Gropengießer vorn im Hinterland

Überraschung im hessischen Hinterland: Als ein Reifenschaden den Favoriten Rudi Reindl stoppt, zieht der 22-jährige Chris Gropengießer vorbei und feiert seinen ersten Gesamtsieg.

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Überraschung im hessischen Hinterland: Als ein Reifenschaden den Favoriten Rudi Reindl stoppt, zieht der 22-jährige Chris Gropengießer vorbei und feiert seinen ersten Gesamtsieg.

Nach dem letztjährigen Durchhänger mit nur 50 Teilnehmern spürt die 7. ADAC-Reifen-Ritter-Rallye Hinterland einen kräftigen Aufschwung: 65 Teams starten sich in Dautphe zu den acht Wertungsprüfungen. Die Streckenführung ist – wie üblich im Hinterland – sehr anspruchsvoll, doch vier lange Rundkurse mit je zwei Runden plus Auslauf – das Rallye-70-Reglement lässt nur zwei zu - sorgen auch für dichten Verkehr und manch ein Auflaufen auf den Vordermann. Während die Spitze die erste Schleife im Trockenen beendet, ehe der Regen das Hinterland unter Wasser setzt, haben die Fahrer mit den höheren Startnummern vom Beginn an mit nasser Fahrbahn zu kämpfen. Wetter und Strecke fordern ihren Tribut: 23 Teams erreichen das Ziel nicht.

Rudi Reindl und Michael Ehrle starten auf dem schnellen Evo 9 als klare Favoriten. Auch alle Anwärter auf Platz 2 sitzen in einem Mitsubishi: Vorjahressieger Uwe Kiehm, DMSB-Cup-Spitzenreiter Dennis Rostek, Chris Gropengießer, Helmut Beckmann, Grünberg-Sieger Reiner Hahn und der Franke John Macht, der in letzter Sekunde noch genannt hat. Auf der WP 1, einem Mini-Rundkurs mit langer Ausfahrt, setzt Chris Gropengießer – diesmal mit Tim Rauber als Co - ein erstes Ausrufzeichen mit der Bestzeit vor Helmut Beckmann und Rudi Reindl.

Der Landstraßen-Sprint bei Erdhausen sieht dann Reindl deutlich an der Spitze vor Macht und Gropengießer, der auf dem 12 km langen Rundkurs bei Hartenrod die Führung zurück erobert, als er Reindl vier, Macht vierzehn und Hahn zwanzig Sekunden abknöpft. Mit der Bestzeit auf dem knapp 15 km langen Rundkurs bei Wiesenbach sorgt Reindl zwar für „geordnete Verhältnisse“ zur Halbzeit, doch Gropengießer bleibt mit nur vier Sekunden Rückstand an Reindls Stoßstange. Macht, Beckmann und Hahn haben rund eine halbe Minute eingebüßt, Rostek eine ganze Minute und Kiehm sogar eineinhalb. 

Die zweite Schleife findet im Regen statt, mehrere Teams verzichten auf den zweiten Teil der Rallye! Auf den beiden kurzen Prüfungen teilen sich Beckmann und Reindl die Bestzeiten. Auf dem folgenden Rundkurs macht der Bayer ernst, distanziert Gropengießer um acht Sekunden, so dass Rudi Reindl und Michael Ehrle mit elf Sekunden Vorsprung in den abschließenden Rundkurs starten. „Wir hatten alles im Griff“, berichtet Reindl, „aber nach vier Kilometern war ein Reifen platt. Das ist eben Rallye.“

Zwei Minuten später rauschen Chris Gropengießer und Tim Rauber an ihren Teamkollegen vorbei und fahren den Gesamtsieg souverän nach Hause. Der junge Fahrer aus Kassel hat in dieser Saison einen kräftigen Sprung nach vorn gezeigt, ein gelungenes R5-Gastspiel bei der Rallye Wartburg eingeschlossen. Vor der Hinterland-Rallye war sein Evo 9 zur Generalüberholung in Ehrles Werkstatt – mit erkennbarem Erfolg: Der Lancer läuft so gut wie Reindl Schwestermodell, und das beflügelt Chris Gropengießer dermaßen, dass Vater, Mutter und Oma (!) – alle stehen an der Piste - ihre helle Freude haben.

Reiner Hahn und Alexander Kröll wuchten den Evo 10 auf Rang 2, eine Bestzeit beim Finale ist ihr Sahnehäubchen. Im Kampf um Platz 3 ziehen Dennis Rostek und Tobias Braun im Evo 10 noch auf den letzten Metern an Helmut und Svenja Beckmann (Evo 8) vorbei, während John Macht und Felix Kießling (Evo 6) nicht immer auf der Straße bleiben und sich mit Rang 5 begnügen müssen.

Als bestes Team ohne Allradantrieb glänzen Klaus Osterhaus und Dietmar Moch im Toyota GT 86 mit einem tollen sechsten Platz, fast eine Minute vor den Siegern der Gruppe F bis 2000 cm², Michael Bieg und Rolf Klasen im BMW 320is. Bieg hat mit einem starken Endspurt noch die beiden Honda Civic der jungen Hessen Marcel Schuhej und Maurice Naumann (stark im Regen) auf die Plätze verwiesen. Lokalmatador Erik Sindermann fährt im Clio auf Klassenrang 4, während Sebastian Lang (Fiesta) und Eric Schaser (Peugeot), zur Halbzeit auf Platz 3 und 4, in der zweiten Schleife ausfallen. Die Klasse bis 1600 cm³ gewinnt Steffen Weber im Honda Civic, der Jannika Schwehn bei Heimspiel bis auf Gesamtrang 11 nach vorn chauffiert. Die Gruppen G und CTC sind recht mager besetzt, die Klassensiege holen sich Jan Potthast und Sabrina Enkirch im BMW 318is (G10) sowie Julian Klingspor und Bastian Discher im Evo 8 (Klasse C18).

DMSB Rallye Cup

Der vorletzte Lauf der Nord-Region sieht fünf Teams am Start, die man als Bewerber um den Cup betrachten darf. Die Spitzenreiter Dennis Rostek und Tobias Braun bauen mit einem zweiten Platz in der Klasse F1 ihre Führung aus. Jan Potthast gewinnt im Serien-BMW die Gruppe G und zieht an Mirko Dulleck vorbei, der seinen Polo in der Klasse F6 auf den dritten Rang steuert. Klaus Osterhaus wird für seine starke Leistung im RC3-Toyota schlecht entlohnt, denn der Klassensieg bringt nur die halbe Punktzahl, weil er allein unterwegs ist. Steffi Zorn beendet ihren weiten Ausflug ins bergige Hinterland mit Gesamtrang 17, doch Klassenrang 7 beschert der schnellen Clio-Pilotin nur 6 Cup-Punkte.

Die Nord-Region beendet die Vorläufe mit dem Rallye Race Gollert am 27. Oktober. Den Fahrern aus der Süd-Region (Spitzenreiter zurzeit Matthias Schenzle, Mercedes 450 SLC) stehen im Herbst arbeitsreiche Wochenenden bevor mit der Rallye Fränkische Schweiz am 13. Oktober, der Saarland-Rallye am 27. Oktober und der Rallye Baden-Württemberg am 10. November. Nur eine Woche später steigt der Endlauf im holsteinischen Kaltenkirchen, die Atlantis-Rallye.

Retro-Rallye

Die 31 Teams der Retro-Rallye fahren fast nur im Regen, einige harmlose Ausrutscher sorgen für sechs Ausfälle. Nach acht Lichtschranken-Durchfahrten siegen mal wieder die Nordhessen Rainer Schlesinger und Horst Diemer im BMW 2002. Dichtauf folgen Manfred Adolfs und Werner Neugebauer im Ford Escort RS, Timo Lampas und Harald Aßmus im Opel Kadett C sowie Martin und Carolin Bernhardt im Opel Manta, während Heini und Sylvia Feller im Alpine A310 V6 als Fünfte schon einen  „deutlichen“ Rückstand von sechs Zehntelsekunden auf den Sieger aufweisen.

Ergebnis ADAC-Rallye Hinterland 

1. Chris Gropengießer / Tim Rauber Mitsubishi Evo 9 F1 48:02,9
2. Reiner Hahn / Alexander Kröll Mitsubishi Evo 10 RC2 +48,0
3. Dennis Rostek / Tobias Braun Mitsubishi Evo 10 F1 +1:08,7
4. Helmut Beckmann / Svenja Beckmann Mitsubishi Evo 8 F1 +1:12,2
5. Dennis Rostek / Tobias Braun Mitsubishi Evo 6 F1 +1:29,1
6. Klaus Osterhaus / Dietmar Moch Toyota GT 86 R3 RC3 +2:31,4
7. Michael Bieg / Rolf Klasen BMW 320is E30 F5 +3:25,2
8. Marcel Schuhej / Klaus Baumann Honda Civic R F5 +3:35,1
9. Maurice Naumann / Yannik Günther Honda Civic R F5 +3:44,3
10. Julian Klingspor / Bastian Discher Mitsubishi Evo 8 C18 +4:00,6
11. Steffen Weber / Jannika Schwehn Honda Civic Vtec F6 +4:03,0
12. Erik Sindermann / Matthias Pätzold Renault Clio III RS F5 +4:22,6
13.  Bernard Moufang / Tobias Wagner BMW 320i E36 F5 +4:49,0
14. Thomas Plum / Max Plum BMW 318is E30 F5 +4:53,2
15. Heinz R. Jansen / Martin Jansen Opel Ascona B Y2 +5:01,2

Zwischenstand DMSB Rallye Cup - Region Nord: 1. Rostek, 79 Punkte; 2. Potthast 61; 3. Dulleck 59, 4. Weileder, Vollak je 50, 6. Osterhaus, Schuhej je 43