Fabian Kreim gewinnt Lausitz-Rallye

Vor einer Rekordkulisse kann Fabian Kreim das Skoda-Generationenduell mit Matthias Kahle zu seinen Gunsten entscheiden. Den dritten Platz sichert sich Jaroslav Orsak.

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Vor einer Rekordkulisse kann Fabian Kreim das Skoda-Generationenduell mit Matthias Kahle zu seinen Gunsten entscheiden. Den dritten Platz sichert sich Jaroslav Orsak.

79 Teams aus 13 Nationen starten am Freitagnachmittag zur größten Schotter-Rallye in Mitteleuropa, der 21. Internationalen ADMV-Lausitz-Rallye mit Start und Ziel am Bärwalder See bei Boxberg. Das Feld ist groß, vor allem aber qualitativ stark: Die zehn R5-Teams werden von Top-Piloten wie dem viermaligen Lausitz-Sieger Anders Gröndal aus Norwegen, dem siebenmaligen Deutschen Meister Matthias Kahle, dem zweifachen Meister Fabian Kreim und dem Tschechen Jaroslav Orsák, zuletzt Sieger der Niederösterreich-Rallye, angeführt. 

Fabian Kreim und Frank Christian übernehmen im Fabia R5 von Skoda Auto Deutschland beim Auftakt in der Lausitz-Arena die Führung. Matthias Kahle, der in seiner Lausitzer Heimat wie ein Volksheld gefeiert wird, und sein Dresdener Copilot Christian Doerr bleiben mit Kahles privatem Fabia R5 an Kreims Stoßstange, die beiden Fiesta R5 von Anders Gröndal und Roger Eilertsen sowie Jaroslav Orsák und Jindriška Žáková büßen nur wenige Sekunden ein. Der Mulkwitz-Sprint endet genau so. Beim ersten Service klafft hinter den vier Top-Piloten schon eine halbminütige Lücke zum dem bislang unbekannten Pole Sylwester Plachytka (Ford Fiesta R5, Ausfall auf WP 3) und Ferenc Kiss (Skoda Fabia R5), der vor zwanzig Jahren zweimal Meister in seiner ungarischen Heimat war. 

Die zweite Schleife am Freitag läuft im Dunkeln, was Kahle nicht sonderlich behagt. Kreim und Gröndal setzen die Bestzeiten. Kreim kann sich mit einem 16-Sekunden-Polster zur Nachtruhe begeben, dicht hinter Gröndal folgt Kahle mit acht Sekunden Luft auf Orsák. Kiss ist als Fünfter mit mehr als einer Minute Rückstand „Best of the Rest“. Junior Hermann Gaßner im R4-Evo 10, der Däne Kristian Poulsen im Wevers-Fabia R5 und ein polnisches Trio mit Marcin Slobodzian (Gruppe-N-Impreza), Daniel Chwist (Hyundai R5) und Maciej Stolarski komplettieren die ersten Zehn. Roman Schwedt, neben dem Michael Wenzel im Peugeot 207 S2000 sitzt, schlägt sich als Elfter wacker bei seiner ersten echten Schotter-Rallye. Für ungläubige Gesichter sorgt ein 18-jähriger Bursche aus Tschechien: Erik Cais jagt den Peugeot 208 R2 auf Platz 12! Der Blondschopf, zuvor als Downhill-MTB-Racer auf zwei Rädern unterwegs, lässt den zweitbesten Fronttriebler, den 22-jährigen Markenkollegen Jens Stensböl aus Norwegen, um eine ganze Minute hinter sich. 

Wunder der Nacht

64 Fahrzeuge haben die Freitag-Etappe überstanden. Und weil die Mechaniker in der Nacht ein paar Wunder vollbringen, rollen am Samstagmorgen 72 Autos über die Startrampe am Bärwalder See. Drei lange Start-Ziel-Prüfungen stehen auf der „Speisekarte“. Zum Frühstück geht es zur stark veränderten Reichwalde-Prüfung. Auf seiner Lieblings-WP knallt Kahle seine erste Bestzeit in den Schotter, gefolgt von Kreim und Orsák, während Gröndal zwanzig Sekunden einbüßt – was zunächst mit einer falschen Reifenwahl begründet wird. Die nächste Prüfung fällt aus dem üblichen Lausitz-Rahmen, denn am Bärwalder See wird zu 75% auf Asphalt gefahren, wobei der schmale Radweg durch nasses Herbstlaub einige delikate Stellen aufweist. Kreim und Orsák diktieren das Tempo, Kahle verliert fast seinen ganzen Vorsprung auf den Tschechen, Gröndal fällt weiter zurück. 

Mit 16 km Länge ist die Sprey-Prüfung, die durch die nächtens glatt geschobene Lausitz-Arena führt, die kürzeste WP am Samstag. Kahle fliegt durch die Arena und fährt mit acht Sekunden Vorsprung auf Orsák die Bestzeit, während sich Kreim einen Verbremser leistet. Dennoch bleibt der 26-jährihe Hesse an der Spitze; mit 19 Sekunden Vorsprung auf Kahle und 31 Sekunden auf Orsák erreicht er die Mittagspause. Gröndal liegt als Vierter exakt eine Minute zurück, Kiss als Fünfter mehr als zwei Minuten. Junior Gaßner hat sechs Minuten verloren, als der Öldruck absinkt; dadurch rutscht Roman Schwedt in die Top 10.


Der zweite Durchgang auf den drei Marathon-Sprints beginnt mit der zweiten Reichwalde-Bestzeit von Matthias Kahle, der seinem führenden Skoda-Kollegen sechs Sekunden abnimmt und somit noch ein wenig Spannung erzeugt. Das Skoda-Doppel teilt sich die beiden restlichen Bestzeiten, am Abstand ändert sich nichts mehr. Mit ihrem Lausitz-Sieg untermauern Fabian Kreim und Frank Christian ihren Aufwärtstrend auf Schotter und hoffen auf eine EM-Saison 2019. Matthias Kahle und Christian Doerr erreichen als Zweite das Ziel – eine exzellente Leistung des siebenfachen Meisters, wenn man berücksichtigt, dass er seit der 2017er Lausitz-Rallye keinen einzigen Wettbewerb bestritten hat. Den dritten Podiumsplatz fahren Jaroslav Orsák und Jindriška Žáková im Ford Fiesta sauber nach Hause.

Gröndal muss aufgeben

Anders Gröndal gibt –auf Rang 4 liegend - vor der letzten Prüfung auf, die gesundheitlichen Folgen des schweren Abflugs bei der Hedemarken-Rallye behindern den Norweger beim Comeback sechs Wochen später schmerzlich. So rücken die ungarischen Routiniers Ferenc Kiss und Gergely Patko vor auf Platz 4, dahinter folgt nach starker Leistung der junge Pole Marcin Slobodzian im Gruppe-N-Subaru, der ihm in dieser Saison bereits zum Landesmeister-Titel verholfen hat. Hinter Gentleman-Driver Daniel Chwist im R5-Hyundai kämpft sich Roman Schwedt bis auf Rang 7 vor – nach einer blitzsauberen Leistung auf losem Untergrund. Als viertbestes deutsches Team fahren Dark Liebehenschel und Markus Drüge im Mitsubishi Evo 7 auf Platz 11 und gewinnen damit die Gruppe CTC vor dem Polen Krzysztof Polak (Evo 9) und Hermann Gaßner, dem Senior, im Evo 10. Raphael Ramonat und Sara Phieler fahren auf Platz 16 und holen sich den Klassensieg in der Allrad-Klasse der Gruppe F. In der 3- und 2-Liter-Klasse sind Nick Heilborn (BMW M3) sowie Werner Müller (BMW 318) erfolgreich.

Wer geglaubt hat, dass der Husarenritt des 18-jährigen Erik Cais nicht gut enden kann, wird eines Besseren belehrt. Der junge Kerl hält sein Tempo bis ins Ziel durch und leistet sich keinen Fehler. Erik Cais und sein Co Ondřej Krajča fahren den Peugeot 208 als 14. über die Zielrampe, sind beste Fronttriebler und gewinnen die Divisionswertung in der FIA European Rallye Trophy mit vier Minuten Vorsprung auf den Italiener Enrico Oldrati, ebenfalls im Peugeot. Raffael Sulzinger und Lisa Kiefer schaffen mit dem betagten Ford Fiesta R2 den dritten Platz. 

Das Ziel erreichen 57 Teams, die Ausfallquote mit 27% ist niedrig. Diese Tatsache ist ebenso erfreulich wie die gute Stimmung im Ziel. Dafür gibt es eine Menge Gründe: Das Wetter ist ideal, milde Temperaturen, kein Regen. Die Rallye verläuft pünktlich und unfallfrei, das Feld erreicht ohne jede Lücke das Ziel. Die Strecken sind extrem anspruchsvoll und gut hergerichtet. Optimale Bewertungen erhält das neue Rallyezentrum am Bärwalder See – viele nennen es „WM-reif“. Viel Platz, eine gute technische Infrastruktur, fester Boden, ein herrlicher Ausblick auf den See. Rallye-Büro, Serviceplatz, Regrouping, Tankzone, Start-Ziel-Rampe – alles ist fußläufig zu erreichen, die Technische Abnahme in Boxberg ist nur 1 km entfernt. Die Streckenführung ist kompakt, für 152 WP-Kilometer mit 88% Schotter werden lediglich 307 Gesamt-Kilometer gebraucht. Auch die Zuschauer kommen auf ihre Kosten: Interessante Zuschauer-Zonen mit dem Highlight „Lausitz-Arena“, optimale Ausschilderung, gutes Catering, Live-Reportage und Rallye-Radio im Viertelstundentakt sorgen für zufriedene Mienen bei den Fans.

Besondere Rallye in Deutschland

Zwei Kritikpunkte – beide nicht neu - müssen allerdings für die 2019er Ausgabe abgearbeitet werden. Zwei Durchgänge mit jeweils drei Runden sind zu viel für die Lausitz-Arena; sie weist knietiefe Spurrillen und böse Querrinnen auf; die Privatfahrer haben statt Spaß eine Menge Schäden an den Autos. Zweitens sorgt der Regel-Mix zwischen FIA-ERT-Vorgaben und DMSB-Reglement für kuriose – oder auch ärgerliche – Klassen. Weil für drei R4-Fahrzeuge, darunter die Gaßner-Familie, keine Klasse ausgeschrieben ist, werden sie in die Klasse CTC18 gepackt, was überhaupt nicht geht. In die Gruppe CTC werden auch viele Ausländer gepackt, selbst wenn die Autos nicht dem Homologationsblatt entsprechen oder niemals homologiert waren. Bei allem Verständnis für den Veranstalter, der einen ausländischen Fahrer nicht nach Hause schicken möchte, hier ist der DMSB gefordert, endlich die von Veranstaltern, Fahrern und Fachleuten geforderte Sonderklasse für Ausländer zu ermöglichen.  

Trotz dieser lösbaren Aufgaben hat die Lausitz-Rallye ihre Stellung als Nummer 2 unter den deutschen Rallyes untermauert. Die Nummer 1, der WRC-Lauf, spielt in einer anderen Liga, der nächstbeste DRM-Lauf ist qualitativ sehr weit entfernt. Eine deutliche Sprache spricht der 50%-ige Ausländeranteil. Unsere Nachbarn fahren meilenweit - manchmal 1.500 Kilometer - für eine ganz besondere Rallye in die Lausitz.

Ergebnis Lausitz-Rallye 2018

1.Kreim / ChristianSkoda Fabia R51:31:39.3
2.Kahle / DoerrSkoda Fabia R5+0:13.0
3.Orsák / ŽákováFord Fiesta R5+0:41.9
4.Kiss / PatkoSkoda Fabia R5+3:15.0
5.Slobodzian / DachowskiSubaru Impreza N16+6:12.1
6.Chwist / BurkatHyundai i20 R5+6:43.9
7.Schwedt / WenzelPeugeot 207 S2000+7:23.1
8.Stolarski / DzienisMitsubishi Lancer E9+7:44.9
9.Olsen / EilertsenFord Fiesta R5+8:00.8
10.Kurka / VajikFord Fiesta R5+8:46.8

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