Kristoffersson kollidiert mit Solberg und gewinnt trotzdem

Dicke Luft bei Volkswagen. Weltmeister Johan Kristoffersson stößt im Halbfinale mit Teamchef Petter Solberg zusammen, kann aber im Gegensatz zum Norweger weiterfahren und gewinnt die Rallycross-Premiere in Silverstone.

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Dicke Luft bei Volkswagen. Weltmeister Johan Kristoffersson stößt im Halbfinale mit Teamchef Petter Solberg zusammen, kann aber im Gegensatz zum Norweger weiterfahren und gewinnt die Rallycross-Premiere in Silverstone.

Mit 23 Teilnehmern wurde bei der Premiere in Silverstone die maximal mögliche Teilnehmerzahl von 25 Startern beinahe ganz ausgeschöpft. Bei so viel Verkehr auf der Strecke sollte man meinen, dass  die eine oder andere Überraschung drin sein könnte. Doch am Samstag wurde schnell klar, dass es den Fahrern mit Werksunterstützung nichts ausmachte, wie viel Konkurrenz sich mit ihnen auf der Anlage tummelte.

Sowohl im ersten als auch im zweiten Qualifikationslauf setzten sich fünf der üblichen Verdächtigen in den Top-6 fest, nur die Privatiers Kevin Hansen (Peugeot) und Niclas Grönholm (Hyundai) waren in der Lage, in diese Regionen vorzustoßen. Es war nur ein kurzer Aufflackern, am Ende des Tages standen aber alle sechs Werksfahrer auf den ersten sechs Plätzen. Am Sonntag folgten zwei weitere Qualifikationsläufe, die zeigten, dass Weltmeister Johan Kristoffersson (Volkswagen) und Sebastien Loeb (Peugeot) den erholsamsten Schlaf gefunden haben mussten. Mit zwei Bestzeiten holte sich Kristoffersson die Qualifikation und Loeb folgte mit zwei zweiten Plätzen auf Rang zwei. 

Bei Volkswagen knallt es

Im ersten Semifinale teilten sich die Polos die erste Startreihe, was Raum für taktische Spielchen ließ und für etwas Sicherheit sorgte. Im zweiten Semifinale standen Loeb und Mattias Ekström (Audi) nebeneinander - mit Vorteil für Loeb, weil dessen Teamkamerad Timmy Hansen hinter den beiden ins Rennen gehen würde. Doch es kam wieder einmal ganz anders als erwartet.

Statt eines Formationsfluges der Volkswagen-Piloten auf die erste Kurve, der die Verfolger hätte auf Distanz halten können, knallt Kristoffersson ausgerechnet Solberg ins Heck, steigt am Hinterrad seines Teamchefs auf und fliegt in den Reifenstapel. Der verteilt sich auf der Strecke und bremst das gesamte Feld ein. Nur Tommy Rustad (Volkswagen) scheint das egal zu sein, er gibt weiter Vollgas und versucht offenbar, die Gummibande zu zerreißen, von der die Reifenstapel zusammengehalten werden.


GALERIE: Silverstone RX

Viel Gummi fliegt herum, die ganze Kurve steht voller Altreifen und als sich die ersten Fahrer befreien können, setzt ein Rennabbruch dem ganzen Drama ein Ende. "Das ist wirklich unglücklich gelaufen. Aber so etwas kann passieren, wenn beide ein Rennen gegeneinander fahren", zeigte sich Teamchefin Pernilla Solberg diplomatisch und Ehemann Petter meinte: "Eine Kollision mit dem Teamkollegen tut immer noch ein wenig mehr weh." 

Solberg ist vorzeitig raus

Bis zum Restart bleibt etwas Zeit, denn die Kurve muss erst einmal wieder aufgeräumt und hergerichtet werden. Das gilt auch für Solbergs Polo, an dem ein platter Hinterreifen gewechselt wird. Einige Meter Klebeband gehen für die notdürftige Reparatur der Heckpartie drauf, aber alle sechs Semi-Finalisten können mitmachen. Dieses Mal geht es deutlich gesitteter zu, allerdings bleibt Solberg erneut nicht vom Pech verschont, er muss vorzeitig mit technischen Problemen aufgeben und fehlt im Finale. Kristoffersson und Bakkerud ziehen dort ein und nehmen mit Kevin Hansen immerhin mal einen Nicht-Werkspiloten mit.

Auch im zweiten Semi gibt es Überraschungen, als Ekström zunächst Boden verliert und erst durch geschicktes Jokern wieder an Loeb herankommen kann. Timmy Hansen leistet sich einen Dreher und macht so den Weg frei für Niclas Grönholm, der den Sprung ins Finale schafft.

Zwischen Petter Solberg und Johan Kristoffersson besteht Gesprächsbedarf

Das Finale in Silverstone besteht nicht ausschließlich aus Werksfahrern, dennoch bleiben ihnen die drei Podestplätze vorbehalten. Kristoffersson siegt, obwohl er zwischen Semifinale und Finale noch technische Probleme hatte und abgeschleppt worden war. Später bei der Pressekonferenz zeigte er sich erstaunt über den Speed von Andreas Bakkerud, der ihm aufs Podium gefolgt war und ein sauschnelles Rennen abgeliefert hatte. Loeb hatte sich etwas mehr erhofft, aber er vermasselte den Start und musste das Feld erst einmal von hinten aufrollen.

„In der ersten Kurve war ich hinten und sechs Runden sind zu kurz, um den schlechten Start wieder gut zu machen“, zog der Franzose ein Fazit, war aber dennoch zufrieden, schließlich gelangte er zum vierten Mal in Folge aufs Podest.

Ergebnis Silverstone RX

1. Johan Kristoffersson (VW) 4:00.899
2. Andreas Bakkerud (Audi) 4:01.758
3. Sébastien Loeb (Peugeot) 4:02.245
4. Mattias Ekström (Audi) 4:02.848
5. Niclas Grönholm (Hyundai) 4:04.731
6. Kevin Hansen (Peugeot) 4:30.882 

Fahrerwertung

1. Kristoffersson 105
2. Loeb 91
3. Bakkerud 83
4. Ekström 80
5. Solberg 80
6. Timmy Hansen 71

Der nächste Lauf der Rallycross-WM (WRX) findet vom 9. bis 10. Juni im norwegischen Hell statt.