Rallye Dakar - 8. Etappe: Al-Attiyah hängt Peterhansel endgültig ab

Toyota-Pilot Nasser Al-Attiyah baut seine Führung auf der achten Tagesetappe weiter aus. Dakar-Rekordsieger Stephane Peterhansel büßt dagegen fast 25 Minuten ein. Den Sieg holte sich erneut Sebastien Loeb.

Toyota-Pilot Nasser Al-Attiyah baut seine Führung auf der achten Tagesetappe weiter aus. Dakar-Rekordsieger Stephane Peterhansel büßt dagegen fast 25 Minuten ein. Den Sieg holte sich erneut Sebastien Loeb.

War’s das jetzt endgültig? Nasser Al-Attiyah (Toyota) hat seine Führung auf Verfolger Nummer eins, Dakar-Rekordsieger Stéphane Peterhansel (Mini), deutlich ausgebaut. Der Franzose fuhr sich am Dienstag zweimal fest, verlor erneut fast 25 Minuten und fiel dadurch sogar auf Rang 4 zurück. Al-Attiyahs Vorsprung auf den jetzt zweitplatzierten Spanier Nani Roma (Mini) beträgt bei nur noch zwei ausstehenden Prüfungen über 46 Minuten.

Rund zwei Stunden lang wähnte sich Al-Attiyah sogar als Sieger der achten Etappe. Doch die Etappe war eine sogenannte „Super-Stage“. Am Morgen starteten die jeweils zehn schnellsten Motorräder und Autos sowie die fünf schnellsten Trucks des Vortages als Erste. In dieser Gruppe war unter anderem Sébastien Loeb (Peugeot) nicht dabei, der erst mehr als zwei Stunden nach Peterhansel, dem Etappensieger vom Montag, auf die Strecke ging.

Der neunmalige Rallye-Weltmeister brachte das Kunststück fertig, trotz zahlreicher Überholmanöver die Tagesetappe zu gewinnen – mit satten siebeneinhalb Minuten Vorsprung auf Al-Attiyah. „Wir mussten schon nach etwa 6 Kilometern einen Reifen wechseln und haben ein paar Minuten einen Wegpunkt gesucht. Ansonsten war es ein problemloser Tag“, berichtete Loeb. Er verbesserte sich auf Rang 3 der Gesamtwertung.

Wenn die Teams gedacht hatten, sie hätten am Montag mit der angekündigten „Königsetappe“ die größten Schwierigkeiten schon hinter sich, sahen sie sich 24 Stunden später schwer getäuscht. „Wider Erwarten eine extrem harte Prüfung. Der gesamte zweite Abschnitt bestand nur aus Dünen – und die Veranstalter haben uns durch das härteste Gebiet davon geschickt“, beschrieb Dirk von Zitzewitz, deutscher Beifahrer von Giniel de Villiers (Toyota). „Viel Löcher, extrem weicher Sand – also das Größte an Herausforderung für Fahrer, Beifahrer und Material. Gleich nach wenigen Kilometern hatten wir einen Plattfuß, der zwei Minuten gekostet hat. Und ganz am Ende mussten wir für einen Wegpunkt kurz umdrehen – dabei haben wir etwa eine Minute hergeschenkt.

Zunächst hatte Vorjahressieger Carlos Sainz (Mini) auf der Jagd nach seinem ersten Etappensieg für dieses Jahr die Führung übernommen. Doch der Spanier steckte nach etwa 10 Kilometern über eine halbe Stunde in einer Düne fest. Weil anschließend die Servolenkung nicht mehr funktionierte, büßte noch einmal rund 45 Minuten ein. Auch Cyril Despres (Mini) verlor aufgrund von Getriebeproblemen fast eine Stunde, behielt aber Gesamtrang 5.

Eine starke Leistung boten dagegen Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz. Die beiden blieben ihrem Toyota-Teamkollegen Nasser Al-Attiyah auf den Fersen, um im Notfall zur Hilfe eilen zu können. Das südafrikanisch-deutsche „Chasecar“ belegte so in der Tageswertung Rang 4.

Während bei den Autos die Entscheidung gefallen sein dürfte, kam es bei den Trucks zu einem Führungswechsel. Kamaz-Werkspilot Eduard Nikolaev steckte fast eine Stunde im tiefen Sand fest und verlor Platz 1 an Teamkollege Dmitry Sotnikov. Gerard de Rooy, Kapitän im Team Petronas-Iveco, konnte den Rückstand zwar verringern, ist aber nach wie vor Dritter. „Mein Fehler“, erzählte der Niederländer. „Vor einer Dünen-Passage nehme ich normalerweise eine Pille gegen Seekrankheit. Die habe ich vergessen. Prompt wurde mir übel, und ich habe etwas die Konzentration verloren.“ De Rooy und seine Crew mussten selbst etwa 15 Minuten Sand schaufeln. Außerdem mussten sie wegen einer verbogenen Felge auf den letzten Kilometern Tempo herausnehmen. 

Zwischenstand nach der 8. Etappe:

01. Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel (QA/FR), Toyota, 29:15.50 Std.
02. Joan "Nani" Roma/Alex Haro Bravo (ES/ES), Mini, + 46.29
03. Sébastien Loeb/Daniel Elena (FR/MC), Peugeot, + 46.45
04. Stéphane Peterhansel/David Castera (FR/FR), Mini Buggy, + 53.30
05. Cyril Despres/Jean-Paul Cottret (FR/FR), Mini Buggy, + 2:15.27
06. Jakub Przygonski/Tom Colsoul (PL/BE), Mini, + 2:19.50
07. Martin Prokop/Jan Tomanek (CZ/CZ), Ford, + 2:56.03
08. Yazeed Al-Rajhi/Timo Gottschalk (SA/DE), Mini, + 3:54.57
09. Carlos Sainz/Lucas Cruz (ES/ES), Mini Buggy, + 6:42.15
10. Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz (SA/DE), Toyota, + 7:01.01 

Vorschau auf die 9. Etappe:

Pisco – Pisco; Gesamtdistanz: 409 km; WP-Kilometer: 313 km

Start Prüfung: 13:25 Uhr (erstes Auto)
Ziel Prüfung: 18:10 Uhr (erstes Auto, vom Veranstalter errechnet) 

Dirk von Zitzewitz: „Noch einmal eine lange Sonderprüfung in dem uns nun schon bekannten Gebiet. Wieder viele bestehende Spuren von zuvor – es wird ähnlich wie bei einem Motocross-Rennen werden. Ich erinnere mich, dass es hier viele Korridore gibt, in denen man schnell den falschen Weg einschlagen oder Abfahrten in den Nachbar-Korridor verpassen kann. Navigation wird in den Felsen, Dünen und Hügeln schwierig werden – und angesichts der in Richtung Meer mehr und mehr im Sand versteckten Steinen ist es auch leicht, sich das Auto kaputt zu fahren. Wieder ein Hammer-Tag.“