Das neue finnische Rallye-Wunder

Nach Jahren der Demütigung hat Finnland das Zepter im Rallyesport wieder an sich gerissen. Das zeigt nicht nur die Anzahl junger Fahrer in der Weltmeisterschaft, sondern auch der Aufschwung in der nationalen Meisterschaft.

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Nach Jahren der Demütigung hat Finnland das Zepter im Rallyesport wieder an sich gerissen. Das zeigt nicht nur die Anzahl junger Fahrer in der Weltmeisterschaft, sondern auch der Aufschwung in der nationalen Meisterschaft.

Lange Zeit galt im Rallyesport die Devise: „If you want to win, hire a Finn.“ – „Wenn Du gewinnen willst, verpflichte einen Finnen.” – Doch dann kam Sebastien Loeb und alles änderte sich. Selbst als der Rekord-Weltmeister amtsmüde wurde und den Staffelstab an seinen Nachfolger Sebastien Ogier weitergab, blieb die Situation gleich: Frankreich lief Finnland den Rang ab. 

Doch jetzt wendet sich das Blatt wieder. Die Finnen haben mit Esapekka Lappi, Teemu Suninen, Hyundai-Junior Jari Huttunen und natürlich Kalle Rovanperä gleich vier neue und sehr heiße Eisen im WM-Feuer, Frankreich kann nicht mehr nachlegen. Mit Tommi Mäkinen und seinem in Finnland beheimateten Toyota-Team schufen die Nordmänner sich eine direkte Aufstiegsmöglichkeit in die Topliga, die Verpflichtung von Ott Tänak aus Estland ist fast schon ein Zugeständnis an den Rest der Welt, dass man es nicht komplett übertreiben will.

Aber nicht nur in der Weltmeisterschaft haben die Finnen den Grundstein für eine glänzende Zukunft gelegt, auch in der heimischen Meisterschaft scheint sich das Blatt wieder gewendet zu haben. Beim zweiten Lauf, der ‚Vaakuna Ralli‘ rund um Mikkeli, stehen 17 R5-Fahrzeuge in der Nennliste, an so eine Qualität war vor zwei Jahren nicht zu denken. Unter anderem lässt Roh-Diamant Kalle Rovanperä den WM-Lauf in Schweden sausen und nutzt die Rallye um sich unter gleichen winterlichen Bedingungen zu verbessern. Der 17-jährige sitzt wie gehabt in einem Skoda Fabia von TGS.

Gardemeister: "R5 war ein Segen"

TGS-Teamchef Toni Gardemeister, der drei eigene Fahrzeuge einsetzt und zwei weitere betreut, hat eine klare Meinung zum neuen Aufschwung in seiner Heimat. „Die R5-Kategorie war ein Segen. Erst gab es unterhalb der WRC nur Mitsubishis und Subarus – das war nicht wirklich förderlich. Zum einen wurden die Autos richtig teuer, zum anderen war für junge Fahrer keine Unterstützung zu bekommen. Mit der S2000 gab es zwar mehr Anbieter, aber die Autos waren mit jenseits der 300.000 Euro extrem teuer“, erklärt der ehemalige Werkspilot.

Gardemeister weiter: „R5-Autos sind nicht nur moderne Turboallradler, sondern sie bewegen sich auch grob auf einem einheitlichen Niveau und in einem überschaubaren Preisrahmen. Aber das Beste: Es gibt verschiedene Hersteller und ein Fahrer hat dadurch mehr Möglichkeiten ein Paket zu stricken. In Finnland sind aktuell ein Rudel Skodas, mehrere Fords, Hyundais und auch Citroëns, sowie ein Peugeot am Start. Waren es bisher nur noch die eigenen Partner, kann man nun auch mit den Importeuren ein Paket stricken. Schon jetzt haben wir zahlreiche Anfragen für den VW Polo. Und ich bin mir sicher, dass auch der ein oder andere C3 bald hier mitmischen wird.“