Rallye News

"That´s not Rallye..."

In der Lutherstadt Wittenberg fiel auch der Startschuss für die neue Saison der IG 318is. Nicht nur die Bedingungen waren eine echter Herausforderung für die Hecktriebler.

<strong>QUERGEIST:</strong> Die IG 318is startete in die neue Saison

[hl] Insgesamt 97 Teilnehmer hatten sich dank Schotterpokal und Glatteis zur Hatz über´s Eis in der Lutherstadt eingefunden. Wurde im Vorfeld per Internet noch heftigst über die Streckenzustände diskutiert, so war am Samstag klar, nur mit Hirn und guten Fahrkünsten kannst du hier überleben. Oder mit Ortskenntnissen, die einen Schrieb überflüssig machen, da alles fahrerisch Anspruchsvolle per Abkürzung elimniert wurde. Da spielten auch Zuschauer in einer Sicherheitszone nur eine untergeordnete Rolle, Zeit ist eben kostbar. Schon während der Besichtigung rodelten verschiedene Teams hilflos an Abzweigen vorbei, oder standen entgegen der Fahrtrichtung im Wald. Ein wenig unsinnig war, dass der Veranstalter die Teilnehmer nicht eindringlich auf evtl. Strafen bzgl. Abkürzen "eingenordet" hatte.

 

Kommen wir zum Sport: Auf WP1 legt die Paarung Kleinwächter/Müller mit 7:36 min die erste Top-Zeit im BMW-Gerangel vor, Hasselbach/Meyer mit 9 Sekunden dahinter, und Patrick Schmidt/"Babba" Schmidt notieren 15 Sekunden Rückstand. Gerst/Ziegler teilen sich die vierte Zeit mit Weileder/Weileder (8:03) Durch die zweite Prüfung schliddert die Kombi-Besatzung wieder mit der schnellsten Zeit - dachten zumindest alle, bis Patrick Schmidt/Babba Schmid an der ZK auftauchten. Das waren die einzigen aus der BMW-Fraktion, die unter 4 min die Eisplatten umschifften (3:56). Da sind dann alle ein wenig erschrocken, denn diese Zeit war eigentlich fast unglaublich.

 

Die Protagonisten stimmen sich auf die dritte und längste Prüfung ein, man ist verunsichert. Eis und Sonne gut, der Planet spiegelt mit einer Kraft das Eisparkett in die Frontscheiben der Piloten, dass selbst die dunkelste Ray-Ban noch überfordert war. Es war klar - Sven Hasselbach jagt ThomasK, doch die Überjäger Schmidt hatte keiner wirklich auf dem Plan. Der kleine Schmidt ist zwar gut, er muss aber noch lernen, sein Tempo über eine ganze Rallye zu bringen. So dachten alle. Die Realität ist der Todesstoss vieler Theorien, doch dazu später.

 

Zunächst legt sich die Ruhrpott/Bayern-Paarung 50m vor der Lichtschranke mit dem Kombi auf die Tür. Natürlich die Beifahrertür. Als die Zuschauer den Lieferwagen gerade wieder über die Hochachse umkippen, da segelt auch schon Sven Hasselbach vorbei. Kleinwächter fräst mit dem 318er durch den Graben, ins Ziel, man verliert rund 1.10min. Wieder achtet keiner auf den kleinen Schmidt, der hält sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Schlagdistanz. Weileder hadert mit sich und seinen Zeiten, Gerst versteht die Welt im Augenblick auch nicht mehr. Stöcker/Vogel haken sich im Graben fest, und nehmen da zunächst 25 Minuten Auszeit und als Zuckerl noch 22 Strafsekunden aus der Karrenz mit in die Pause.

 

Die Rallye kommt zurück nach Wittenberg, man leckt die Wunden. Diverse Rückspiegel und Stossstangen sind nicht mehr vorhanden, von Seitenscheiben ganz zu schweigen. Jede Rolle Gaffa-Tape in Wittenberg findet Verwendung - Plaste + Elaste eben, die Vergangenheit ist nicht wegzuleugnen. Die Regroupingzeit wird auf Grund der mittlerweile dramatischen Verhältnisse (das Eis war nun blankpoliert..) gekürzt, der Servicepark reichlich genutzt.

 

Die zweit Etappe wird angestempelt, die Sonne steht noch hinterfotziger ("das ist Bayrisch und heisst auf Deutsch: gemein") am Horizont. Für die Nichtheimischen wurde die Spurensuche zur existenziellen Frage. Zeitweise war, ob der vielen Möglichkeiten, die Qual der Wahl: Welche sollen wir denn nehmen? Die ursprünglich einmal vom Veranstalter gewählte Strecke war auf freiem Felde faktisch nicht mehr auszumachen, die Schlammschlacht um Wittenberg begann. Unterschiede der Piloten können zu diesem Zeitpunkt nur noch im Bezug auf Kaltblütigkeit erkannt werden, wer sich traute pfeilte sich einfach kerzengerade über´s Feld in den nächsten Eiskanal. Aber: That´s not Rallye, believe it.

 

Es schlägt die Stunde von Patrick Schmidt, mit 7.11min bedeutet das dritte Gesamtzeit und 21 Sekunden vor dem nächsten 318er. Sven Hasselbach kommt mit allen Registern da mal auf schlappe 7,32min und das schon Nassgeschwitzt. Weileder und Kleinwächter notieren 7.36min, in der Annahme, man hätte die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft. Gerst/Ziegler fahren nach der ZK gleich heim, das Getriebe ist verraucht.

Das Feld lichtet sich, die Verzögerungen am ZK/Startbereich belaufen sich auf nahezu Null. Man hat fast keine Zeit mehr die Zeiten der Konkurrenten zu sortieren. Mittlerweile ist ein grosser Teil des Starterfeldes nur noch auf Abkürzen programmiert, es wird eng für die Zuschauer.

 

Ankunft Ziel WP5: Hasselbach, Kleinwächter, Schmidt, Weileder. Der Zorn Gottes reisst am Schmidt-318er den halben Kofferraum in Fetzen, aber ohne wesentlichen Zeitverlust. Im übrigen zählt der Kofferraum samt hinteren Seitenteilen beim BMW als Verschleißteil. WP6, Schmidt ist auch mit halbem Kofferraum nicht zu bremsen, keiner kann seine profunden Ortskenntnisse kontern. Und weil die Herren Beifahrer untereinander die Zeiten nicht brav ausgetauscht haben, hat der kleine Schmidt den Lauf dann auch gewonnen, vor Hasselbach/Meyer, Weileder/Weileder, Kleinwächter/Müller und den Hakes-Buben. So war das, damals im Osten.

 

Mehr Infos unter: [URL]www.ig318is.de[/URL]

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