Rallye Zorn: Oest vor den Allradlern

Bei der Rallye Zorn, dem Auftakt der NAVC-Rallyesaison, holt sich Marc Oest im heckgetriebenen BMW M3 überraschend den Gesamtsieg vor den Allradlern von Torsten Michel (Mitsubishi) und Gerd Tabbert (BMW).

Bei der Rallye Zorn, dem Auftakt der NAVC-Rallyesaison, holt sich Marc Oest im heckgetriebenen BMW M3 überraschend den Gesamtsieg vor den Allradlern von Torsten Michel (Mitsubishi) und Gerd Tabbert (BMW).

Im Schatten von WRC, DRM und zwei DRC-Läufen feiert die Rallye Zorn in diesem Jahr ihr 30. Jubiläum – mit einigen Änderungen gegenüber den letzten Jahren. Unverändert bleibt das Rallyezentrum in Miehlen (auf der rheinland-pfälzischen Seite des Taunus), unverändert bleibt das Konzept mit drei Durchgängen hintereinander auf der „Vormittagsprüfung“ und drei Durchgängen hintereinander auf der „Nachmittagsprüfung“ mit relativ langen Pausen dazwischen. 

Auf den Klassiker von Reitzenhain nach Bogel verzichtet der MSC Zorn; stattdessen läuft am Vormittag eine fast gänzlich neue Strecke über 7 km zwischen Ruppertshofen und Miehlen mit 10% Schotteranteil. Nachmittags steht dann die 5,5 km lange Prüfung auf und neben der Straße von Nastätten nach Miehlen – fast nur Asphalt - auf dem Plan. Bedingt durch den späten Karneval findet auch die Rallye Zorn ungewohnt spät statt. Der geringe Schotter- und Grasanteil und das günstige Wetter – während der Rallye fällt kein einziger Tropfen Regen, der stürmische Wind stört die Fahrer wenig – sorgen für die auffälligste Veränderung: Der Zeitplan wird nahezu eingehalten, alle sechs Prüfungen werden durchgeführt, das letzte Fahrzeug erreicht noch bei Büchsenlicht das Ziel. Die Ausfallquote ist relativ niedrig, von 91 gestarteten Teams stehen 77 im Parc Fermé. 

Auch wenn sie erst mit Startnummer 6 unterwegs sind, werden die Stolberger Brüder Thomas und Max Plum ihrer Favoritenrolle gerecht. Mit ihrem Evo 5 fahren sie schon auf der WP 1 der Konkurrenz um 14 Sekunden davon, gewinnen auch die beiden folgenden Durchgänge und haben bei Halbzeit einen satten Vorsprung von 35 Sekunden auf den ersten Verfolger herausgefahren, die Lokalmatadoren Torsten Michel und Anna Hinrichs im Evo 9. Weitere acht Sekunden zurück folgt das beste Fahrzeug ohne Allradantrieb, der kräftige BMW M3 E36 des Pfälzer Sohn-und-Vater-Teams Marc und Thomas Oest. Nach einer kleinen Lücke folgt eine Dreiergruppe auf den Plätzen 4 bis 6 mit dem Ehepaar Thomas und Andrea Kleinwächter im 16-Ventil-„Hundeknochen“-Escort, Gerd Tabbert und Jessica Hofmann im Allrad-BMW sowie den Routiniers Günther Werner und Dieter Walterscheidt im BMW 318is.

Die Plum-Brüder starten mit der vierten Bestzeit in die zweite Schleife, doch auf der WP 5 lässt sie der Motor ihres Mitsubishi Evo 5 im Stich. Jetzt hätte Torsten Michel die Heimrallye nach Hause fahren können, doch der Evo-Pilot touchiert auf der stellenweise hakeligen Nastätten-WP einen Bordstein, fährt vorsichtig zum Ziel und büßt dadurch 20 Sekunden ein. Auch eine Bestzeit auf der letzten Prüfung ändert nichts daran, dass Torsten Michel und Anna Hinrichs sich mit Rang 2 begnügen müssen. Gleichmäßig wie ein Uhrwerk fahren Marc und Thomas Oest über die Strecke, leisten sich keinen einzigen Fehler und holen sich den ersten Gesamtsieg ihrer Karriere.

Gerd Tabbert hat zwar die erste Prüfung – nach fast zwei Jahren Pause – verschlafen, steigert sich dann mit dem allradgetriebenen BMW deutlich  und fährt die beiden letzten WPs gleichschnell wie Oest; der Lohn für Tabbert und Jessica Hofmann ist Platz 3 vor Thomas und Andrea Kleinwächter im historischen Escort. Das Ehepaar aus Moers gewinnt auch die mit 44 Fahrzeugen besetzte 2-Liter-Klasse vor Günther Werner im BMW 318, dem erstaunlich schnellen Einheimischen Florian Kraus im Golf und den Quertreiber-Brüdern Dirk und Markus Rosam mit ihren BMW 320. Bester Fahrer aus dem 318is-Cup ist Jan Schneider auf Gesamtrang 18. 

Einheimische Fahrer liegen auch bei den „Kleinen“ vorn: Gil Bruchhäuser und Björn Hacker mit dem Lupo in der 1600-cm³-Klasse sowie Rainer und Daniel Thiel mit dem Allrad-Panda in der 1300-cm³-Klasse. Bei den Serien-Fahrzeugen dominieren die BMW. Die Klasse über 2-Liter erlebt einen fünffachen BMW-Erfolg, mit den Ulmern Michael und Fabian Knese vor den Niederbayern Willi Biendl und Johannes Stephan. In der 2-Liter-Klasse setzen sich Alexander Venter und Anna-Lisa Orlikowski im 318is durch.

Ergebnis Rallye Zorn 2019

1. Marc Oest / Thomas Oest BMW M3 E36 Kl.10 28:03,0
2. Torsten Michel / Anna Hinrichs Mitsubishi Evo 9 Kl.11 +11,3
3. Gerd Tabbert / Jessica Hofmann BMW 330ix E46 Kl.11 +36,1
4. Thomas + Andrea Kleinwächter Ford Escort RS Kl.9 +44,6
5. Günther Werner / D. Walterscheidt BMW 318is E30 Kl.9 +51,7
6. Florian Kraus / Joachim Günther VW Golf II GTI Kl.9 +58,7
7. Manfred Bannwarth / Bernd Rieth Subaru Impreza Kl.11 +1:01,3
8. Bernd Herler / Thomas Bratfisch Mitsubishi Evo 8 Kl.11 +1:02,9
9. Dirk Rosam / Britta Opel-Singhof BMW 320is E30 Kl.9 +1:11,5
10. Markus Rosam / Marcel Nicke BMW 320is E30 Kl.9 +1:18,4
11. Steffen Bader / Dieter Laib Opel Kadett City Kl.9 +1:23,4
12. Michael Knese / Fabian Knese BMW 328i E36 Kl.5 +1:31,9