Vorstellung Toyota Yaris GRMN

Ehemalige DDR-Bürger und potenzielle i-Phone-Kunden kennen die Situation gleichermaßen: Genervt vom Schlangestehen tritt man vor den Tresen an und dann ist der Artikel vergriffen. So könnte es Kunden mit Wunsch nach einem Toyota Yaris GRMN gehen. Der auf 400 Exemplare limitierte Mini-Renner ist praktisch ausverkauft.

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Ehemalige DDR-Bürger und potenzielle i-Phone-Kunden kennen die Situation gleichermaßen: Genervt vom Schlangestehen tritt man vor den Tresen an und dann ist der Artikel vergriffen. So könnte es Kunden mit Wunsch nach einem Toyota Yaris GRMN gehen. Der auf 400 Exemplare limitierte Mini-Renner ist praktisch ausverkauft.

Dass der Hersteller dennoch zur Pressepräsentation lädt, ist der Tatsache zuzuschreiben, dass der Yaris nur der erste einer noch unbestimmt großen Folge von Fahrzeugen ist, die der bislang eher betulich daherkommenden Marke mehr Sportsgeist einhauchen soll. Ähnlich dem Kürzel AMG oder dem Namen Abarth soll „Gazoo Racing“ (GR) künftig eine Botschaft von Sportlichkeit und Dynamik an die Kunden transportieren. Um das auch faktisch zu untermauern, ist Gazoo Racing nicht nur seit Jahren in der Langstrecken-Weltmeisterschaft, sondern auch in der Rallye-WM (WRC) unterwegs.

Die Erstauflage des aufgeheizten Yaris-Modells ist schmal bemessen. Außer den 400 Exemplaren für Europa sind noch 200 für Japan vorgesehen, wobei der seltene Fall eintritt, dass ein japanisches Auto in Frankreich gefertigt und von dort ins Heimatland der Firma exportiert wird. Etwas mehr als 100 Deutsche – für eine Handvoll Kunden soll es angeblich noch Chancen geben – bekommen einen Yaris GRMN ab. Das nächste Power-Modell könnte der kompakte Auris sein, bestätigt ist dies allerdings nicht.

Bei einer Produktionskapazität von sieben Exemplaren pro Tag, die in den normalen Fertigungsprozess im Werk Valenciennes nahe der belgischen Grenze eingetaktet sind, wird die Versorgung der Besteller eine Weile in Anspruch nehmen. Sie freuen sich auf eine der muntersten Rennsemmeln, die je mit den Vorderrädern über den Asphalt radiert sind. Einem Fahrzeuggewicht von 1135 Kilogramm stehen 156 kW / 212 PS gegenüber – nahezu das Doppelte dessen, was der stärkste Yaris „von der Stange“ leistet. Der Yaris GRMN holt diese Motorkraft aus 1,8 Litern Hubraum. Behilflich ist dabei ein Kompressor, der angesichts des eng bemessenen Platzes unter der Fronthaube den Vorzug vor einem Turbolader als Mittel zur Leistungssteigerung erhielt.

Außer einem aus schwarzen, weißen und roten Farbelementen komponierten Lacktrimm zeichnen den Yaris GRMN LED-Scheinwerfer, Änderungen an Grill, Außenspiegeln sowie Nebellampen aus, das Dach ist generell schwarz, ein zentrales Endrohr der Abgasanlage prangt über dem Heckdiffusor. Das Sportfahrwerk ist gegenüber dem „zivilen“ Yaris um 24 Millimeter abgesenkt. Auffälligstes Merkmal des Innenraumes sind die perfekt ausgeformten Sportsitze, die Insassen über 120 Kilogramm Körpergewicht allerdings als etwas eng geschnitten empfinden könnten. Das Lederlenkrad hat eine 12-Uhr-Markierung, ähnlich der, die passionierte Toyota-Fans aus dem Coupé GT 86 kennen. Alu-Sportpedale, ein zentraler Starterknopf und die Rennsport-inspirierte Animation im TFT-Bildschirm beim Anlassen sind weitere Eigenheiten des Neulings. 

Kleinere angeborene Schwächen beheben die Änderungen am Yaris-Renner allerdings nicht. So fehlt etwa eine Höhenverstellbarkeit für die Sicherheitsgurte und der Navigationsbildschirm sitzt vom Fahrer aus gesehen sehr weit außen, so dass manchmal nicht nur der Blick, sondern auch der Kopf bewegt werden muss. Um eine optimale Sitzposition für dynamik-orientiertes Fahren zu finden, wäre es wünschenswert, den Spielraum der Längsverstellbarkeit des Lenkrades zu vergrößern. Es gibt den Wagen nur als Dreitürer und man tut gut daran, den Betrieb mit mehr als zwei Insassen auf Ausnahmesituationen zu beschränken.

Ob viele der späteren Besitzer die Gelegenheit suchen werden, ihren GR-Yaris auf dem Rundkurs zu bewegen, lässt sich schwer beantworten. Aber man kann ihnen aufrichtig dazu raten, denn anders ist das Spaßpotenzial des 3,95 Meter kurzen Kraftzwergs nur schwer frei zu setzen. Bei der Vorstellung des Fahrzeugs versäumt es Toyota nicht, auf die Zusammenarbeit mit den britischen Rennsportspezialisten von Lotus hinzuweisen, die dem 1,8-Liter-Vierzylinder ihre Expertise haben angedeihen lassen. Mit optimierter Zündung und Einspritzung, einem speziellen Ölkühler (ein Novum bei Toyota) sowie einem größeren Frontstabilisator, Sachs-Stoßdämpfern und dem Torsen-Differenzial treibt man diesen Yaris energisch aus der Boxengasse.

Da bei 4.800 Umdrehungen 250 Newtonmeter an der Vorderachse reißen, rechnet man mit deutlichen Antriebseinflüssen in der Lenkung, doch die sind erstaunlich gering. Besonders weiche UHP-Reifen dürften ihren Teil dazu beitragen, genug Grip aufzubauen, doch Projektleiter Steijn Peeters versichert, dass die von Bridgestone gelieferten Serienreifen den Testpneus nur wenig nachstehen. Selbst bei ausgeschalteten Stabilitätssystemen überrascht der Racing-Yaris mit guter Beherrschbarkeit, williger Spurtreue und Folgsamkeit bei Richtungsbefehlen.

Das Ansprechverhalten ist vorbildlich und wer sich nach ein paar Runden an das etwas hakelige, dafür aber sehr kurzwegige Sechs-Gang-Getriebe gewöhnt hat, dem fällt es leicht, die Fuhre temperamentvoll unter Feuer zu halten. Der Kupplungsweg ist für einen Sportwagen überraschend lang, die Federung von einer Härte, dass übersehene Temposchwellen in Wohngebieten nachhaltig disziplinieren. Für den Standardspurt wird ein Wert von 6,4 Sekunden angegeben, erst bei 230 km/h soll ihm endgültig die Puste ausgehen. Fortgesetzte Versuche, dies unter Beweis zu stellen, können natürlich nicht ohne Folgen bleiben: Statt des auf der Rolle ermittelten Normverbrauchswertes von 7,5 Litern je 100 Kilometer dürfte sich der Konsum dann zweistelligen Größenordnungen nähern.

Wer lediglich auf eine Ankündigung im Internet hin einen 30.900 Euro teuren Kleinwagen bestellt, wird sich daran kaum stören. Vielleicht eher daran, dass künftige „GR“ oder „GRS“-Modelle sowie Anbauteile im Gazoo-Racing-Look zum Nachrüsten die Exklusivität verwässern könnten. Steijn Peeters zur Entwicklung der neuen Marke: „Der Yaris GRMN ist erst der Anfang. Es wird mehr vergleichbare Produkte geben und alles, was wir bisher gelernt haben, wird uns helfen, auch sie zu einem Erfolg zu machen“. 

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wofür die Buchstaben MN in der Modellbezeichnung stehen. Sie sind als Abkürzung für „Masters of Nürburgring“ gedacht, denn Gazoo Racing, das Motorsportteam von Toyota, hat seinen Sitz an der legendären Rennstrecke in der Eifel.

Daten Toyota Yaris GRMN
Maße (Länge x Breite x Höhe in m): 3,95 x 1,70 x 1,51 
Radstand (m): 2,51
Motor: R4-Ottomotor, Kompressor, Direkteinspritzung, 1798 ccm
Leistung: 156 kW / 212 PS bei 6800 U/min 
Maximales Drehmoment: 250 Nm bei 4800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,4 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Leergewicht/Zuladung: 1135 kg / 410 kg
Gepäckraum: 286 l
Reifen: 205/45 R17
Preis: 30 900 Euro