Rallye Dakar - 9. Etappe: Drama um Peterhansel

Die Entscheidung scheint gefallen und Toyota steht vor erstem Dakar-Sieg. Stéphane Peterhansel musste auf der heutigen Etappe aufgeben.

Die Entscheidung scheint gefallen und Toyota steht vor erstem Dakar-Sieg. Stéphane Peterhansel musste auf der heutigen Etappe aufgeben.

Nur noch 112 Kilometer sind am Donnerstag zu bewältigen – und Nasser Al-Attiyah (Toyota) hat beruhigende 51 Minuten Vorsprung vor Nani Roma (Mini). Dem Katarer ist sein zweiter Dakar-Gesamtsieg nach 2011 kaum noch zu nehmen, der erste für Toyota. Seinen dritten Etappensieg bei der 2019er Auflage – vor Verfolger Roma – feierte Al-Attiyah aber mehr oder weniger aus Versehen.

„Business as usual“ herrschte nur bis zum letzten Wegpunkt vor dem Ziel. Sébastien Loeb (Peugeot) war auf dem Weg zum fünften Tagessieg, Al-Attiyah im Sicherheitsmodus nicht weit entfernt. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse.

Erst steckte Loeb 20 Minuten mit einer gebrochenen Antriebswelle auf einer Düne fest. Die fällige Reparatur mit dem mitgeführten Ersatzteil klappte nicht ganz, kurz darauf stand der neunmalige Rallye-Weltmeister noch einmal. Dieses Mal musste er auf Teamkollege  Pierre Lachaume warten, um auf dessen Teilevorrat zurückzugreifen. Am Ende hatte Loeb über eine Stunde verloren.

Durch Loebs Probleme war für Cyril Despres der erste Tagessieg greifbar – bis er kurz vor dem Ziel seinen Mini eine Düne hinunter rollte. Bis der Buggy mit Hilfe anderer Teilnehmer wider auf den Rädern stand, waren fast 40 Minuten vergangen.  

Schon vorher hatte sich die Pechsträhne von Dakar-Rekordsieger Stéphane Peterhansel (Mini) dramatisch zugespitzt. Sein neuer Beifahrer David Castera – Stamm-Copilot Jean-Paul Cottret liest dieses Jahr Teamkollege Cyril Despres das Roadbook vor – verletzte sich schon nach 26 Kilometern bei einer harten Landung am Rücken. Den beiden Franzosen blieb nur die Aufgabe. Castera wurde zum Check in ein Krankenhaus in der peruanischen Hauptstadt Lima geflogen.

Sainz fällt weiter zurück

Carlos Sainz startete die Etappe mit drei Stunden Verspätung, weil an seinem Mini Buggy beim Wegfahren vom Service die Servolenkung ausfiel und erst repariert wurde. Durch die fällige Strafzeit rutschte der Vorjahressieger auf Gesamtrang 15 ab.

Hinter Al-Attiyah und Roma belegten Giniel de Villiers und sein deutscher Beifahrer Dirk von Zitzewitz Tagesrang 3. „Wieder ein Haken hinter einem besonders schweren Tag. Heute haben wir uns alle schwer bei der Navigation getan. Ich habe das Gefühl, dass ein paar Wegpunkte nicht dort waren, wo sie hätten sein sollen“, berichtete Von Zitzewitz. „Trotzdem ist alles gut für uns gelaufen. Besonders für das gesamte Team, inklusive Nasser und Matthieu, auf die wir heute so lang wie möglich aufgepasst haben – aber im Fesh-Fesh-Staub mussten wir irgendwann abreißen lassen.“

Bei den Trucks eroberte Eduard Nikolaev mit dem Tagessieg die Führung von Kamaz-Teamkollege Dmitry Sotnikov zurück. Auf den Plätzen 3 und 4 folgen die Iveco-Petronas-Piloten Gerard de Rooy und Federico Villagra. 

Zwischenstand nach der 9. Etappe

01. Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel (QA/FR), Toyota, 33:09.12 Std.
02. Joan "Nani" Roma/Alex Haro Bravo (ES/ES), Mini, + 51.27 
03. Sébastien Loeb/Daniel Elena (FR/MC), Peugeot, + 2:02.37
04. Jakub Przygonski/Tom Colsoul (PL/BE), Mini, + 2:33.51
05. Cyril Despres/Jean-Paul Cottret (FR/FR), Mini Buggy, + 2:55.13
06. Martin Prokop/Jan Tomanek (CZ/CZ), Ford, + 3:29.06
07. Yazeed Al-Rajhi/Timo Gottschalk (SA/DE), Mini, + 4:28.22
08. Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz (SA/DE), Toyota, + 7:08.16
09. Ronan Chabot/Gilles Pillot (FR/FR), Toyota, + 8:11.46
10. Benediktas Vanagas/Sebastian Rodzwadowski (LT/LT), Toyota, + 8:15.26

Vorschau auf die 10. Etappe

Pisco – Lima; Gesamtdistanz: 359 km; WP-Kilometer: 112 km

Start Prüfung: 15:16 Uhr (erstes Auto)
Ziel Prüfung: 16:46 Uhr (erstes Auto, vom Veranstalter errechnet)

Dirk von Zitzewitz: „Wenn wir in Lima ankommen werden, haben wir zehn Etappen lang sehr viel Sand und Staub geschluckt. Wir haben lang und hart gearbeitet, hierher zu kommen. Keine leichte ‚Dakar‘, wenngleich nicht so abwechslungsreich wie die Jahre zuvor.“