicht ausgestellte Kotflügel, Seitenschweller, abgedunkelte Seitenscheiben und attraktive 17 Zoll große Aluräder bescheren den Rest. 

 

Unter der Haube spendierte Suzuki dem auf 1,6 Liter vergrößerten Motor eine elektronische Drosselklappen-Steuerung. Die Ansaugrohre wurden erweitert und einen Doppelrohr-Auspuff konstruiert. Durch den großvolumigen Sportdämpfer konnte der Gegendruck minimiert und die Leistung gesteigert werden. Reibungsoptimierte Kolben und Pleuel sowie die gehärtete Kurbelwelle und verstärkte Kolbenfedern haben positive Auswirkungen auf die Leistung. Herausgekommen sind 125 PS, die sich äußerst munter anfühlen und den kleinen Swift ordentlich voranbringen. Der Vierzylinder hängt gierig am Gas, dreht munter bis 7.000 Umdrehungen hoch und schlägt dabei kernige Töne an. Lange Autobahnetappen sollte man aber tunlichst vermeiden. Dann schreit der Motor förmlich um sein Leben und rennt ab Tempo 200 in den Drehzahlbegrenzer. Instinktiv sucht man immer wieder nach dem sechsten Gang, der aber auch in Zukunft nicht lieferbar sein wird. 

 

Deshalb runter von der Bahn und rauf auf die Landstraße. Hier ist das Zuhause des Swifts und nun geht der Spaß richtig los. Mit seinem straff abgestimmten Fahrwerk folgt der Flitzer jeder Lenkbewegung. Gierig saugt er die nächste Kurve auf und fordert den Fahrer zu mehr Mut auf. Beim Lupfen im Grenzbereich dreht der Swift leicht das Heck ein, die Driftgefahr erhöht den Reiz noch einmal deutlich. Die Rallye-Gene kommen zum Vorschein. Sicherheit geht aber auch bei Suzuki vor: Ungeübten kommt im Fall des Falles das serienmäßige ESP zur Hilfe. Als Äußerst standhaft entpuppen sich die gut zu dosierenden Bremsen, lediglich die elektrische Lenkung lässt hin und wieder ein wenig Rückmeldung vermissen. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Swift in neun Sekunden. Die Spurtstärke erkauft er sich mit einem kurz abgestuften Fünfgang-Getriebe, das sich sauber schalten lässt. Für zügige Überholmanöver heißt es beherzt zum Schaltstock greifen. Schließlich steht das maximale Drehmoment von 148 Newtonmeter erst knapp vor 5.000 Touren parat. Beim Hochdrehen pustet der Swift seine sportlichen Gene kräftig heraus. Man fühlt sich praktisch wie ein Mitglied der immer größer werdenden Rallye-Cup-Gemeinde. Der Verbrauch pendelt sich bei STVO-Fahrweise im Bereich von acht Litern ein. Geht es zügig voran genehmigt sich der Swift aber auch schon mal ein wenig mehr, ohne dabei jedoch ungezügelte Trinksitten an den Tag zu legen. 

 

Fotostrecke: Suzuki Swift Sport

 

Im Innenraum sorgen sehr gut konturierte Sportsitze, gelochte Aluminium-Pedalerie und ein griffiges Sportlenkrad für den passenden Eindruck. Leider ist die Sitzposition etwas zu hoch geraten. Das sorgt zwar für eine gute Übersichtlichkeit, schmälert jedoch das erhoffte Rallyefeeling. Das Platzangebot für Fahrer und Beifahrer ist enorm, hinten wird es etwas enger. Der Zutritt zum Fond wird erschwert, weil der Swift keine „Easy-Entry-Funktion“ besitzt, mit der die Vordersitze mit einem Handgriff nach vorne gleiten. Leider mangelt es im Inneren an wirklich brauchbaren Ablageflächen. In die schmalen Türschlitze passt kaum etwas, das Handschuhfach ist bereits mit Bedienungsanleitung und weiteren Unterlagen proppenvoll. Die Innenausstattung dagegen ist vorbildlich. Vierfach-Airbags, Klimaautomatik, CD-Radio mit Navigationssystem und MP3-Funktion, Sitzheizung und Keyless-Go-Schlüssel. Zum Komplettpreis von 17.500 Euro lässt der Swift fast keine Wünsche offen.

 

Die Bedienung gibt ebenso wenig Rätsel auf. Zum Starten braucht man keinen Schlüssel, stattdessen erweckt man mit einem Plastikgriff den Motor zum Leben. Das Lenkrad liegt ausgesprochen gut in der Hand. Leider kann man es nur in der Höhe verstellen, sodass großgewachsene Fahrer Mühe haben, die wirklich perfekte Sitzposition zu finden. Dank der ins Lenkrad integrierter Fernbedienung kann man die wichtigsten Funktionen des Radios steuern, ohne die Hand vom Steuer zu nehmen. Leider lässt es etwas kräftigen Sound vermissen, ein Austausch ist durch die Komplettintegration ins Armaturenbrett nur schwer möglich. Das Navigationssystem reagiert schnell, ist aber mit seinem kleinen Display und Pfeildarstellung nicht mehr State of the art. Die Instrumente des Swifts sind sehr gut ablesbar, ein paar Alu-Applikationen werten den sportlichen Eindruck vom Innenraum weiter auf.

 

Herrlich knisternd kühlt der Auspuff nach unserer Testfahrt ab. Mit dem Swift Sport hat es Suzuki geschafft, ein Auto auf die Beine zu stellen, das nicht mit reiner Leistung protzt, sondern soviel Fahrspaß vermittelt, den man im grauen Autoalltag einfach hin und wieder braucht. Kein Wunder, war doch Niki Schelle an den letzten Abstimmungsarbeiten auf der Nordschleife beteiligt. Und dem Suzuki-Hero fühlen wir uns spätestens bei der Anfahrt auf die nächste Kurve ganz nahe.

 

Technische Daten

Motor: 4-Zylinder-Reihenmotor, 16 Ventile, 2 oben liegende Nockenwellen mit variabler Ventilsteuerung (VVT), Multipoint- Einspritzung, Hubraum  1.586 ccm, Bohrung x Hub 78 x 83 mm, Verdichtungsverhältnis  11,1 : 1, Max. Leistung  92 kW (125 PS) bei 6.800 U/min, Max. Drehmoment 148 Nm bei 4.800 U/min

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit McPherson- Federbeinen, hinten Verbundlenkerachse mit Schraubenfedern; Bremsen vorn innen belüftete Scheibenbremsen, hinten Scheibenbremsen

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit  200 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h 9,1 s, Elastizität 80-120 km/h (V. Gang) 13,2 s, Testverbrauch 8,8 L/100 km, Bremsweg aus 100 km/h 37,8 m

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