Je oller, desto doller

50. Rallye San Remo

Ein Klassiker feiert goldenes Jubiläum: Am kommenden Wochenende bereitet die 50. Ausgabe der berühmten Rallye San Remo dem achten IRC-Saisonlauf die Bühne.

<strong>SPANNUNG:</strong> Der Titelkampf in der IRC geht in die nächste Runde

Es sind Namen, bei denen wahre Fans des Rallye-Sports augenblicklich vor Ehrfurcht erstarren; Orte, an denen sich legendäre Geschichten und epochale Schlachten um Ruhm und Ehre zu einem beispiellosen Mythos verdichten; Heldensagen, wie sie wohl nur die Zunft der Quertreiber in einem halben Jahrhundert zusammentragen kann: „Bajardo“, „San Romolo“, „Colla di Langan“ und natürlich – „Monte Ceppo“.

 

Diesen Wertungsprüfungen haben die Größten der Rallye-Historie ihren Stempel aufgedrückt, angefangen von Erik Carlsson im kugelrunden Saab 96 Sport über den sensiblen Sandro Munari im hysterischen Lancia Stratos HF und Walter Röhrl im bestialischen Audi sport quattro S1 bis hin zum unvergessenen Colin McRae im Subaru Impreza WRC sowie dem anscheinend unschlagbaren Sébastien Loeb mit seinem Citroën Xsara-World Rally Car.

 

2004 flog die „San Remo“ zugunsten einer Schotterveranstaltung zwar aus dem Kalender der Rallye-Weltmeisterschaft, ihrem speziellen Ruf konnte dies jedoch nichts anhaben. Heute zählt sie zu den absoluten Saison-Höhepunkten der Intercontinental Rally Challenge und wartet in diesem Jahr mit ganz besonderen Herausforderungen auf – so etwa der Wertungsprüfung „Ronde“. Sie ist mit 59,99 Kilometer nicht nur außergewöhnlich lang, sondern wird auch noch in stockfinsterer Nacht (Start 1. Fahrzeug: Donnerstag, 22.59 Uhr) ausgetragen. Bedingungen, die einst den Rallye-Sport charakterisierten, innerhalb des restriktiven Format eines aktuellen WM-Laufs aber völlig undenkbar wären.

 

„Tatsächlich verspricht ,Ronde‘ nicht nur für den Fahrer ein außergewöhnliches Erlebnis“, erläutert Jacques Morelli, der für das IRC-Programm zuständige Manager von BFGoodrich. „Auch wir Reifenhersteller stehen angesichts dieser langen Wertungsprüfung auf dem verschleißintensiven, in Waldgebieten unter Umständen auch feuchtem Asphalt vor einer schwierigen Aufgabe – aber es ist eine Herausforderung, die wir sehr gerne annehmen und auf die wir uns freuen. Diese anspruchsvolle Marathon-WP beweist, dass die IRC wieder zu den Wurzeln dieses fantastischen Sports zurückkehrt, was wir sehr begrüßen.“

 

Neue Saison, die gleichen Protagonisten: Auch am kommenden Wochenende sind Luca Rossetti, Giandomenico Basso und Nicolas Vouilloz die Favoriten – ergänzt allerdings um den Belgier Freddy Loix in einem weiteren Peugeot 207 S2000 und Anton Alén im Fiat Abarth Grande Punto S2000. Rossetti kämpft dabei nicht nur um seine Titelchancen in der IRC: Der Italiener könnte mit einem Sieg auch die nationale Meisterschaft seines Landes für sich entscheiden. Die besten Aussichten auf die Fahrer-Krone in der IRC besitzt jedoch Nicolas Vouilloz, der die Tabelle nach sieben von zehn Läufen mit 52 Punkten und einem Vorsprung von 17 Zählern auf Loix anführt. Allerdings kommt hier eine Besonderheit des Reglements zum Tragen: Unterm Strich zählen am Jahresende nur die sieben besten Resultate. Und dies bedeutet für den Franzosen: Selbst bei einem Sieg verbessert er sich allenfalls um sechs weitere Punkte, während seine Kontrahenten aufgrund von Ausfällen ihr Konto noch voll aufstocken können. Für Spannung ist also auch weiterhin gesorgt ...  


Dabei kommt dem Verschleiß der Rallye-Reifen nicht nur auf der gut 60 Kilometer langen „Ronde“-Wertungsprüfung eine besondere Bedeutung zu: Die Straßen der „San Remo“ besitzen einen Asphaltbelag, der so rau ist wie kaum ein zweiter im IRC-Kalender. Dies weiß kaum jemand besser als Didier Auriol: Der Rallye-Weltmeister von 1994 konnte diese Veranstaltung in der Vergangenheit gleich dreimal gewinnen – 1990 und 1991 auf einem Lancia Delta integrale, 1994 am Steuer einer Toyota Celica. Auch bei der Jubiläums-Ausgabe geht der französische Asphalt-Spezialist wieder an den Start: mit einem Fiat Abarth Grande Punto S2000. Die Favoriten-Rolle weist Auriol aber weit von sich: „Ich bin hier, um Spaß zu haben“, so der 50-Jährige. „In meinem Alter macht es keinen Sinn, sich Chancen gegen jüngere Fahrer auszurechnen, die mit den aktuellen S2000-Geräten viel mehr Erfahrung besitzen als ich.“

 

Hoffnungen auf eine Topplatzierung macht sich indes Andrea Torlasco: Das 24-jährige italienische Nachwuchstalent setzte sich gegen 132 Kontrahenten durch und darf sein Heimspiel am Steuer des Kronos-Peugeot 207 S2000 des BFGoodrich Drivers Team in Angriff nehmen. Für das Fronttriebler-Ass ist es die erste Rallye mit einem modernen S2000-Allradler.

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