Rallye News

Als wir uns mit den Ereignissen überschlugen

Raphael Sperrer lässt die Ereignisse der Pirelli Rallye noch einmal Revue passieren. Ein persönlicher Bericht über seinen Hattrick im Lavanttal.

:: Raphael Sperrer ::

Liebe Freunde des Rallyesports

 

Der zweite Lauf zur österreichischen Meisterschaft, die Pirelli Lavanttal Rallye, war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Die wohl schwierigste und anspruchvollste Rallye Österreichs bereitete sowohl den Teams als auch den Zuschauern ein mitreißendes Wochenende.

 

Durch die wechselhaften Bedingungen wurde die Reifenwahl zu einem Glücksspiel, bei dem wir am Freitag insgesamt 31 kostbare Sekunden verloren. Wir fuhren über weite Passagen wie auf rohen Eiern, es war mir unmöglich die Reifen auf Temperatur und die Power des ?Löwen? auf die Strasse zu bringen. Es ist wahrscheinlich nicht schwer nachzuvollziehen, dass ich verärgert und enttäuscht war, nicht zuletzt deshalb weil man als Pilot das letzte Wort bei den Reifen hat und ich mich für die falsche Mischung entschieden hatte. (Aber im Nachhinein weiß man immer Alles besser.) Trotz des Rückstandes war ich für den 2. Tag optimistisch da noch über 140 Sonderprüfungskilometer auf dem Programm standen.

 

Pünktlich um 5 Uhr Früh beendete der Wecker meine Nachtruhe. Ein kurzer Blick aus dem Fenster bestätigte die Wettervorhersage. Der Winter war zurückgekehrt. Vor dem Frühstück besichtigte ich noch einmal die Sonderprüfungen gemeinsam mit meinen Schotterspionen. Der plötzliche Kälteeinbruch sorgte für eisige Straßen und die höher gelegenen SP?s waren zur Gänze mit Schnee bedeckt. Mein Co Pilot Per Carlsson hatte alle Hände voll zu tun die neuen Aufzeichnungen in unser Roadbook einzutragen.

 

Auf der ersten Sonderprüfung überschlugen sich dann die Ereignisse im wahrsten Sinne des Wortes. Manfred Stohl verlor in einer schnellen, langgezogenen Rechtskurve die Kontrolle über sein WRC, der Ford Focus wurde in die Böschung geschleudert und überschlug sich. Als wir kurz darauf die selbe Stelle passieren wollten, lag Manfreds Auto auf dem Dach quer über die komplette Fahrbahn. Rechts war ein dichter Wald, Manfreds Focus wollte ich nicht treffen, da ich nicht wusste ob noch jemand im Auto war, deshalb musste ich bei vollem Speed nach links über die Böschung ausweichen. Beinahe wäre unser Ausweichmanöver geglückt, doch leider prallten wir auf einen Felsen. Dann überschlug sich unser Peugeot ebenfalls und wir kamen unweit von Manfred Stohl auf dem Dach zu liegen. Besten Dank an die beherzten Zuschauer die uns wieder auf die Räder halfen und uns das Weiterfahren ermöglichten. Ich bin sehr froh und glücklich darüber, dass niemand, weder einer der (Co-)Piloten noch ein Zuschauer, bei den Überschlägen verletzt wurde und nur Blechschaden an den Autos entstand.

 

Trotz eines Platten konnten wir auf dieser turbulenten Sonderprüfung 27 Sekunden gut machen und lagen nur noch 4 Sekunden hinter Manfred. Bevor wir allerdings unsere leicht demolierten Boliden in die ?heilenden? Hände unserer Mechaniker legen konnten, mussten wir noch eine Sonderprüfung absolvieren, die ich auch klar für mich entscheiden konnte.

 

Nach dem Service versuchte Manfred Druck zu machen und seinen Rückstand aufzuholen, dabei riss er sich das linke Vorderrad aus und schaffte es nicht mehr bis zum Service. Daraufhin konnten wir einen ungefährdeten Sieg nach Hause fahren, denn trotz des Überschlages lief das Peugeot 206 WRC präzise wie ein Uhrwerk.

Für mich persönlich ist es natürlich schön nach einer langen Durststrecke wieder auf dem Stockerl ganz oben zu stehen.

 

Die nächste Veranstaltung in der ÖM, die Dunlop Pyhrn Eisenwurzen Rallye am 3 und 4 Mai, findet in meiner Heimat im Raum Kirchdorf (Oberösterreich) statt. Ich freue mich ganz besonders darauf, zum einen, weil die Sonderprüfungen in einer malerischen Umgebung gefahren werden und zum anderen ist es einfach ein zusätzlicher Anreiz vor heimischen Publikum zu starten. Selbstverständlich lade ich auch die deutschen Rallyefans recht herzlich ein zur Dunlop Rallye zu kommen. Der österreichische Rallyesport stellt in Kombination mit der herrlichen Landschaft der Region Pyhrn Eisenwurzen ein unvergessliches Ereignis dar. Ich werde natürlich alles daran setzen nach 1997 & 1998 auch heuer wieder zu gewinnen.

 

Also bis zur 13. Int. Dunlop Pyhrn Eisenwurzen Rallye

Euer Raphael Sperrer

 

[URL]http://www.sperrer.at[/URL]

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