Roland-Rallye: Hattrick für Liebehenschel - Große Show von Wiesner

Wie in Wittenberg triumphieren Dark Liebehenschel und Markus Drüge im Evo 7 auch bei der Roland-Rallye. Hinter Ken Mildes Evo 8 tobt Jeffrey Wiesner im Volvo 940 auf den dritten Podestplatz.

Wie in Wittenberg triumphieren Dark Liebehenschel und Markus Drüge im Evo 7 auch bei der Roland-Rallye. Hinter Ken Mildes Evo 8 tobt Jeffrey Wiesner im Volvo 940 auf den dritten Podestplatz.

Aprilwetter prägt die 49. ADAC-Roland-Rallye im thüringischen Nordhausen: frisches Grün an Bäumen und Büschen, blühende Sträucher an den Feldrainen, aber auch tanzende Schneeflocken am Freitagabend und nach leichtem Nachtfrost am Samstagmorgen ein weißer Hauch auf den Wiesen an der Apostelbrücke. Zwar bleibt der Schnee nicht liegen, doch der Flockenwirbel und zwei Schneeregen-Schauer sorgen während der ganzen Rallye für feuchte Fahrbahn-Oberflächen.

Kurz vor Mittag starten zunächst die 26 Fahrzeuge der Histo-Gleichmäßigkeitsprüfung, dann folgen die 64 Teams der Rallye 35, darunter 47 vom Schotter-Cup und 23 vom ADMV-Rallye-Pokal. Zum Auftakt erleben die Zuschauer die 10 km lange Prüfung „Apostelbrücke“ bei Bleicherode, in diesem Jahr abgesteckt als Rundkurs mit 1 ¼ Runden und „nur“ 45% Schotteranteil. Dark Liebehenschel und Markus Drüge setzen im Mitsubishi Evo 7 die Bestzeit, allerdings folgen Martin Christ und Norman Jakobs (Evo 9) mit nur 1,5 Sekunden Rückstand.

Eine weitere Sekunde zurück schockieren Jeffrey Wiesner und Marcel Eichenauer im Volvo 940 - mit 16V-Maschine und deutlich mehr als 200 PS – ein Dutzend Allrad-Turbo-Piloten. Während Stefan Schulze und Lisa Kuhn (Subaru Impreza) sowie der Finne Jaakko Keskinen (mit Sirpa Salonen im Evo 10) den Rückstand noch in Grenzen halten, verschlafen Ken Milde und Heinke Möhrpahl (Evo 8) den Auftakt und haben nach der WP 1 bereits über 20 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Nach dem Wittenberg-Crash hat die Eriksson-Familie in vier Wochen einen neuen Subaru aufgebaut; somit können die Youngster Jan Eriksson und Jan-Eric Bemmann in Nordhausen starten, werden aber von Elektrikproblemen eingebremst und müssen am Start zur WP 2 aufgeben.

Diese WP 2 ist nur 2 km lang, führt komplett über Schotter und ist berüchtigt wegen der tückischen „Links 4“ vor dem Ziel, wo sich letztes Jahr Sebastian Vollak und Marc Bach übers Dach abrollten. In diesem Jahr spielt ein scheinbar simpler 90-Grad-T-Rechts-Abzweig Schicksal: Martin Christ unterschätzt den Grip auf dem rolligen Untergrund und rutscht eine kleine Böschung hinunter - das Aus für den Zweitplatzierten. Die gleiche Stelle wird später Jaakko Keskinen zum Verhängnis. Liebehenschel setzt die zweite Bestzeit und Thomas Böhm, der auf WP 1 vierzig Sekunden verloren hat, zeigt mit der zweitbesten Zeit eine starke Leistung im 21 Jahre alten Impreza.

Zum Abschluss der ersten Schleife wird der Gehege-Rundkurs mitten in Nordhausen gefahren. Während die ersten Fahrzeuge hier auf regennasser Fahrbahn driften und schliddern, finden die Top-Teams am Schluss des Feldes fast trockenen Asphalt vor. Ken Milde hat die passenden Reifen drauf und fährt fünf Sekunden schneller als Liebehenschel, Stefan Schulze schafft die drittbeste Zeit vor Michael Dinkel. Zur Halbzeit hat Liebehenschel 15 Sekunden Vorsprung auf Driftkönig Wiesner, danach folgen Milde (21 Sekunden), Schulze (22 Sekunden) und Dinkel mit 38 Sekunden Rückstand.

Als Liebehenschel zum Beginn der zweiten Runde die Apostelbrücken-Prüfung mit neun Sekunden Vorsprung gewinnt, ist die Entscheidung gefallen: Dark Liebehenschel und Markus Drüge lassen dem Wittenberg-Erfolg auch den Roland-Gesamtsieg folgen. Jeffrey Wiesner düpiert Ken Milde mit der zweitschnellsten Zeit auf WP 4, so dass Copilotin Heinke Möhrpahl ihn mit der Bemerkung wachrüttelt, ob er in der Ergebnisliste hinter einem Volvo stehen möchte. Das hilft: Mit seiner zweiten Bestzeit im „Gehege“ schaffen Ken Milde und Heinke Möhrpahl noch den zweiten Rang.

Jeffrey Wiesner und Marcel Eichenauer zeigen auf dem Rundkurs atemberaubende Drifts und stehen als Dritte auf dem Podium. Stefan Schulze und Lisa Kuhn liegen nur zehn Sekunden dahinter und sind mit Rang 4 zufrieden, zumal der Fahrer in der Nacht alle zwei Stunden aus dem Bett steigt und den Subaru kurz warmlaufen lässt, weil der Impreza-Motor am Freitagabend nicht anspringen wollte. Michael Dinkel und Bernd Allstadt sowie Thomas Böhm und Daniel Rosenmüller fahren mit ihren Allradlern auf die Plätze 5 und 6.

Hinter dem BMW M3 des ADMV- und Sachsenmeisters Nick Heilborn belegen die drei Top-Teams der 2-Liter-Klasse NC3 die Ränge 8 bis 10. Hannes Arndt und Christof Wagner haben am Ende mit ihrem Fiesta die Nase knapp vorn, dank einer tollen Fahrt mit sechs Sekunden Vorsprung an der Apostelbrücke. Stephan Dammaschke und Winnie Helm sind zwar viermal schneller als Arndt, müssen aber mit Platz 2 vorlieb nehmen; immerhin zeigen sie den Wittenberg-Siegern Björn Becker und Dirk Mürkens im 2-Liter-Audi Quattro die Clio Rücklichter. Nur sechs Sekunden trennen den Ersten vom Dritten. Frank Zischkale und Dirk Eißner fahren im BMW 318is auf Platz 4, den Thomas und Melanie Schultz (Clio III) bis zum Ausfall in WP 5 innehatten.

Für eine Überraschung sorgen die Nordhäuser Lokalmatadoren Sebastian Sabrowski und Alexander Kramer. Nach neun Jahren Rallye-Pause fahren sie mit einem rund 230 PS starken Opel Corsa OPC auf Rang 11; das bedeutet Platz 3 in der Klasse NC 2 hinter Wiesner und Heilborn und vor dem Audi-Piloten Maximilian Irmer, der als bester Junior ausgezeichnet wird. In der 1600-cm³-Klasse NC4 feiern die einheimischen Teams sogar einen Doppelsieg: Max Becker und Heiko Schmidt gewinnen im VW Polo knapp mit fünf Sekunden Vorsprung auf Fabian Schulze und Anna-Lena Pfützenreuter im Suzuki Swift. In der kleinsten Gruppe-F-Klasse bis 1400 cm³ dominieren Jan Rößner und Doreen Schreiber haushoch, während der einzige Trabant von Michael Keßler und Reiner Kallenbach die beiden Micra hinter sich lässt und den zweiten Pokal mitnimmt. 

Thomas Leonhardt – mit dem Neuling Kevin Linke als Co - wuchtet den schwergewichtigen Audi S4 mit Bravour um die Ecken, erreicht Rang 12 und holt sich den Gruppe-G-Sieg vor Philip Schwarz und Steffen Weber, die den Mitsubishi Colt auf einen erstaunlichen 15. Platz steuern und die Klasse NC9 deutlich vor Patrick Rodewald und Jacqueline Kaiser gewinnen. Klassensieger werden auch Jan Patrick Buys und Guido Stauffenberg (Seat Ibiza, NC8) sowie André Seltmann und Philipp Hutzler (Mazda 323 GTX, Klasse NC7). 

Für die anspruchsvollen Strecken und die sehr gut präparierten Schotterwege erntet der Veranstalter viel Lob. Beim Zeitplan hat er Pech, denn Ausritte (nur Blechschäden), ein Feuerwehr-Ölbinde-Einsatz, der nichts mit der Rallye zu tun hat, und mehrere Blaulicht-Unterbrechungen am Gehege-Rundkurs – eine Seite ist Zufahrt für das Klinikum – reißen Lücken ins Feld. Die Ausfallquote ist trotz der Wetterbedingen mit 25% normal, 48 Fahrzeuge stehen im Parc Fermé am markanten Petersberg-Turm. 

Von den 26 Histo-Teams kommen 23 ins Ziel. Walter Lenz und Erhard Walenda im 78er Safari-Carrera schaffen im vierten Anlauf ihren ersten Roland-Sieg. Auf den Plätzen folgen Bernd Lutz und Dirk Schneider im 88er Syncro-Golf, Sven Ohlmeyer und Algys Bresagk im 87er Wartburg 353 sowie die Sieger von 2017, die Holländer Joop Hosmar und Dave Kuiper im 75er BMW 2002.

Dark Liebehenschel bleibt Spitzenreiter im Schotter-Cup (59 Einschreibungen) und im ADMV-Rallye-Pokal (derzeit 46 Einschreibungen). Im ADMV-Pokal folgt der nächste Lauf schon in zwei Wochen mit der 20. ADAC-Fontane-Rallye in Neuruppin, der Schotter-Cup macht zwei Monate Pause und tritt am Pfingstsamstag in Niederbayern zur Emmersdorfer Baron-von-Aretin-Rallye an.

Ergebnis 49. ADAC-Roland-Rallye Nordhausen

1. Dark Liebehenschel / Markus Drüge Mitsubishi Evo 7 NC1 21:40,6
2. Ken Milde / Heinke Möhrpahl Mitsubishi Evo 8 NC1 +28,8
3. Jeffrey Wiesner / Marcel Eichenauer Volvo 940 – 16V NC2 +31,6
4. Stefan Schulze / Lisa Kuhn Subaru Impreza GT NC1 +41,7
5. Michael Dinkel / Bernd Allstadt Mitsubishi Evo 7 NC1 +1:16,2
6. Thomas Böhm / Daniel Rosenmüller Subaru Impreza GT NC1 +1:27,8
7. Nick Heilborn / Mathias Rochow BMW M3 E36 NC2 +1:40,4
8. Hannes Arndt / Christof Wagner Ford Fiesta ST NC3 +1:46,3
9. Stephan Dammaschke / Winnie Helm Renault Clio NC3 +1:49,6
10. Björn Becker / Dirk Mürkens Audi 90 Quattro 2.0 NC3 +1:51,5
11. Sebastian Sabrowski / Alexander Krämer Opel Corsa D OPC NC2 +2:16,2
12. Thomas Leonhardt / Kevin Linke Audi S4 Avant NC6 +2:28,6
13. Frank Zischkale / Dirk Eißner BMW 318is E30 NC3 +2:34,2
14. Maximilian Irmer / Mike Schütte Audi 90 Quattro V6 NC2 +2:41,5
15. Philip Schwarz / Steffen Weber Mitsubishi Colt NC9 +2:44,9

Zwischenstand ADMV-Rallye-Pokal: 1. Liebehenschel 1350, 2. Rößner 1290, 3. Becker 1285, 4. Rodewald 1265, 5. Arndt 1246, 6. Milde 1200, 7. Zischkale 1031, 8. F.Schulze 845, 9. Günl 750, 10. Schultz 718

Zwischenstand Schotter-Cup: 1. Liebehenschel 1079, 2. Arndt 1012, 3.Rößner 983, 4. Milde 960, 5. Becker 948, 6. Rodewald 914, 7. Zischkale 879, 8. Buys 868, 9. Irmer 788, 10. Cramer 716