350 km/h auf Eis

Kankkunen will Rekord zurückholen

Ex-Weltmeister Juha Kankkunen war der erste Mensch, der auf Eis über 330 km/h schnell fuhr. Doch kurze Zeit später holte sich sein Landsmann Janne Laitinen mit 331 km/h den Rekord. Jetzt peilt Kankkunen 350 km/h an. Wieder mit einem Bentley.

<strong>REKORDVERSUCH:</strong> Juha Kankkunen will mit einem Bentley 350 km/h auf Eis erreichen

„Ob wir 350 km/h erreichen können? Ja, ich halte es für möglich”, sagte Juha Kankkunen. Die Rekordfahrt soll Ende Februar oder Anfang März wieder auf der Ostsee nahe der finnischen Küste stattfinden. „Dort ist das Eis sehr eben, es gibt keine Löcher”, erklärt der vierfache Weltmeister.

 

Wie lange die benötigte Strecke sein muss? „Idealerweise so lang wie möglich”, grinst Kankkunen. „Aber in der Praxis sind 20 Kilometer optimal. Die Messzone (1.000 Meter) muss in der Mitte liegen. Man muss natürlich ausreichend Platz zum Beschleunigen und Bremsen einrechnen.” Für einen gültigen Rekordversuch muss Kankkunen die Strecke in beide Richtungen innerhalb von einer Stunde befahren. Anschließend wird der Rekordwert aus dem Durchschnitt der gemessenen Geschwindigkeiten ermittelt, die bei den zwei Fahrten erreicht wurden.  „Wir dürfen das Eis nur säubern, aber kein Salz oder Sand darüber streuen. Es muss in seiner ursprünglichen Form erhalten sein”, erklärt Kankkunen die vorgegebenen Bedingungen weiter.

 

Zum Einsatz wird wieder ein Bentley kommen, die Gründe dafür liegen auf der Hand, wie der Finne erklärt. „Das Auto hat die beste Luftfederung der Welt, einen guten Allradantrieb der von Audi stammt und ist mit 2,5 Tonnen auch ordentlich schwer“, sagt Kankkunen. „Die Regeln verbieten aerodynamische Hilfsmittel und jeder Spoiler würde dich eh langsamer machen. Anderseits könnten wir locker 1.000 PS aus dem 6-Liter-W12-Twin-Turbo kitzeln. Es ist also alles vorhanden.“

 

Die Frage nach möglichst viel PS wirkt seltsam wenn es um das Fahren auf Eis geht. „Es gibt einen kritischen Punkt bei etwa 280 km/h. Das ist die Geschwindigkeit, bei der Flugzeuge abheben. Man braucht eine Menge Leistung um diese Grenze zu durchbrechen. Ab 300 km/h wird es dann wieder einfacher, es scheint fast so, als ob man eine Barriere durchbrechen muss. Ich kann das nicht genau erklären, aber wenn man 270 erreicht, dann versucht der Gegenwind das Auto abzubremsen und alle vier Räder beginnen durchzudrehen.”

 

Eine besondere Bedeutung kommt bei der Rekordfahrt deshalb den Reifen zu. Kankkunen setzt auf Spikes von Pirelli, jedoch lässt er die Zahl der kleinen Nägel auf 120 bis 140 pro Reifen reduzieren. „Zu wenige helfen dir nicht, zu viele erschweren das Lenken. Bei Tempo 320 und mit vier Reifen die jeweils 130 Spikes haben, hast du rund 24.000 ‚Bisse’ pro Sekunde ins Eis. Das ist eine ganze Menge.“

 

1,2 Kilometer langer Drift

 

Wichtig ist auch die richtige Temperatur. „Nur dann bekommen wir den nötigen Grip“, verrät Kankkunen weitere Geheimnisse. „Den besten haben wir, wenn es richtig kalt war und die Temperaturen ein wenig milder werden. Aber dann besteht auch die Gefahr, dass es schneit. Wenn Schnee fällt, kann man zu hause bleiben. Auch zu viel Wind ist schlecht. Egal ob er von vorne kommt, oder von der Seite. Wenn man auf Asphalt fährt und das Auto zu rutschen beginnt, drückt man einfach aufs Gaspedal und fängt es wieder ein. Das kann man auf Eis vergessen. Man muss dann eine Menge mit dem Lenkrad korrigieren. Vor ein paar Jahren bin ich 1.2 Kilometer lang gedriftet. Ich hatte zwar alles unter Kontrolle, fuhr aber eben quer. Da muss man einfach locker bleiben. Bei diesen Bedingungen kann man sich leicht umbringen, wenn man nicht begreift, was passiert. Ich bin auf dem Eis geboren und seit ich ein kleiner Junge bin, fahre ich darauf. Ich weiß also um was es geht und wie man darauf fährt.“

 

VIDEO: Kankkunens erste Rekordfahrt

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