HJS-DRC 2019

Doppelsieg für Marco Thomas

Mit einem Klassensieg bei der Rallye Hessisches Bergland gewinnt der 20-jährige Saarländer Marco Thomas den DMSB-Rallye-Cup und die HJS-Junior-Wertung. Stefan Göttig fährt im Evo 9 vor der Haustür zum Gesamtsieg.

In den nordhessischen Bergen zwischen der Fulda und dem Knüllgebirge steigt das Finale des DMSB-Rallye-Cups und in der HJS-DRC-Wertung, die vor allem für die Junioren unter 25 hochinteressant ist. Das Format der 1.ADAC-rthb-Rallye 70 Hessisches Bergland ist ungewöhnlich: Vier Prüfungen über 20 km finden am Freitagabend statt, sechs weitere über 50 km dann am Samstag. Das zeitlich in die Länge gezogene Format kommt nicht bei allen Teilnehmern gut an. Die drei Samstag-Prüfungen sind sehr schnell. Die Organisation und der Ablauf sind gut, aber für den Serviceplatz auf regennasser Wiese, den Zeitpunkt der Reifenwechselzone und die Örtlichkeit des Freitag-Regroupings sind für 2020 Verbesserungen möglich. Eine sehr schöne Kulisse bilden die Fachwerkhäuser rund um den Marktplatz in der historischen Altstadt von Melsungen. Hier starten die 65 Teams, von denen 48 am Samstagabend durch den Zielbogen rollen.

Nacht, Schnee – und Vollgas

Auf den vier WPs am Freitagabend setzen vier verschiedene Fahrer die Bestzeit – auf WP 1 bei Büchsenlicht Axel Nörenberg, auf WP 2 Stefan Göttig, im Finstern auf WP 3 Damian Sawicki und zuletzt Chris Gropengießer. Dieses Quartett liegt auch am Ende der ersten Etappe mit Sekundenabständen in Führung in der Reihenfolge Stefan Göttig / Natalie Solbach-Schmidt im Mitsubishi Evo 9, Chris Gropengießer / Lara Quast im Mitsubishi Evo 9, Axel Nörenberg / Marcus Kolitsch im BMW M3 CSL und Damian Sawicki / Tim Rauber im CTC-Subaru Impreza. Nach einer kleinen Lücke folgen die 2WD-Meister Konstantin Keil und Steffi Fritzensmeier im Citroen DS3 R3, Helmut Beckmann und Domenic Kremkau im Evo 8 sowie Philip Schwarz und Louisa Geitz im Evo 6. Tom Hettenbach und Robin Zaiß fahren im BMW 318is mit Renn-Motor auf Platz 8 und lassen die Konkurrenten aus der 2-Liter-Klasse deutlich hinter sich. DRC-Titelverteidiger Dennis Rostek (Evo 10) ist der prominenteste Ausfall am Freitagabend.

Am Samstagmorgen herrscht großes Rätselraten bei der Reifenwahl. Die Retro-Fahrer, die frühmorgens noch besichtigt haben, berichten von schneebedeckter Straße auf der WP 6+9, die von Seigertshausen nach Neukirchen über das Knüllköpfchen im 550 Meter Höhe führt. Rund die Hälfte der Fahrer setzt auf Regenreifen; das passt für die ersten beiden Prüfungen. Wer auf „Slicks“ in die Etappe startet, hat vormittags auf feuchter Piste – Schnee liegt nur noch auf den Banketten – einen Nachteil, kann aber im Endspurt aufholen. Gropengießer zieht im Knüll mit zwei Bestzeiten an Göttig vorbei; doch der Vorjahressieger kontert auf dem Rundkurs Malsfeld und erreicht die Pause in Frielendorf mit vier Sekunden Vorsprung. Mit mehr als 20 Sekunden Rückstand folgen Keil und Sawicki auf den Plätzen 3 und 4. Die Verlierer der Vormittagsschleife sind Nörenberg (Platz 11) und Helmut Beckmann (Platz 8), während sein Namenskollege Max Beckmann – nicht verwandt oder verschwägert – einen großen Sprung nach vorn macht von Rang 9 auf Rang 5. Pech hat Tom Hettenbach, dem ein gelockerter Stecker eine ganze Minute auf WP 6 und rund 10 Sekunden auf WP 7 kostet.

Göttig top, Gropengießer out

Auf der Nachmittagsschleife durch die Schwalm und den Knüll erleben die nordhessischen Promis ein Fiasko. Konstantin Keil stellt den Citroen vor der WP 8 mit beschädigtem Kühler ab, Gropengießer hat auf der WP 8 einen Reifendefekt vorn rechts mit Folgeschäden und gibt nach dem Stopp auf, der ohnehin zurückgefallene Nörenberg fällt auf der WP 10 gänzlich aus. Nur Stefan Göttig und Natalie Solbach-Schmidt ziehen an der Spitze sauber ihre Runden und holen sich den Gesamtsieg – für Göttig eine Wiederholung des Erfolgs vom Frühjahr 2018. Damian Sawicki und Tim Rauber erreichen – nach einer Bestzeit auf WP 9 – mit dem Subaru Impreza den zweiten Platz, für den aus Polen stammenden früheren Rundstrecken-Rennfahrer der beste Erfolg seiner Rallye-Karriere. Das Podium vervollständigen der Schwälmer Max Beckmann und seine Copilotin Marina Kratzin im Mitsubishi Evo 9, ein unerwartet gutes Resultat für Beckmann nach drei Jahren Pause beim zweiten Start im Allrad-Turbo. Nur zwei Sekunden hinter dem beständig fahrenden Philip Schwarz kommt Sebastian Wolf ins Ziel und freut sich über die gute Platzierung nach zwölf Monaten Pause.

Ein schöner Saisonabschluss gelingt dem 19-jährigen Max Reiter mit Co Ken Krüger: Hinter fünf Allrad-Turbos kommt er auf Rang 6 ins Ziel und gewinnt die RC4-Klasse zehn Sekunden vor Nico Leschhorn und Jara Hain, der bei einem Ausritt in Malsfeld die Vorderfront des Peugeot 208 und den Klassensieg verliert. Dritter wird Weser-Ems-Junior Chris Lemke, 19, mit dem gleichaltrigen Jan-Eric Bemmann auf dem heißen Sitz.

Junioren-Erfolge in der Gruppe F

Die 2-Liter-Klasse NC3 ist in Melsungen mit „nur“ 15 Fahrzeugen besetzt, darunter die DMSB-Titelanwärter Tom Hettenbach (BMW 318) und Tom Kässer (Honda Civic, Ausfall WP 1) sowie der hessische HJS-Junior Bernard Moufang (BMW 320i). Der 24-jährige Moufang und Co Tobias Wagner fahren zügig und fehlerfrei auf Klassenrang 3, womit er auch Dritter in HJS-Junior-Wertung wird. Hettenbach gibt eindeutig den Ton an, bis ihn die Technik zurückwirft; danach sind Hettenbach und Zaiß erneut schnellstes 2-Liter-Team, doch Klassenrang 2 reicht nur zum dritten Platz im DMSB-Rallye-Cup. Der Klassensieg geht an die Lokalmatadoren Maurice Naumann und Yannik Günther, die mit 24 bzw. 21 Jahren ebenfalls im Junior-Alter sind. Die Nase ihres weißen Honda Civic liegt ab WP 6 vorn, ab WP 9 in den Top Ten, im Ziel liegen sie auf Gesamtrang 8.

In der 1600-cm³-Klasse NC4 treffen vier HJS-Junioren aufeinander. Den besten Start erwischen Martin Ritschel, 22, und Christoph Kasper (Suzuki Swift), die die Nachtetappe am Freitag sieben Sekunden vor Marco Thomas, 20, und Benedikt Preißmann (Citroen C2) beenden. Steffen Weber, 31, und Janika Schwehm (Honda Civic) sowie Timo Schulz, 20, und Marco Breidt (Suzuki Swift) verlieren 20 bzw. 34 Sekunden. Am Samstag zieht Thomas langsam aber sicher an Ritschel vorbei, der zwar nur 12 Sekunden hinter Thomas ins Ziel kommt, aber durch 50 Strafsekunden auf Platz 4 zurückfällt noch hinter Steffen Weber und Timo Schulz. Der für den AMC Birkenfeld startende Saarländer Marco Thomas, der schon als Tabellenführer nach Nordhessen angereist ist, gewinnt damit sowohl den DMSB-Rallye-Cup als auch die HJS-Junior-Wertung. Mit Martin Ritschel auf Platz 5, Timo Schulz auf Platz 6 und Marvin El Maraai auf Platz 8 fahren drei Suzuki-Piloten unter die ersten Zehn der HJS-Junior-Wertung.

Starkes Feld in der Gruppe G

Bei den leistungsstarken Gruppe-G-Fahrzeugen dominieren die Routiniers. Die Bayern Alois Scheidhammer und August Regner zeigen den Allrad-Gegnern die Rücklichter ihres Nissan 350 Z und verweisen die Schwaben Marcus Leibbrandt und Angelika Hornung im Mitsubishi und die „Nordlichter“ Timo Pöhls und Vanessa Dagge auf die Plätze. Bei den zehn NC8/9-Fahrzeugen kämpfen mehrere Junioren an der Spitze mit. Am Freitagabend liegen die ersten Vier innerhalb von nur fünf Sekunden: Der Hinterländer Tobias Saffrich (BMW 318is E36) führt vor Nord-Junior Jan Potthast im gleichen Fahrzeug, dem Mittelrhein-Junior Jonas Ertz im Compact-318 und dem Hessen Lucas Habicht im „klassischen“ 318. Auf dem feuchten Asphalt der beiden ersten Samstag-WPs drehen der 21-jährige Jan Potthast und sein erst 16-jähriger Co Julius Simon die Reihenfolge um. Dieses Polster verteidigen sie gegen Tobias Saffrich, 24, und Dennis Rehm bis ins Ziel und werden mit Platz 2 im DMSB-Rallye-Cup wie auch in der HJS-Junior-Wertung belohnt. Jonas Ertz und Nina Blumreich erreichen als Klassendritte das Ziel; damit werden sie Vierte in der HJS-Junior-Wertung. Der 18-jährige Nick Loof wuchtet den NC9-Volvo auf Klassenrang 6 – in dieser Klasse gibt es keinen Ausfall! – und beendet die HJS-Wertung als Neunter.

Holländischer Retro-Erfolg

Unter den 43 Teams der Retro-Rallye setzen sich die Holländer Joop Hosmar und Dave Kuiper durch, die den BMW 2002 (Bj.1975) ebenso spektakulär um die Ecken werfen wie sie die Lichtschranke optimal durchfahren. Die Historic-Cup-Sieger Walter Lenz und Erhard Walenda (Porsche 911, Bj. 1982) landen mit 31 Hundertstelsekunden Rückstand auf Rang 2. Dahinter geht es eng zu: Nur ein Wimpernschlag liegt zwischen den Brüdern Detlef und Thomas Burghammer (Ford Escort RS 2000, Bj. 1976), Peter Rogalski und Reiner Glasewald (Volvo 142, Bj. 1968) sowie den Retro-Rallye-Cup-Gewinnern Rainer Schlesinger und Horst Diemer (BMW 2002, Bj. 1969).

Ergebnis 1. ADAC-rthb-Rallye Hessiches Bergland
1.Stefan Göttig / Natalie Solbach-SchmidtMitsubishi Evo 9NC138:42,6
2.Damian Sawicki / Tim RauberSubaru Impreza GTNC1+42,8
3.Max Beckmann / Marina KratzinMitsubishi Evo 9NC1+1:13,7
4.Philip Schwarz / Louisa GeitzMitsubishi Evo 6NC1+1:45,6
5.Sebastian Wolf / Andreas LutherMitsubishi Evo 10NC1+1:48,0
6.Max Reiter / Ken KrügerCitroen C2 R2 MaxRC4+2:09,5
7.Lars Garten / Franziska KraftMitsubishi Evo 9NC1+2.14,9
8.Maurice Naumann / Yannik GüntherHonda Civic RNC3+2:17,5
9.Helmut Beckmann / Domenic KremkauMitsubishi Evo 9NC1+2:18,1
10.Nico Leschhorn / Jara HainPeugeot 208 R2RC4+2:19,6
11.Tom Hettenbach / Robin ZaißBMW 318is E30NC3+2:28,4
12.Bernard Moufang / Tobias WagnerBMW 320i E36NC3+2:58,1
13.Axel Potthast / Elmar PernschFord Escort RS 1800NC3+3:05,9
14.Sebastian Lang / Meike ZettlFord Fiesta STNC3+3:15,5
15.Christian Lemke / Jan-Eric BemmannOpel Adam R2RC4+3:25,6
Endstand DMSB Rallye Cup: 1. Thomas, Citroen, NC4, 6533; 2. J.Potthast, BMW, NC8, 6479; 3. Hettenbach, BMW, NC3, 6406; 4. Moufang, BMW, NC3, 6020; 5. A.Potthast, Ford, NC3, 5979; 6. Ertz, BMW, NC8, 5925; 7. Ritschel, Suzuki, NC4, 5703; 8. Scheidhammer, Nissan, 5299; 9. Schulz, Suzuki, NC4, 5110; 10. Weber, Honda, 5180; 11. Soutschka, VW, NC8, 4908; 12. Naumann, Honda, 4751.

Endstand HJS-Junior-Wertung: 1. Thomas, Citroen, NC4, 6533; 2. J.Potthast, BMW, NC8, 6479; 3. Moufang, BMW, NC3, 6020; 4. Ertz, BMW, NC8, 5925; 5. Ritschel, Suzuki, NC4, 5703; 6. Schulz, Suzuki, NC4, 5110; 7. Reiter, Citroen, RC4, 4375; 8. El Maraai, Suzuki, NC4, 3945; 9. Loof, Volvo, NC9, 3213; 10. Lemke, VW, NC8, 2683.

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