Ekström disqualifiziert - WRX-Saisonstart mit Paukenschlägen

Während die Teams von Audi und Volkswagen beim Saisonstart der Rallycross-WM ihrer Favoritenrolle gerecht wurden, ging es bei Peugeot drunter und drüber. Im Finale knallten zwei Ex-Weltmeister aneinander.

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Während die Teams von Audi und Volkswagen beim Saisonstart der Rallycross-WM ihrer Favoritenrolle gerecht wurden, ging es bei Peugeot drunter und drüber. Im Finale knallten zwei Ex-Weltmeister aneinander.

Bei der Präsentation des 2018er WRX Polos hatte Peter Solberg erklärt, er halte den Rennsamstag für sehr wichtig, weil hier der Grundstein für ein Rennwochenende gelegt werde. Wer den Samstag vermasselt, hat kaum noch Aussichten auf eine gute Finalposition und eine fette Punkteausbeute, so sein Gedanke.

Am Samstag in Barcelona startete die WRX unter erschwerten Bedingungen, nerviger Dauerregen machte den Protagonisten das Leben schwer, ganz besonders die Schotterbereiche waren unglaublich schmierig und schwer zu beherrschen. Viel Tempo kam nicht auf und manch einer glitt ins Abseits. So strandete zum Beispiel Peugeot-Fahrer Timmy Hansen an der Streckenbegrenzung und kassierte gleich im ersten Qualifikationslauf (Q1) ein Streichergebnis. In Q2 und Q3 legte er dann jeweils die zweitbeste Zeit hin und trieb seinen Peugeot zuletzt sogar noch zu einer Bestzeit.

Sein Teamgefährte Sebastien Loeb hatte in der Qualifikation zweimal Probleme mit der Hinterradaufhängung und fand sich am Ende auf Position 13 wieder - hinter Kevin Hansen, der es als Zwölfter grundsätzlich in ein Semifinale geschafft hatte. Doch anstelle von Kevin rollte Super-Seb auf den letzten Platz in der Startaufstellung, der Star des Teams Peugeot Total sollte also nicht ohne Finalteilnahme in die Saison starten. Ganz vorn stand Timmy, der vom Start weg das Feld dominierte - bis in die vorletzte Runde, als sein Auto einfach ausging. Loeb schlug sich derzeit noch als Fünfter im Feld herum, aber als sein Teamkollege zum Hindernis wurde und sich ein Knäuel aus Verfolgern bildete, wich Loeb geschickt aus und raste hinter Ekström ins Finale.

Für Volkswagen und Audi lief derweil alles nach Plan. Problemlos fuhren Solberg, Kristoffersson, Ekström und Bakkerud in die Top-5, nicht ohne gelegentlich auch eine Bestzeit zu markieren. Das Semifinale gewann Solberg vor Kristoffersson und Bakkerud, ohne besondere Vorkommnisse spulten sie das Rennen ab, als sei man sich bereits einig, gemeinsam den Finaleinzug ohne größere Blessuren klarzumachen. Ekström folgte als Sieger des zweiten Semifinales, ihm folgten Loeb und Niclas Grönholm ins letzte Rennen des Tages.

Ekström wird disqualifiziert

Dort ging es etwas ruppiger zu als in den Rennen davor. Qualifikationssieger Peter Solberg schoss als Pole-Setter aus der ersten Reihe gemeinsam mit Matthias Ekström in die erste Kurve. Viel Platz blieb nicht, dann knallt Solberg in einen riesigen Reifenstapel und wirft die Pneus im hohen Bogen durch die Gegend. Er kann die Fahrt fortsetzen, aber mehr als Position sechs ist nicht mehr drin. Später untersuchen die Stewards das Geschehen und werten die Videoaufnahmen aus. Das Ergebnis stand zur Pressekonferenz der drei Sieger noch nicht fest, Ekström erklärte nur: „Ich habe links aus dem Fenster geschaut und nichts gesehen. Wer der King in der ersten Kurve sein will, der muss dort auch die Nase vorn haben.“

Einige Zeit später dann der Schock für die Audianer: Ekström wurde für das Finale disqualifiziert! Man attestierte ihm nach Auswertung der Videoaufnahmen und der Stellungnahmen der Beteiligten ein gefährliches Manöver - er zog nach links, berührte Solberg und zwang ihn dadurch in den Reifenstapel. So die Wertung der Sportkommissare, was zur Folge hatte, dass Ekström keine Punkte für die Finalteilnahme blieben. „Ich mag Disqualifikationen nicht, aber diese Entscheidung war fair“, erklärt Solberg später und er ergänzt: „Mattias ist ein fairer und sehr guter Fahrer. Ich hätte nicht erwartet, dass er so etwas machen würde“.

Hyundai mit Überraschung 

Drei neue Teams haben sich entschlossen, in 2018 dabei zu sein. Marcus Grönholm bildete ein Team aus seinem Sohn Niclas und dem Russen Timur Timerzyanov. Deren Hyundai liefen wie Uhrwerke und für Niclas sprang am Ende sogar die Finalteilnahme heraus. Den anderen Neulingen blieb eine Finalteilnahme am Ende noch verwehrt. Die Renault Megane von Guerlain Chicherit und Jerome Grosset-Janin aus dem französischen Rennstall GC Kompetition beeindruckten mit einigen Blitzstarts, von den Olsberg MSE Ford Fiestas schaffte es nur Robin Larsson ins Semifinale.

Das Rennwochenende hat gezeigt, dass der Samstag durchaus wichtig ist, aber mit etwas Glück kann man auch einen miesen Start in einen wertvollen Podiumsplatz ummünzen. Das gelang jedenfalls Sebastien Loeb. Und Solberg musste leidvoll erfahren, dass es auch umgekehrt geht: mit zwei Bestzeiten und Siegen in der Qualifikation und dem Semi war im Finale vor der ersten Kurve der Drops bereits gelutscht. Verloren ist dabei natürlich noch nichts, schließlich war es erst der Anfang einer langen Serie mit insgesamt zwölf Rennen. Schade nur dass die Entscheidung über den Sieg der Saison letztlich auf dem Papier getroffen werden musste.

Ergebnis WRX Barcelona

1.Johan Kristoffersson, Volkswagen 4.36,568 Min.
2. Sébastien Loeb, Peugeot + 1,215 Sek.
3. Andreas Bakkerud, Audi + 2,389 Sek.
4. Niclas Grönholm, Hyundai + 7,099 Sek.
5. Petter Solberg, Volkswagen + 11,264 Sek.
6. Mattias Ekström, Audi 4.36,039 Min. (zurückversetzt)

Fahrerwertung nach 1 von 12 Läufen

1. Johan Kristoffersson, Volkswagen 27
2. Petter Solberg, Volkswagen 24
3. Andreas Bakkerud, Audi 20
4. Mattias Ekström, Audi 19
5. Niclas Grönholm, Hyundai 18
6. Timmy Hansen, Peugeot 16 

Teamwertung

1. PSRX Volkswagen Sweden 51
2. EKS Audi Sport 39
3. Team Peugeot Total 30