Vorstellung

Porsche 911 Speedster: Pure Freude

Der 911 Speedster ist wieder da, 510 PS stark und sündhaft teuer. Es handelt sich zwar um die letzte Variante der auslaufenden 991er-Modellgeneration, dennoch weist er in die Zukunft: Die umfangreichen Arbeiten an dem 4,0-Liter-Sechs-Zylinder-Boxer sind relevant für die kommende Generation des GT3.

In der Speedster-Historie gab es mittlerweile alles: Was 1954 als spartanische, extrem leichte Variante des 356 begonnen hat, wurde mit dem Speedster von 2010 ins völlige Gegenteil verkehrt: Damals packten die Entwickler alles in den Speedster, was gut und teuer war – inklusive eines obligatorischen Doppelkupplungsgetriebs.

Jetzt setzt Porsche wieder auf Leichtbau und Purismus, allerdings am oberen Ende der Skala: Es handelt sich im Grunde um eine offene Variante des GT3 Touring, wobei die Kotflügel und Fronthaube aus Kohlefaserverbundstoff direkt vom streng limitierten 911 R übernommen wurden. Das Leergewicht des Speedster beträgt gerade einmal 1.465 Kilogramm.

Ein Speedster zeichnet sich grundsätzlich durch ein eigenständiges Dachkonzept aus. Die Windschutzscheibe ist kürzer und flacher, die Seitenscheiben sind abgerundet und die Rücksitze entfallen. Das Stoffverdeck wird zwar elektrisch ent- und verriegelt, jedoch händisch vor- bzw. zurückgeklappt. Der Speedster-typische Buckel wird beim neuen Modell stilistisch durch einen angedeuteten Bügel akzentuiert. 

Der neue Speedster ist auf maximalen Fahrspaß durch Hochleistung ausgelegt. Und so haben die Entwickler sich den von Puristen geliebten 4,0-Liter-Saugmotor aus dem GT3 noch einmal vorgenommen und mit einer Einzeldrosselklappen-Sauganlage sowie höheren Einspritzdrücken auf eine nochmals höhere Ebene gebracht. Die Spontanität dieser Maschine sucht ihresgleichen: Der Motor ist extrem agil, dreht blitzschnell hoch und gelangt erst bei 9.000 Umdrehungen in der Minute in den roten Bereich. 

Die Fahrleistungen genügen höchsten Ansprüchen: Der Spurt von null auf 100 km/h dauert glatte vier Sekunden, die Spitze liegt bei stolzen 310 km/h. Der Zyklusverbrauch liegt bei 13,8 Litern pro 100 Kilometer. Das Klangerlebnis ist sensationell: Der heisere 911er-Klang kommt in diesem Modell – trotz des in Europa obligatorischen Partikelfilters – noch zu voller Blüte.

Gekoppelt ist die Maschine an eine von ZF zugelieferte, sehr präzise Sechs-Gang-Handschaltung. Die Schaltwege sind exakt definiert, und es ist – auch wegen der drehfreudigen Maschine – eine helle Freude, den Gangwechsel per Gasstoß zu unterstützen. Wer darin nicht ganz sattelfest ist, kann vor Publikum auch auf eine automatische Zwischengasfunktion zurückgreifen, die sich dankenswerterweise abschalten lässt.

Das passt hervorragend zum extrem präzisen Fahrverhalten des 911 Speedster. Hochgerüstet mit Hinterachslenkung, dynamischen Motorlagern und Keramikbremse sind Einlenkverhalten und Spurtreue eine Klasse für sich, die sicher erzielbaren Kurvengeschwindigkeiten absurd hoch. Dennoch ist der Zweisitzer nicht bretthart, sondern sportlich-straff gefedert – mit ausreichend Komfort, um auch Langstrecken stressfrei zu absolvieren.

Dickes Bankkonto als Voraussetzung

Die Ausstattung ist komplett, jedenfalls dann, wenn der Besitzer es wünscht. Denn es gibt den 911 Speedster ab Werk auch ohne Klimaanlage und ohne das Telematikmodul namens PCM. Puristen werden es zu schätzen wissen, der weit überwiegende Teil der Kunden dürfte sich dennoch für die Komfort-Option entscheiden, zumal sie ohne Mehrkosten dazubestellt werden kann. Und es werden sich wohl viele von ihnen für das 21.634 Euro teure Heritage-Design-Paket entscheiden, zu deren wichtigsten Merkmalen eine Teilfolierung und eine Bicolor-Innenausstattung gehört. Ach ja, der Grundpreis des Speedster: 269.274 Euro.

Im Rahmen der bei Porsche vielstrapazierten Zahlenmystik werden genau 1948 Exemplare des neuen 911 Speedster vom Band rollen: Im Jahre 1948 nach Christo entstand nämlich der erste Porsche 356 Roadster. Wer einen ergattert, darf sich auf erklecklichen Wertzuwachs freuen; Sogar das wenig puristische Speedster-Modell von 2010, das in genau 356 (!) Einheiten entstand, ist inzwischen deutlich mehr wert als sein Neupreis. 

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