Liebehenschel triumphiert in Wittenberg

Zum zweiten Mal in Folge gewinnt Dark Liebehenschel die Schotter-Rallye rund um Wittenberg. Mit Co Markus Drüge liegt er bei äußerst schwierigen Bedingungen im Ziel klar vor seinem Mitsubishi-Kollegen Raphael Ramonat.

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Zum zweiten Mal in Folge gewinnt Dark Liebehenschel die Schotter-Rallye rund um Wittenberg. Mit Co Markus Drüge liegt er bei äußerst schwierigen Bedingungen im Ziel klar vor seinem Mitsubishi-Kollegen Raphael Ramonat.

Mit der 55. ADMV-Rallye Lutherstadt Wittenberg starten die ADMV-Rallye-Meisterschaften in die neue Saison. Traditionell führt die Rallye 35 zum größten Teil (88%) über Naturwege und ändert somit ihren Charakter je nach Wetterlage: Schnee und Matsch bei winterlichem Wetter, Sand und Staub bei Frühlingswetter. In diesem Jahr wechseln nach der langen Frostperiode die Oberflächen ständig. Im offenen Gelände sind trockene Sand- und Schotterwege oder dünne Schlammschichten auf hartem Grund zu meistern. In den Wäldern warten Schlamm und „schwarzes Eis“ mit eingefrästen Spurrillen auf die Teilnehmer. Die zahlreichen Zuschauer bekommen eine Menge Dreher, Verbremser und Ausrutscher geboten, helfen aber auch tapfer beim Schieben.

Nach dem Tiefpunkt vor einem Jahr mit nur 44 Nennungen gehen diesmal 60 Nennungen ein; nach etlichen Absagen aus technischen und gesundheitlichen Gründen starten schließlich 51 Fahrzeuge in der Wittenberger Innenstadt. Auf der leicht verlängerten Apollensdorf-Prüfung (jetzt 8,3 km, davon nur 50 Meter Asphalt am Start) knallt Vorjahressieger Dark Liebehenschel sofort eine Bestzeit hin. Der 43-jährige Westfale hat im Winter in Holland einen Evo 7 gekauft, der erst am Donnerstagabend seine ersten Testkilometer absolviert – und schon bei der Besichtigung die hintere Stoßstange an einem Baum „verloren“ hat. Liebehenschel fährt acht Sekunden schneller als Raphael Ramonat im bekannten schwarz-grünen Evo 7 und 15 Sekunden schneller als der Vorjahreszweite Marc Bach im Evo 8. Andreas Rink, Kosta Tsiflidis, Danilo Voigtmann (alle Subaru) und Rudi Weileder bei der Jungfernfahrt im Evo 8 folgen im Sekundenabstand. Als bester „Zweiradler“ platziert sich Sebastian Vollak im 318 Compact auf Rang 8 und lässt dabei noch neun Allrad-Turbos hinter sich. 

Schwarzes Eis und Adrenalin-Schübe

Die „Reinsdorf“-Prüfung wird in umgekehrter Richtung gefahren; sie beginnt kurz vor Grabo, führt spektakulär durch das Dorf Mochau, über schwarzes Eis hinunter zur Grünthalmühle – mit der beliebten Flugkuppe. Die Bergauf-Passage zum Ziel vor Reinsdorf ist mit reifentiefem Schlamm bedeckt und sorgt vor allem bei den Nicht-Allradlern für kräftige Adrenalin-Schübe. Auf dieser selektiven Strecke sorgt Dark Liebehenschel bereits für die Vorentscheidung, als er dem Zweitschnellsten Andreas Rink satte 23 Sekunden einschenkt. Ramonat leistet sich einen kleinen Patzer und erzielt hinter Bach, Weileder und einem glänzenden Vollak nur die sechsbeste Zeit. In der Halbzeitpause freuen sich Liebehenschel und Drüge über einen komfortablen 39-Sekunden-Vorsprung, während das Verfolger-Trio mit Rink, Ramonat und Bach innerhalb einer halben Sekunden liegt.

Angesichts des beruhigenden Zeit-Polsters beginnt Liebehenschel die zweite Runde ohne Risiko. Ramonat sichert sich die Apollensdorf-Bestzeit knapp vor Weileder, dann folgen Rink, Liebehenschel und Bach. Die abschließende 9,3 km lange Prüfung durch Mochau erlebt nochmal eine Liebehenschel-Bestzeit. Der bekennende Wittenberg-Fan Dark Liebehenschel strahlt über seinen zweiten Lutherstadt-Sieg in Folge. Copilot Markus Drüge hat gleich drei Gründe zum Strahlen: Erstens über seinen erfolgreichen Einsatz auf dem heißen Sitz, denn normalerweise sitzt er am Lenkrad, zuletzt als Sieger der Division 6 bei der Saarland-Pfalz-Rallye. Zweitens weil der Mitsubishi, den er maßgeblich für die Gruppe CTC vorbereitet hat, (fast) problemfrei gelaufen ist. Und drittens übersteht er ohne körperlichen Schaden – jedoch mit gewaltigem Schreck – das Abrutschen des Wagenhebers, als er gerade unter dem Evo liegend nach einer abgefallenen Schraube sucht!

Nach 14 Jahren endlich wieder im Ziel

Raphael Ramonat und Sara Phieler werden Zweite und gewinnen die Gruppe F. Nur zehn Sekunden dahinter erkämpfen sich Andreas Rink (Oranienburg) und sein Berliner Co Gernot Polzin im „alten“ Subaru Impreza einen großartigen dritten Platz vor dem bayerischen Ehepaar Rudi und Simone Weileder. „Ich habe 10 Kilometer gebraucht, um das neue Auto kennen zu lernen. Zum Schluss ging es richtig gut“, berichtet der Macher der Emmersdorfer Rallye, „aber es war ein sehr anstrengender Tag.“ Marc Bach und Andre Seelisch müssen die Bayern auf den letzten Metern vorbei lassen und werden Fünfte vor Kosta Tsiflidis und Claudia Kreuzer im Impreza, Baujahr 2000. Der griechische Gastwirt, in Wittenberg bekannt wie ein bunter Hund, klagt zwar über fehlenden Öldruck, sieht aber nach 14 Jahren (!) wieder einmal das Ziel bei seiner Heimrallye.

Bei den spätwinterlichen Bedingungen schafft nur ein einziger „Zweiradler“ den Sprung unter die ersten Elf, die Schotter-Cup-Titelverteidiger Sebastian Vollak aus Solingen und Peter Messerschmidt aus Thüringen. Mit ihrem heckgetriebenen BMW 318 Compact zeigen sie einmal mehr eine überragende Leistung und landen auf Rang 7, eine Minute vor dem besten Fronttriebler: Die Niederbayern Alois Scheidhammer und August Regner wuchten den Opel Astra Turbodiesel auf Rang 12 und gewinnen die 3-Liter-Klasse der Gruppe F vor den Westfalen Werner Löseke und Paul Tenberge im Volvo 940, die nur mit etwas Glück als bestes Volvo-Team geehrt werden; denn Jochen Walther scheucht seinen Cup-Volvo so schnell über eine Kuppe, dass das Federbein die Motorhaube um 20 cm nach oben presst und Patrick Rodewald muss den Ex-Wiesner-Volvo 242 in der letzten Prüfung mit Getriebeschaden abstellen. Hinter Klassensieger Vollak belegen drei weitere BMW 318 die nächsten Plätze in der 2-Liter-Klasse: der Franke Werner Müller mit Tochter Jasmin Trabs, die Umland-Berliner Jürgen Neumann und Gordon Pfarr sowie die Lokalmatadoren Frank Zischkale und Steffen Busch.

Lohn der Mühen für Günther und Ernst

In der Klasse bis 1600 cm³ siegen die Nordhäuser Hannes Heldt und Heiko Schmidt im Polo. Bei den 1400-cm³-Autos ist der Suzuki Swift von Jan Rößner und Doreen Schreiber klar überlegen; sein Riesenvorsprung von 14 Minuten auf den Zweiten, Michael Schröder und Dominik Romainczyk im bestplatzierten Trabant 601, erklärt sich aber durch das Kuriosum, dass alle drei Trabis – als erste auf der Piste – an der Halbzeit-ZK zehn Minuten zu früh stempeln. In der Gruppe G gewinnen die Berliner Routiniers Thomas Leonhardt und Norbert Thamm im Audi S4 die „große“ Klasse. Die „kleine Klasse“ sichern sich Pierre Günther und Markus Ernst im allradgetriebenen Opel Vectra, den sie in vier Tag- und Nachtschichten herrichten, nachdem am ursprünglich vorgesehenen Astra Turbodiesel am Montagabend das Getriebe streikt. Sechs Histo-Teams fahren eine halbe Stunde vor dem Feld über die Prüfungen; am besten passieren Bastian Pfeiffer und Markus Schäfer im Volvo 244 die Lichtschranken. 

Nach 35 WP-Kilometern – „5 km Asphalt, 5 km Grip, 25 km Rutschpartie“, so ein Teilnehmer – rollen noch 36 Rallye-35-Teams und alle „Histos“ in den Parc Fermé, dreckig und manch einer mit Kampfspuren. Aber es gibt keinen einzigen Unfall, und trotz der schwierigen Bedingungen läuft die Traditionsveranstaltung wie am Schnürchen ab.

Ergebnis 55. ADMV-Rallye Lutherstadt Wittenberg  

1. Dark Liebehenschel / Markus Drüge Mitsubishi Evo 7 C18 24:13,4
2. Raphael Ramonat / Sara Phieler Mitsubishi Evo 7 F1 42,8
3. Andreas Rink / Gernot Polzin Subaru Impreza GT C18 52,8
4. Rudi Weileder / Simone Weileder Mitsubishi Evo 8 F1 58,5
5. Marc Bach / Andre Seelisch Mitsubishi Evo 8 F1 +1:01,4
6. Kosta Tsiflidis / Claudia Kreuzer Subaru Impreza GT C18 +1:26,1
7. Sebastian Vollak / Peter Messerschmidt BMW 318ti E36 F5 +1:38,1
8. Danilo Voigtmann / Mirko Voigtmann Subaru Impreza STI F1 +1:51,6
9. Sven Senglaub / Lydia Eschenhorn Mitsubishi Evo 6 F1 +2:03,6
10. Jan Eriksson / Magnus Eriksson Subaru Impreza STI F1 +2:26,1
11. Ken Milde / Heinke Möhrpahl Mitsubishi Evo 8 C18 +2:30,6
12. Alois Scheidhammer / August Regner Opel Astra H CDTi F4 +2:41,2
13. Werner Müller / Jasmin Trabs BMW 318is E30 F5 +3:05,8
14. Blazej Czekan / Przemyslaw Gaciarz Mitsubishi Evo 6 C18 +3:11,6

Zwischenstand ADMV-Rallye-Pokal: 1. Vollak, 673 Punkte; 2. Liebehenschel 667; 3. Ramonat 657; 4. Rößner 640; 5. Rink 600; 6. Schröder 520; 7. Zischkale 509; 8. Milde 467; 9. Brunke 455; 10. Eichhorst 400

Nächster Lauf: Nordhäuser ADAC-Roland-Rallye am 14. April