Rallycross-WM

WRX Nürburgring: Titel für Kristoffersson

Turbulente Premiere des Nürburgrings in der Rallycross-WM: Johan Kristoffersson holt sich den Titel, doch bis dahin war es ein actionreicher und frostiger Weg.

Das gab es bei den Rallycrossern noch nicht: beschauliche Adventsstimmung bei einem Saisonfinale. Schneeschauer hatte es schon das ein oder andere Mal gegeben, nicht aber einen Auftritt in der Vorweihnachtszeit. Am Freitag rieselten die Schneeflocken sanft auf Strecke und Fahrerlager, Eiszapfen bildeten sich an den Trucks und am Samstagmorgen bot sich allen ein toller Anblick: die Müllenbachschleife im Winterschlaf. Dick eingepackte Hardcore-Fans stapften auf die eisigen Tribünen, schutzlos blickten sie ins weite Rund, das ruhig vor ihnen lag.

Positiver Corona-Test nach Unfall

Das war es dann auch schon mit der Beschaulichkeit. Bereits im ersten Vorlauf flogen die Fetzen, als der Franzose Herves Knapick (Citroen) einen der hohen, dreieckigen Ungetüme erwischte, die offenbar als Curbes dienen sollten. Meterhoch flog er durch die Luft, das Auto wurde überall verteilt und der Torso des Citroens blieb schließlich zwischen zwei Fangzäunen in einem Bereich hängen, der eigentlich als Fotografenzone ausgewiesen war. Dort befand sich glücklicherweise niemand, Knapick wurde geborgen und mit dem Heli ins Krankenhaus gebracht. Dort teste man ihn positiv auf den Corona-Virus und so musste das gesamte Fahrerfeld noch einmal zum Antigen-Test antreten.

Es konnte schließlich weitergehen, aber der dritte Qualifikationslauf wurde aus Zeitgründen gestrichen. Knapick kehrte offenbar zurück zum Nürburgring, wurde im Fahrerlager entdeckt und erhielt wegen Bruch der Quarantäneregeln die Strafe von 250 Euro aufgebrummt. So viel zahlen auch diejenigen, die unerlaubt mit einem E-Roller die Strecke vor den Rennen abfahren. Es sollte nicht die einzige Entscheidung der Stewards bleiben.

Nervenflattern bei Hansen

Der Samstag wurde die Beute von Johan Kristoffersson, der bis dahin 17 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Timmy Hansen zu verzeichnen hatte. Eine schwierige Aufholjagd, doch mit dem Sieg in Quali, Semifinale und Finale hatte er die Maximalpunktzahl erreicht und sein Soll zunächst erfüllt. Hansen hatte sein Semifinale ebenfalls gewonnen, doch man brummte ihm einige Strafsekunden auf, weil er Enzo Ide angerempelt und überholt hatte. Dies warf ihn ein paar Plätze zurück, aber die Teilnahme am Finale war trotzdem drin – nur eben als Starter aus der letzten Reihe.

Gemeinsam mit Enzo Ide räumte er in der ersten Kurve Niclas Grönholm ab und schaffte es hinter Kristoffersson aufs Podest, doch der hatte den Abstand bereits auf acht Punkte halbiert. Später disqualifizierten die Stewards sogar noch Timmy Hansen und Enzo Die für ihren unrühmlichen Einsatz im Finale, so dass der Vorsprung auf vier Punkte zusammenschmolz.

Man könnte aus zwei solchen Entscheidungen lernen, doch es schien, als hätte Timmy Hansen die Nerven verloren. Gleichzeitig sah man Kristoffersson geradezu an, wie sehr er sich auf den Sonntag freute und seine Chance witterte.

Showdown um die Krone

Am Finaltag sicherte sich Kristoffersson die Quali vor Hansen und nahm seinem Widersacher damit einen weiteren Punkt ab. Da waren es nur noch drei. Beide gewannen ihre Semifinals, doch wieder hatten die Stewards ein Auge auf Timmy und seinen Fahrstil geworfen. Wieder hagelte es Strafsekunden und wieder fiel Hansen zurück – er wurde bezichtigt, Grönholm in die Wiese geschickt zu haben. Das kostete weitere zwei Pünktchen, so dass zwischen den beiden Favoriten noch ein magerer Zähler den Unterschied ausmachte. Wer nun vor dem anderen ins Ziel kam, würde Weltmeister sein.

Das Finale wurde die Beute von Niclas Grönholm, der damit einen fulminanten Endspurt hingelegt hatte. Er war so viel herumgeschubst worden und dennoch fuhr er den Sieg ein – das war Balsam für seine Seele und mit den eingefahrenen Punkten verdrängte er sogar noch Kevin Hansen von Rang drei der Tabelle. Kristoffersson kam vor Timmy Hansen ins Ziel und hatte damit auch noch den letzten Punkt Vorsprung seines Kontrahenten aufgefressen. Das reichte für ihn zum Titelgewinn, denn er hatte mehr Siege auf dem Konto, als Timmy. Für die Hansens blieb am Ende immerhin noch der Gewinn der Team-Weltmeisterschaft. Ihr eigentliches Ziel aber, den Gewinn des letzten Rallycross WM-Titels mit einem Verbrennermotor blieb ihnen verwehrt. Im kommenden Jahr startet die WRX reinelektrisch.

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