Gib mir Fünf

Das neue R5 Reglement

Die Flurbereinigung in Sachen technischem Rallyereglement geht dem Ende entgegen. Künftig wird es unterhalb der WRC nur noch verschiedene R-Kategorien geben. Angefangen bei der serienahen R1, über die etwas freizügigeren R2 und R3, bis hin zur R4 sind die Homologationen schon seit längerem bekannt. Nun hat die FIA auch die neue Spitzenkategorie R5 fixiert.

<strong>NEU:</strong> Ab Ende 2013 sollen die ersten R5-Modelle in Kundenhand gelangen

Es soll wieder Ordnung einkehren. Unsere Väter fuhren noch mit Gruppe 1 bis 4-Autos. Danach zogen erst die wilden Gruppen B-, sowie deutlich reduzierte A-, und kurz darauf serienahen N-Fahrzeuge in den Wettbewerb. Doch mit den Super 1600er begann das System zu implodieren. Spätestens als Hersteller wie Citroën und Suzuki anfingen die gegebenen Freiheiten auch für werksunterstützte Topautos auszunutzen, konnten selbst neue Reglementgrenzen zum Beispiel für Gewichte, oder Preise von Teilen nicht jene Exzesse stoppen, die mittlerweile auch die eigentlich als höchste Kundensportkategorie auserkorene Super2000 fest im Griff haben. Zu extrem, zu teuer. Ein wettbewerbsfähiger S2000 kostet längst über 300.000 Euro – von den Einsatzkosten ganz zu schweigen.

 

Schon seit längerem arbeitet die FIA an einer neuen Struktur und damit seit Ende der 1980er Jahre an einer längst überfälligen Flurbereinigung. Vor fünf Jahren wurden erstmals Modelle der neuen "R"-Kategorie, sozusagen einer gelungene Kombination aus Gruppe A und N angeboten. Anfangs kamen die R3 mit 2l-Saugmotor, mittlerweile auch mit kleinerem Turbotriebwerk daher. Es folgten die ebenfalls mit einem sequentiellen Getriebe ausgerüsteten R2. Darunter bildet die serienahe R1 (u.a. mit klassischer H-Schaltung) die Einsteigerkategorie. Das andere Ende der Fahnenstange wurde im Frühjahr vom FIA Weltrat ratifiziert – die R5.

 

Die gute Nachricht zuerst. Optisch wird sich wenig ändern. Die Eckdaten der R5 ähneln jenen der S2000. Ergo müssen für eine R5-Homologation vom Basismodelle wie schon in der Gruppe A vorgeschrieben, 2.500 Einheiten innerhalb von zwölf Monaten gebaut worden sein. Ein Zweirad angetriebener Produktionswagen darf auf Allradantrieb umgerüstet werden. Die maximale Breite eines R5 beträgt wie aktuell in der S2000 1.820 Millimeter, das Minimalgewicht 1.200 Kilo. "Controlled design" ist jenes Zauberwort mit dem das Reglement einzelne Bauteile klar definiert. Das Groß der Kostenreduzierung soll durch präzisere Vorgaben zum Beispiel bei Gewicht und Herstellung vor allem bei Teilen für Fahrwerk und Kraftübertragung kommen. Zum Beispiel sind künftig dank definierten Innendurchmesser die Zeiten von handgeschmiedeten "Dünnring"-Radlagern, bei denen manches Topauto aktuell bis zu acht Radlager pro Veranstaltung benötigte, Geschichte. Dass statt deren sechs (S2000) das sequentielle Getriebe künftig nur noch fünf Gänge haben darf, darf als zusätzliche Abgrenzung zu den der Topliga vorbehaltenen WRC gelten.

 

Die Eckdaten des Motors

 

Beim Triebwerk ist das Motto das gleiche: breite Basis und enge Modifikationsmöglichkeiten. Das R5-Reglement schreibt einen Vierzylinder-Block – gerne auch Boxer (Subaru!) – mit Turbolader vor. Der Hubraum wurde auf Wunsch diverser Hersteller, zum Beispiel aus dem westlichen Nachbarland und aus Japan, auf maximal 1.620 ccm festgeschrieben. Denn längst haben einige Grosserienmaschinen einen Hubraum von 1.610 ccm. Übrigens wurde in diesem Punkt bei einer Reglement-Harmonisierung der FIA unter anderem nun auch gleich der Hubraum der R3T auf den gleichen Wert angehoben!

 

Der Block muss nur aus der Markenfamilie, nicht jedoch vom Basisauto stammen, kann wahlweise runtergebüchst (z.B. von 1.800 ccm) oder eben aufgebohrt (z.B. von 1.400 ccm) werden. Ob der Turbolader vom Basistriebwerk stammt, oder nicht, oder womöglich ein Saugmotor zwangsbeatmet wird, ist ebenfalls frei. Allerdings muss der Lader von der FIA freigegeben werden –  "controlled design" eben. Die Verdichtung ist mit 10,5 : 1 festgeschrieben. Ein Drehzahllimit entfällt. Schließlich  sollten ein Luftmengenbegrenzer von 32 Millimeter (S2000-Turbo 30mm) und ein maximaler Ladedruck von 2.5 bar (wie S2000-Turbo) reichen, Entwicklungsexesse und damit auch häufige und kostenintensive Revisionen zu verhindern.

 

Noch läuft weder ein fertiges R5-Triebwerk auf irgendeinem Prüfstand, noch kann irgendein Hersteller mit einem fertigen Chassis aufwarten. Der früher bei Opel und Toyota aktive Ingenieur Karlheinz Goldstein, der als FIA-Techniker federführend an der Konzeption der neuen Kategorie mitarbeitet, glaubt an den Erfolg der R5. Das Interesse der Hersteller bestätigt ihn. Aus Japan sollen Subaru und Toyota Interesse bekundet und Fragen zwecks Detaildefinition des R5-Reglement eingereicht haben.

 

In Frankreich betreiben Peugeot und Citroën seit längerem eine gemeinsame Basisentwicklung. Ob die Löwenbändiger wie kolportiert im Frühjahr 2013 als erste einen 208 R5 präsentieren können, hängt ebenso von einer Vorstandentscheidung in Sachen Sportengagement ab, wie die Hoffnung der WM-Platzhirsche Citroën. Deren Teamchef Yves Matton avanciert das Debüt eines DS3 R5 zur Rallye Frankreich im September 2013 – grünes Licht vorausgesetzt. Ähnliches gilt für Skoda. Durch das Stühlerücken in Vorstand und Entwicklung wird sich auch bei der tschechischen Volkswagentochter erst im Herbst der Daumen für einen R5 und damit einen Turbo-befeuerten Nachfolger des Fabia S2000 heben. Folglich dürfte auch dieser den Kundensport kaum vor 2014 bereichern. Möglicherweise wartet Skoda gar den Modellwechsel des Fabias ab, dann sprechen wir von 2015.

 

Geht es nach Berechnungen der mit zahlreichen Herstellervertretern besetzten Technischen Arbeitsgruppe der FIA sollen Kunden einen R5 für rund 180.000 Euro ihr Eigen nennen können. Fürs gleiche Geld gibt es aktuell bestenfalls einen nur bedingt konkurrenzfähigen R4-Mitsubishi oder -Subaru. Ein Top-S2000 kostet mittlerweile satte 150.000 Euro mehr. Heißt: Gib mir fünf! Auch weil die FIA sich vorbehält an den Stellschrauben zu drehen, wenn die ersten R5 in der Klasse 2 (unterhalb der WRC) gegen die aktuellen Platzhirsche Zweiliter-S2000, 1.6T-S2000, sowie die R4 antreten müssen. 

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