Audi-Sportchef Gass: "Thema Elektro steht bei uns im Fokus"

In Kürze beginnt die neue Saison der Rallycross-WM. Audi hat sein Engagement hochgefahren, aber der Blick geht bereits nach 2020, denn dann erfolgt der große Umbruch. Sportchef Dieter Gass spricht über die Verwandlung zum Elektro-Rallycross.

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In Kürze beginnt die neue Saison der Rallycross-WM. Audi hat sein Engagement hochgefahren, aber der Blick geht bereits nach 2020, denn dann erfolgt der große Umbruch. Sportchef Dieter Gass spricht über die Verwandlung zum Elektro-Rallycross.

Audi Sport engagiert sich auch 2018 in der DTM, der Formel E und der Rallycross-WM. Wie ordnen Sie das Rallycross-Programm bei Audi ein?
„Im vergangenen Jahr war Rallycross mit einem werkunterstützten Einsatz für uns etwas komplett Neues. 2017 haben wir sehr positive Erfahrungen in der Rallycross-WM gesammelt und sind vom Wachstumspotenzial der Serie überzeugt. Obwohl es sich um eine FIA-Weltmeisterschaft handelt, ist es nach wie vor unser kleinstes Programm. Trotzdem hat es einen sehr hohen Stellenwert.“

Warum hat sich Audi 2017 entschieden, EKS werkseitig zu unterstützen?
„Wir haben das Projekt bei Audi seit dem Beginn im Jahr 2014 interessiert beobachtet. Nach drei Jahren haben wir uns entschieden, Mattias Ekström gegen die immer stärker werdende Konkurrenz technisch zu unterstützen. Der Gewinn der Fahrer- und der Team-Weltmeisterschaft 2016 war ein zusätzlicher Impuls einzusteigen. Ein wichtiger Faktor für uns ist auch, dass im Rallycross mittelfristig der Einsatz von Elektroautos möglich sein könnte. Das Thema Elektrifizierung steht bei uns im Fokus.“

Wie sehen Sie die Chancen für Elektro-Rallycross?
„Es ist das Ziel der FIA, die Rallycross-WM ab 2020 auch mit Elektroautos auszutragen. Dabei ist entscheidend, dass es ein sportliches und technisches Reglement gibt, mit dem man die Serie kosteneffizient und nachhaltig durchführen kann. Bis Juli 2018 können sich interessierte Marken für die geplante neue Elektro-Rennserie einschreiben. Die Homologation der Autos ist für Februar 2020 anvisiert.“

Was sind für Sie die wichtigsten nächsten Schritte?
„Um die Kosten unter Kontrolle zu halten und die effiziente Technologie einzusetzen, wird die FIA ein Batteriepaket definieren, das alle Hersteller in ihren Autos verwenden müssen. Eine Ausschreibung für die Batterien hat bereits begonnen. Darin wird ein Batteriezulieferer für die Jahre 2020 bis 2023 gesucht. Parallel gibt es eine Ausschreibung für ein Monocoque-Chassis aus Carbon. Die ausgewählten Zulieferer für Batterien und Chassis sollen gemeinsam an der Integration der Systeme arbeiten.“

Wie sieht die Rolle von Audi aus, wenn Einheitsteile verwendet werden?
„Eine vergleichbare Situation haben wir ja auch in der Formel E. Dort kommen ebenfalls einheitliche Batterien und Chassis zum Einsatz. Damit hat man aber noch kein fahrtüchtiges Rallycross-Auto. Weitere Bauteile sollen für die Hersteller freigegeben sein, so zum Beispiel die Elektromotoren. Geplant ist, dass es an jeder Achse einen Elektromotor mit einer Leistung von 250 kW gibt.“

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Rallycross?
„In den vergangenen Jahren haben der Rallycross-Sport und insbesondere die Rallycross-Weltmeisterschaft unglaublich an Popularität gewonnen. Man sieht das auch daran, dass wir nicht der einzige Hersteller sind, der sich engagiert. Es sind spektakuläre Veranstaltungen, die zuschauerfreundlich sind und Motorsport zum Anfassen bieten. Es gilt nun, die Serie noch stärker medial zu verbreiten, insbesondere in Kernmärkten wie Deutschland. Hier darf der Fokus nicht zu stark auf die digitalen Medien gelegt werden. Für die Ansprache jüngerer Zielgruppen sind die sozialen Netzwerke wichtig, aber für uns zählt auch nach wie vor eine breite Abdeckung im Fernsehen.“

Mattias Ekström hat seine DTM-Karriere beendet und wird 2018 nur noch im Rallycross an den Start gehen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
„Mattias hat uns früh darüber informiert, dass er in der Saison 2018 nur noch eine Serie bestreiten möchte. Danach war es ein ziemlich langer Entscheidungsprozess. Ich hätte gerne schon im Oktober 2017 gewusst, wo die Reise hingeht, schließlich haben wir mit ihm für die DTM geplant. Im Januar haben wir bei ihm zu Hause sehr lange miteinander gesprochen. Für mich gilt grundsätzlich, wenn ein Fahrer ein Programm nicht will, schaue ich lieber nach einem anderen. Und Mattias würde nie etwas machen, wo er nicht zu 100 Prozent dahinter steht.“