Havelland-Rallye: Ramonat vor Milde

Ein halbes Dutzend Evos macht die Berliner Havelland-Rallye unter sich aus. Mit einer beständigen Leistung holt sich Raphael Ramonat den Sieg vor Ken Milde und Sven Senglaub, bei den zweiradgetriebenen Fahrzeugen haben Thomas und Melanie Schultz die Clio-Nase vorn.

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  • Raphael Ramonat und Sara Phieler setzen sich erneut durch

Ein halbes Dutzend Evos macht die Berliner Havelland-Rallye unter sich aus. Mit einer beständigen Leistung holt sich Raphael Ramonat den Sieg vor Ken Milde und Sven Senglaub, bei den zweiradgetriebenen Fahrzeugen haben Thomas und Melanie Schultz die Clio-Nase vorn.

Die Spargelstadt Beelitz im Berliner Umland sieht 50 Teams am Start zur 45. ADAC/PRS-Havelland-Rallye, die zum Schotter-Cup, zur ADMV-Meisterschaft und zum DMSB Rallye Cup zählt. Sieben Prüfungen über 63 Kilometer liegen vor den Fahrern – 56% loser Untergrund stehen 44% Festbelag gegenüber, überwiegend Betonplattenwege von unterschiedlichster Qualität. Das Sturmtief „Xavier“ hat gewaltige Schäden in den Wäldern um Berlin angerichtet, auch im Rallyegebiet: Erst 24 Stunden vor dem Start erhält Rallyeleiter Reinhard Unnasch die Meldung, dass der letzte umgestürzte Baum weggeräumt ist. Der Regen stoppt am Donnerstag, der Rallye-Samstag präsentiert sich als „Goldener Oktober“.

Sand, Schotter, Pflaster, Asphalt, Schotter, Gras, Betonplatte, Schotter – so sieht die erste Prüfung zwischen Deutsch Bork und Alt Bork aus. Ein Fressen für die Allradler, sechs Mitsubishi liegen vorn, Raphael Ramonat fährt die Bestzeit vor Sven Senglaub, Ken Milde, dem Finnen Petri Reinikainen, Mario Czok und dem Berliner Christian Hardt, dem Hermann Gaßner den Evo 10 höchstpersönlich nach Beelitz gebracht hat. Auf Platz 7 folgt Sebastian Vollak im BMW 318 als bester Zweiradler vor Stephan Dammaschke (Clio II), Nick Heilborn (BMW M3) und Bernd Knüpfer (Opel Astra).

Die zweite Prüfung führt – mit nur einer Runde – über den bekannten Kurs bei Brück. Senglaub rückt mit der schnellsten Zeit dem Spitzenreiter Ramonat auf die Pelle. Im Weitflug-Wettbewerb, von zahlreichen Zuschauern auf den Bahndamm beobachtet, legt Hardt mit 26 Metern den weitesten Satz hin. Bei den „Kleinen“ verweist Schultz im Clio III diesmal Vollak auf Rang 2, während Dammaschke seinen Clio mit defekter Kupplung abstellt. Die dritte Prüfung bei Nichel sieht die Finnen Petri Reinikainen und Timo Hallia vorn; leider müssen sie kurz darauf den roten Evo 9 mit einem Getriebeschaden abstellen. WP 4, identisch mit WP 1, sieht wieder Ramonat als Schnellsten, der in die Halbzeitpause mit zehn Sekunden Vorsprung auf Ken Milde und Sven Senglaub (zwei Zehntel dahinter) einfährt. Mario Czok liegt bereits 36 Sekunden hinter Ramonat, Christian Hardt ist durch einen Schikanenfehler auf Platz 9 zurückgefallen, Subaru-Pilot Andreas Rink hat sich auf Platz 6 vorgekämpft. Vor ihm erreicht noch Sebastian Vollak die Pause als Fünfter, die nächstschnellsten Zweiradler sind Thomas Schultz, Bernd Knüpfer sowie sein Bruder Dirk Knüpfer im Citroen C2 R2.

Die zweite Schleife beginnt mit zwei Runden auf dem Brück-Rundkurs, wo Ramonat den Vorsprung mit seiner dritten Bestzeit vor Senglaub und Milde ausbaut. Das Duell um Platz 2 verliert Senglaub mit zu vorsichtiger Fahrt auf den rumpligen Plattenwegen der WP 6. Auch auf der letzten Prüfung, der auf 12,4 km verlängerte Version der WP 1+4 mit der stark besuchten Ortsdurchfahrt in Deutsch Bork, kann der Thüringer die beiden Berliner Mitsubishi knapp hinter sich lassen. Raphael Ramonat und Sara Phieler feiern bei der Havelland-Rallye ihren dritten Saisonsieg im Schotter-Cup. Ken Milde, Titelverteidiger im DMSB Rallye Cup, landet mit Lokalmatador Jean Ihlefeldt auf Platz 2, die Vorjahressieger Sven Senglaub und Lydia Eschenhorn stehen als Dritte auf dem Podium, Mario Czok und Andy Tänczyk müssen sich mit dem unliebsamen vierten Platz zufrieden geben.

 

Nach einer optimalen Fahrt zwischen Tempo und Vorsicht kommen Thomas und Melanie Schultz im Renault Clio als Fünfte ins Ziel und werden somit beste „Zweiradler“ – mit ein bisschen Glück. Denn Sebastian Vollak und Peter Messerschmidt starten mit einem 30-Sekunden-Polster in die letzte Prüfung; nach einem frühen Plattfuß prügelt Vollak den Compact-318 auf der blanken Felge durchs Ziel – und verpasst den Klassensieg um 1,3 Sekunden! Bernd Knüpfer (Astra), Frank Zischkale (BMW 318) und Torsten Brunke (Golf) belegen die nächsten Plätze in der stärksten Klasse.

Jeffrey Wiesner und Stefan Harloff werden durch eine losgerüttelte Hinterachse des Volvo 940 eingebremst, nur knapp schaffen sie den Klassensieg vor ihren Volvo-Kollegen Werner Löseke und Paul Tenberge. Nach einem Ausritt von Markus Drüge (Suzuki) und einem Defekt am Polo von Uwe Joachim gewinnen Chris Wackernagel und Steven Dietzsch die 1600-cm³-Klasse im Suzuki Swift. Durch diesen Erfolgt festigt der 26-jährige Thüringer die Führung in der ADMV-Meisterschaft, nur Ramonat kann ihn bei der Lausitz-Rallye noch überflügeln. In der Klasse bis 1400 cm³ feiern Thomas Heise und Daniela Siohl-Döppner im Micra den Klassensieg vor Martin Hartmann und Matthias Schweizer im Allrad-Swift; als bestes Trabant-Team fahren Tino Schmidt und Patrick Scharf auf Platz 3.

In der Gruppe G zeigen Marius Deußing und Toni Ermel eine tolle Leistung: Mit dem 107-PS-Golf liegt der Thüringer nach sechs Prüfungen auf Gesamtrang 15, doch auf der letzten Prüfung verlieren sie durch einen Defekt mehr als eine Minute. So kommt das Volvo-Team Patrick Rodewald und Marcel Gruber, ebenfalls mit kleinen Schäden gehandicapt, doch noch zum Sieg in der Klasse 11 (LG 4). Hinter allen Klasse-11-Teams gewinnt DMSB-Cup-Spitzenreiter Günter Vogt mit Erich Sandberg als Co die leistungsstärkere Klasse 9+10 im Fiat Punto, nachdem der führende Rigo Sonntag mit seinem Honda Civic einen Pfosten gerammt hat, und holt sich somit die volle Punktzahl. 35 Teams erreichen „Jakobs Hof“, das Rallyezentrum in Beelitz. Bei der erstmals ausgetragenen Histo-Rallye mit neun gestarteten Teams setzen sich Mark und Antje Blüthner (Golf II) gegen Roy Kunz und Andrea Selzer (Kadett) sowie Bastian Pfeiffer und Daniel Rosenmüller (Volvo 240) durch.

 

Bis auf ein falsches Bordbuch-Zeichen – gleich das dritte nach dem Start – ist die Havelland sehr gut organisiert und läuft dank neuen Konzeptes auf die Minute pünktlich ab. So kommen die Fahrer noch vor Anbruch der Dunkelheit ins Ziel. Die Prüfungen zwischen Beelitz und Brück sind hart und schwierig, zumal der Belag ständig wechselt. Einig sind sich die Fahrer über die beiden Extrem-Punkte: Der letzte Kilometer der Nichel-WP ist eine üble Klamotte – der Veranstalter hat den Verzicht für 2018 zugesagt – und die letzten zwei Kilometer vor Alt-Bork, auf der breiten Schotterpiste zwischen Windrädern und der Autobahn, zählen zu den absoluten Höhepunkten der Saison.

Die vier Spitzenreiter im Schotter-Cup – Sebastian Vollak, Thomas Schultz, Jeffrey Wiesner und Raphael Ramonat - geben sich keine Blöße und fahren volle Punkte ein. Beim Endlauf, der Lausitz-Rallye am 2. und 3. November, kann jeder von ihnen den Titel gewinnen.

Ergebnis 45. ADAC/PRS-Havelland-Rallye

1. Raphael Ramonat / Sara Phieler Mitsubishi Evo 7 F1 41:26,1
2. Ken Milde / Jean Ihlefeldt Mitsubishi Evo 8 C18 +21,2
3. Sven Senglaub / Lydia Eschenhorn Mitsubishi Evo 6 F1 +30,5
4. Mario Czok / Andy Tänczyk Mitsubishi Evo 9 F1 +1:09,3
5. Thomas Schultz / Melanie Schultz Renault Clio III RS F5 +2:04,7
6. Sebastian Vollak / Peter Messerschmidt BMW 318 Compact F5 +2:06,0
7. Andreas Rink Gernot Polzin Subaru Impreza GT C18 +2:08,8
8. Bernd Knüpfer / Daniel Herzig Opel Astra GSi 16V F5 +2:22,2
9. Christian Hardt / Nico Eichenauer Mitsubishi Evo 9 RC2 +2:22,7
10. Jeffrey Wiesner / Stefan Harloff Volvo 940 F4 +3:56,9
11. Frank Zischkale / Dirk Eißner BMW 318is E30 F5 +2:11,6
12. Torsten Brunke / Andreas Weißflog VW Golf III GTI 16V F5 +4:03,2

Schotter-Cup nach acht von neun Läufen: 1. Vollak 3668, 2. Schultz 3482, 3. Wiesner 3408, 4. Ramonat 3317, 5. Rodewald 2602, 6. Brunke und Rink 2481, 8. Joachim 2396, 9. Löseke 2233, 10. Hartmann 2190