FIA beauftragt Oreca mit dem Bau der R4-Kits

Die Planungen für die neuen R4-Kits Rallyeautos sind abgeschlossen. Die FIA ernannte die französische Motorsportschmiede Oreca als offiziellen Zulieferer. Jetzt soll die Markenvielfalt im Rallyesport erhöht werden.

  • Oreca will ab Sommer die ersten R4-Bausätze ausliefern

Die Planungen für die neuen R4-Kits Rallyeautos sind abgeschlossen. Die FIA ernannte die französische Motorsportschmiede Oreca als offiziellen Zulieferer. Jetzt soll die Markenvielfalt im Rallyesport erhöht werden.

Der Virus breitete sich rasend schnell aus. Es begann in Argentinien, griff auf Brasilien und dann den Rest Südamerikas über. Drei Jahre später hatte er den Pazifik überquert und grassierte in Neuseeland und Australien. Ob Maxi-Rallycar, oder AP4, plötzlich tauchten Autos im Rallyesport auf, die es so gar nicht geben dürfte. Eigentlich hätte die neue Bewegung ruckzuck mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden, denn gemäß der Regeln des Weltmotorsportverbandes dürfen weltweit eigentlich nur Autos an offiziellen Meisterschaften teilnehmen, die vom Hersteller selbst homologiert werden. Allein aus Sicherheitsgründen sind selbstgezimmerte Überrollkäfige verpönt.

Aber auch bei der sonst als so rückwärtsgewandt und unbeweglich verschrienen FIA hatte sich der Wind gedreht. Um den zahlreichen Graswurzel-Bewegungen in den entlegenen Märkten Raum zu geben, beschloss man in Paris, mit einem einheitlichen Regelwerk Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Markenvielfalt fördern, ohne wichtige Standards zu gefährden. Der Weltverband beauftragte einen Experten, um das Regelwerk für ‚R4-Kits’, so der nun offizielle Name, auszuarbeiten.

In Neuseeland bereits möglich: Ein Mazda mit Allrad und ordentlich Qualm

Die neuen Sportgeräte, angetrieben von einem 1,6-Liter Turbo sollen langsamer als ein R5 sein, aber schneller als ein Gruppe-N-Allradler, ohne mehr zu kosten! Sie können von privaten Teams oder Händlern aufgebaut und eingesetzt werden. Die Motorleistung wird von einem sequentiellen 5-Gang-Getriebe portioniert, die Fahrwerke sind Einheits-Komponenten. Die Position der Achsen muss der Serie entsprechen, ansonsten sind Modifikationen bei den Anlenkpunkten für Hilfsrahmen und Dämpfer erlaubt, um die leichten Unterschiede in den Fahrzeugdimensionen auszugleichen. Dass sich in Sachen Geometrie oder Balance für das ein oder andere Modell leichte Vorteile ergeben könnten, soll kein Problem darstellen. Weil viele Bauteile freigestellt sind, dürften die R4-Autos Tuner und Tüftler reizen, deren Können künftig wieder eine größere Rolle spielen wird.

Der R4-Kit umfasst diese Bauteile. Der Rest ist frei

„Wir wollten eine weitere preisgünstige Möglichkeit in unserer Rallye-Pyramide entwickeln und den Fahrern ein Auto mit einem hohen Sicherheitsstandard bieten“, sagte FIA Technik-Chef Bernard Niclot. „Das Wichtigste ist, dass die Einsatzkosten niedrig sind. Gleichzeitig haben die Fahrer die Gewissheit, dass alle R4-Autos identische Bauteile haben, was für Ausgeglichenheit in der neuen Kategorie sorgt.“

Seit einem halben Jahrzehnt haben die klassischen Gruppe-N-Vertreter Mitsubishi und Subaru jedes Interesse an neuen Allrad-Modellen verloren. Deshalb sollen die neuen R4-Autos in regionalen und nationalen Meisterschaft für frischen Wind sorgen. Der von der FIA offiziell beauftragte Kit-Lieferant Oreca will ab Sommer die ersten Bausätze ausliefern. Über die genauen Kosten schweigt man sich aktuell aber noch aus, jedoch gibt die FIA-Ausschreibung einen ersten Einblick (Seite 38 und 39).