Rallye Bad Emstal: Landgraf Rudi von Hessen

Rudi Reindl und Michael Ehrle sind in der nationale Szene kaum zu schlagen. Bei der nordhessischen Rallye Bad Emstal holen sie den siebenten Saisonsieg und verweisen Jörg Schuhej und Michael Bieg auf die Plätze.

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Rudi Reindl und Michael Ehrle sind in der nationale Szene kaum zu schlagen. Bei der nordhessischen Rallye Bad Emstal holen sie den siebenten Saisonsieg und verweisen Jörg Schuhej und Michael Bieg auf die Plätze.

Bei Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen starten in Wolfhagen 75 Teams zur 22. ADAC-Rallye Bad Emstal. Vier Prüfungen liegen vor ihnen: der schnelle Sprint von Bühle nach Wolfhagen, der anspruchsvolle Rundkurs bei Burghasungen, der „Russenweg“-Sprint – alles auf Asphalt – und ein Rundkurs bei Heimarshausen mit 40% Schotteranteil. Der Russenweg und die Schotter-Runde werden nach der Pause ein zweites Mal absolviert. 

Der Lokalmatador und Mitfavorit Axel Nörenberg erlebt eine extrem kurze Rallye: Aus beim Start zur WP 1, weil eine Antriebswelle der Motorleistung seines BMW M3 nicht gewachsen ist. Mit einem Schnitt von 118 km/h setzen sich Rudi Reindl und Michael Ehrle sofort an die Spitze. Die Vorjahressieger Michael Bieg und Dietmar Moch, wie Reindl im Evo 9, führen die Verfolger an, wobei die Hecktriebler von Georg Berlandy (Opel Kadett C 16V) und Gerrit Spangenberg (BMW M3) schneller fahren als der Rest der Evo-9-Meute mit Chris Gropengießer, Jörg Schuhej, Roland Macht und Stefan Göttig.

Der 10,5 km lange Asphalt-Rundkurs Burghasungen sortiert das Feld neu, zweieinhalb Runden mit mehrfachem Wechsel von Landstraßen und Wirtschaftswegen, Kuppen und Kurvenkombinationen stellen hohe Anforderungen. Reindl benötigt 8:19 Minuten für die WP 2, Schuhej braucht 11 Sekunden mehr, Bieg 15, Macht 16, Philip Schwarz (Evo 6) 17, Göttig 22 und Berlandy 23. Gropengießer beschädigt bei einem Verbremser den Ölkühler, Spangenberg gibt am Ziel mit technischen Problemen auf.

Auch auf dem Russenweg, diesmal mit einer Schleife durchs Sägewerk vor dem Ziel, nimmt Reindl dem schnellsten Verfolger Schuhej mehr als eine Sekunde pro Kilometer ab und regt sich nicht sonderlich auf, als er im dichten Staub des Vordermanns auf dem Schotter-Rundkurs bei Heimarshausen nur die fünftbeste Zeit erzielt, hinter Macht, Schuhej, Schwarz und Thomas Plum (Evo 5).

Jetzt folgt der unerfreuliche Teil der Rallye Bad Emstal. Eine Ölspur auf WP 1 reißt eine Lücke von mehr als 30 Minuten ins hintere Feld, ein Unfall auf WP 2 eine Lücke von rund 20 Minuten. Zur geplanten Restart-Zeit stehen noch die 50 Autos des Retro-Feldes an der WP 3, die gleichzeitig als WP 5 die zweite Schleife eröffnet. Da vor dem Rallye-35-Feld auch noch ein Dutzend „Festival“-Teilnehmer – uninteressant und überflüssig wie ein Kropf bei 123 regulären Teams – eine halbe Stunde Zeit kostet, stehen die Top-Fahrer fast zwei Stunden gelangweilt im Rallyezentrum herum. Das Regrouping misslingt zudem: Lücken werden nicht geschlossen, die Reihenfolge gerät durcheinander. Der abschließende Schotter-Kurs ähnelt bei Staub und Dunkelheit fast einem Lotteriespiel. Die Siegerehrung beginnt nach Mitternacht, zwei Stunden später als geplant. 

Auf den ersten drei Plätzen bringt die zweite Schleife keine Veränderungen. Rudi Reindl und Michael Ehrle haben so viel Vorsprung, dass sie auf dem Schotter langsam fahren können und trotzdem mit 18 Sekunden Vorsprung gewinnen. Jörg Schuhej und Tanja Timmer halten einen kleinen Vorsprung auf Michael Bieg und Dietmar Moch bis ins Ziel. Hinter den viertplatzierten Franken Roland Macht und Klaus Roßdeutscher geht es am Schluss eng zu: Georg Berlandy und Ulrike Schmitt werden auf dem Schotter-Kurs noch vor drei Mitsubishi überholt und fallen auf Platz 8 zurück hinter Stefan Göttig und Natalie Solbach-Schmidt, die beim Finale die Bestzeit setzen, Philip Schwarz und André Riedl sowie den Brüdern Thomas und Max Plum, die im Evo 5 die Gruppe CTC gewinnen. Die Thüringer Martin Wagner und Alexander Rödiger steuern den Evo 7 mit der zweitbesten Zeit in der WP 6 auf Gesamtrang 9. Die Top Ten beschließen Werner Mühl und Karsten Bendig, die im BMW M3 E46 die Klasse 2 vor ihren Markenkollegen Jürgen Lenarz und Marcel Stauch gewinnen.

Als zweitbestes Youngtimer-Team hinter Berlandy landen Axel Potthast und Elmar Pernsch im Ford Escort BDA auf Rang 11 vor Jochen Baumhauer und Susann Finger, die mit dem Audi TT RS die Gruppe G ohne Konkurrenz beherrschen. Die 2-Liter-Klasse der Gruppe F sieht einen klaren Erfolg von Maurice Naumann und Thorsten Wentow im Honda Civic, die 1:25 Minuten Vorsprung auf Bernard Moufang und Tobias Wagner herausfahren. Die Konkurrenz patzt: Marcel Schuhej (Honda) verliert bei einem Ausritt eine Minute, Sebastian Lang (Fiesta) und Kurt Hansen (Honda) rutschen in den Graben, Jörg Seitz (BMW 320) fällt in der WP 4 aus. Einen überlegenen Klassensieg feiern auch – erwartungsgemäß – Steffen Weber und Janika Schwehn mit ihrem Honda Civic Vti in der 1600-cm³-Klasse. Weitere Klassensieger sind u.a. Kai Weidlich und Hartmut Geist (BMW M3, F4), Kristian Postert und Björn Mann (Citroen C2 S1600, C17), Harald Degenhardt und Daniel Berger (BMW 318is, G10) und bei den Youngtimern der unverwüstliche Heinz Robert Jansen (mit Sohn Martin im Opel Manta), der 2018 seine 43. Rallye-Saison bestreitet. 58 der 75 gestarteten Teams stehen im Parc Fermé.

Retro-Rallye 

Mit 48 Startern ist die Retro-Rallye zahlenmäßig wie qualitativ gut besetzt, 40 erreichen das Ziel. Rainer Schlesinger und Horst Diemer schließen ihren voraussichtlich letzten gemeinsamen Einsatz mit einem Sieg ab. Hinter dem wahrhaft historischen BMW 2002 landet ein relativ neues Fahrzeug auf Rang 2, der Subaru Impreza von Reiner und Celina Kopp, Vater und Tochter. Den dritten Podiumsplatz erobern zwei Routiniers mit rund 80 Jahren Rallye-Erfahrung, Manfred Adolfs und Werner Neugebauer im Ford Escort RS 2000. 

Ergebnis 22. ADAC-Rallye Bad Emstal 

1. Rudi Reindl / Michael Ehrle Mitsubishi Evo 9 F1 23:58,5
2. Jörg Schuhej / Tanja Timmer Mitsubishi Evo 9 F1 18
3. Michael Bieg / Dietmar Moch Mitsubishi Evo 9 F1 22
4. Roland Macht / Klaus Roßdeutscher Mitsubishi Evo 9 F1 34,5
5. Stefan Göttig / Natalie Solbach-Schmidt Mitsubishi Evo 9 F1 41,3
6. Philip Schwarz / André Riedl Mitsubishi Evo 6 F1 42,9
7. Thomas Plum / Max Plum Mitsubishi Evo 5 C18 45,5
8. Georg Berlandy / Ulrike Schmitt Opel Kadett CC 16V K 45,7
9. Martin Wagner Alexander Rödiger Mitsubishi Evo 7 F1 52,9
10. Werner Mühl / Karsten Bendig BMW M3 E46 F2 +1:34,5
11. Axel Potthast / Elmar Pernsch Ford Escort RS 1800 Y4 +1:48,9
12. Jochen Baumhauer / Susann Finger Audi TT RS G8 +1:53,5
13. Maurice Naumann / Torsten Wentow Honda Civic R F5 +2:03,5
14. Jürgen Lenarz / Marcel Stauch BMW M3 E46 F2 +2:09,0
15. Guido Horn / Susanna Krämer Subaru Impreza GT F1 +2:22,6